Hannelore Kohl führte eine Ehe mit klassischer Rollenverteilung: Er machte Karriere, und sie kümmerte sich um die Kinder. Doch sein Leben als Politiker forderte mehr von ihr – ein Leben im Rampenlicht. Mit viel Selbstdisziplin ließ sie sich darauf ein. „Du kannst Dir nicht vorstellen, wie ich das alles hasse“, sagte sie zu Heribert Schwan, ihrem späteren Biographen.

Tagsüber arbeitete Helmut Kohl, nachts ging er mit seinen Kumpel essen, trinken und über Politik reden. Jedes Jahr inszenierte er Urlaubsphotos am Wolfgangssee – und dann arbeitete er weiter. In einem ZDF-Interview über ihr Leben als Kanzlergattin sagte Hannelore Kohl: „Man muss vor allem warten können. Aber nach vier, fünf Stunden echten Wartens kann man nur noch von einem Hund verlangen, dass er sich freut. Ich habe von unserem Hund gelernt.“ Während ihr Mann politisch immer einflussreicher wurde, versteinerte ihr Lächeln zunehmend zur Maske.

 

Getuschel um Kohls langjährige Bürleiterin Juliane Weber gab es immer. Als Kohl mit ihr in Bonn eine gemeinsame Wohnung mietete, erfuhr es auch Hannelore Kohl. Die Gerüchte häuften sich, wonach ihr Mann seit längerem eine Liebesbeziehung zu der 34 Jahre jüngeren Meike Richter unterhalte, die von 1994 bis 1998 im Bonner Kanzleramt arbeitete. Häufig mußte Hannelore Kohl mit ansehen, wie ihr Mann die hellblaue Krawatte mit Elefanten trug. Die hatte ihm Beatrice Herbold geschenkt – das Verhältnis mit der 30 Jahre jüngeren Chefin der Modelagentur Frankfurt One! dauerte von 1995 bis 1999.

 

Als ihr Mann die Bundestagswahl 1998 verlor, hatte Hannelore Kohl gehofft, endlich ein Leben außerhalb der Politik führen zu können – eine „gemeinsame Altersehe“ ohne Juliane, Meike und Beatrice, zusammen im selben Haus. Doch der Altkanzler war weiterhin selten zu Hause und hatte es vorgezogen, in Berlin zu leben.

 

1999 setzte der Wirbel um die Parteispenden ein. Hannelore Kohl bettelte um Geld, als die CDU 6,3 Millionen Mark Strafe bezahlen musste. Sie wurde als „Spenden-Hure“ beleidigt und auf der Straße angespuckt. Kohls Leben als Politiker hatte von ihr ein Leben im Rampenlicht gefordert. Mit viel Selbstdisziplin hatte sie sich darauf eingelassen. Von nun an versteckte sie sich – mit einer derart schmerzhaften „Lichtallergie“, dass sie ihr Zuhause nur im Schutz der Dunkelheit verlassen konnte.

 

Als sie an der Hochzeit von Sohn Peter und der Türkin Elif Sözen in Istanbul im Mai 2001 nicht teilnehmen konnte, nahm ihr Mann, Ex-Kanzler Helmut Kohl, Juliane Weber mit, eine Frau, deren „enge Beziehung“ zu Kohl 30 Jahre lang „Anlass für Spekulationen“ gegeben hatte. An Ehefrau-Statt. Die zu Hause im Dunklen lag.

 

Als das Schlimmste der Spendenaffaire vorbei war, nachdem alles geregelt war und die Familie aus der Haftung raus war, schrieb Hannelore Kohl am 4. Juli 2001 im Bungalow in Oggersheim an ihren Mann, der in Berlin war: „Du musst weitermachen . . . Ich liebe Dich und bewundere Deine Kraft. . . . Möge sie Dir erhalten bleiben. Du hast noch viel zu tun.“

 

Anschließend legte sich Hannelore Kohl in ihr Bett und nahm eine Überdosis Schlaftabletten und Morphinsulfat. Die Dermatologen, die sie damals behandelt hatten, hatten festgestellt, dass sie nicht an dieser Lichtallergie gelitten hat. Es gab keine Symptome dafür. Zudem sagen Dermatologen damals wie heute: Lichtallergie ist heilbar. Hannelore Kohl wollte einfach nie mehr im Rampenlicht stehen.

 

Kohl versammelte das gesamte deutsche Establishment zu einem Requiem in einer römisch-katholischen Kathedrale, ein Requiem für eine Protestantin, die Selbstmord begangen hatte. Und Maike Richter-Kohl trug später als Ehefrau Kohls bei mehreren öffentlichen Auftritten die schönsten Kostüme Hannelore Kohls und für TV-Auftritte sogar ihren Schmuck.

 

Das erste Mal wurde Hannelore Kohl im Alter von zwölf Jahren von sowjetischen Soldaten mehrfach vergewaltigt und, in ihren Worten, „wie ein Zementsack“ aus dem Fenster geworfen.

 

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