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Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg stammte aus einem Bayrisch-Fränkischen Adelsgeschlecht, das bis in das Jahr 1317 zurückreichte. Geboren wurde er am 15. November 1907 in Jettingen in Schwaben. Er und seine Brüder Alexander und Berthold wurden stark durch das katholisch-militärische Elternhaus geprägt. So ging Claus nach dem Abitur 1926 in ein Reiterregiment nach Bamberg, wo er später zum Leutnant befördert wurde. Bei der Offiziersprüfung 1930 in Dresden wurde er Jahrgangsbester. Der junge durch Stefan George beeinflusste Soldat hinterließ mit seiner Umgangsart und seiner Bildung einen bleibenden Eindruck bei seinen Kameraden.

Bei der Reichspräsidentenwahl im April 1932 hatte sich Claus gegen Paul von Hindenburg ausgesprochen – und für Adolf Hitler. In Briefen äußerte er sich abfällig zu Juden und dem „Mischvolk“. 1933 zum Leutnant ernannt, beteiligte er sich an der militärischen Ausbildung der „Sturmabteilungen“ (SA). Im gleichen Jahr heiratete er Nina von Lerchenfeld. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Berthold, Heimeran, Franz-Ludwig, Valerie und kurz nach Carls Tod Konstanze. Seit 1936 studierte Carl an der Kriegsakademie in Berlin. Er las Hitlers „Mein Kampf“, ohne sich an dessen verbrecherischen Grundsätzen wie Judenvernichtung und Beseitigung der Demokratie zu stoßen. 1937 heiratete Carls Bruder Alexander Melitta Schiller. Ihr Vater stammte aus einer jüdischen Familie. Nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 distanzierte Carl sich erstmalig von Hitler.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wirkte Claus als Oberleutnant in einer Panzerdivision im Polen-Feldzug. Es gibt Hinweise darauf, dass er die beginnenden Verfolgungen von Juden in Polen als notwendiges Übel betrachtete. Die Bitte von Peter Graf Yorck von Wartenburg und Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld, sich als Adjutant von Werner von Brauchitsch ernennen zu lassen, um an Umsturzplänen teilzunehmen, lehnte Claus ab. Erst der Vernichtungskrieg in der Sowjetunion trieb ihn zum Äußersten: 1942 sprach er zum ersten Mal davon, dass es nur einen Weg gebe, um Hitler Einhalt zu gebieten: ihn zu töten.

1943 kam Claus zum Einsatz nach Tunesien, um den Rückzug von Erwin Rommels Heeresgruppe zu decken. Bei einem Tieffliegerangriff verlor er sein linkes Auge, seine rechte Hand und zwei Finger seiner linken Hand. Noch im Lazarett fasste er den Entschluss, „das Reich zu retten“. Mit seinem Bruder Berthold und Männern des Kreisauer Kreises unter Leitung von Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg arbeitete er an einer Regierungserklärung für nach dem Umsturz. Mit Henning von Tresckow bastelte er an dem Plan „Walküre“ für den Staatsstreich gegen Hitler. Eine parlamentarische Demokratie wie zu Weimars Zeiten wollte kaum einer der vorwiegend militärischen und adeligen Verschwörer.

Die Gestapo kam dahinter, dass es untergründige Gegenkräfte gab. Es gab Verhaftungen der Verschwörer. Für die Anderen ging es nun umso mehr darum, sich abzuschirmen und wachsam zu sein, was sehr nervenzerrend war. Manch einer sah sich selber nicht in der Lage, auf Hitler zu schießen. Als sich die Aussichtlosigkeit der militärischen Situation immer mehr abzeichnete, richteten sich alle Augen auf Claus, der mittlerweile Generalstabsoffizier und Stabschef des Befehlshabers des Ersatzheeres war und direkten Zugang zu Hittler hatte. Vor dem Attentat schrieb er einen „Schwur“ nieder, in welchen auch von Gottvertrauen die Rede ist.

Am 20. Juli 1944 um 8 Uhr morgens startete ein Flugzeug vom Flugplatz Rangsdorf bei Berlin. Darin saßen Claus und sein Adjutant Werner von Haeften. Sie hatten rund zwei Kilo „Plastit W“ dabei, eine deutsche Nachbildung englischen Sprengstoffs. Um 10:30 Uhr landete die Maschine auf der „Wolfschanze“  in Rastenburg, Ostpreußen, Hitlers Führerhauptquartier. Um 12 Uhr sollte die Besprechung in einer Baracke beginnen. Eigentlich hätte diese in einem Betonbunker stattfinden sollen, der aber repariert wurde.

Um ihre Hemden zu wechseln, bekamen Claus und sein Adjutant ein Zimmer zugeteilt. Doch dies war nur ein Vorwand. In Wahrheit wollten sie den Zünder für die zwei Sprengstoffsätze entschärfen. In zehn bis 15 Minuten sollte dieser explodieren. Claus und Haeften wurden bei ihrer Arbeit jedoch von Major Ernst John von Freyend unterbrochen: „Stauffenberg, so kommen Sie doch!“ Der Führer sei bereits da und warte. So kam es, dass nur ein Sprengsatz entschärft werden konnte. Haeften verstaute diesen in Claus Mappe und blieb mit der zweiten Bombe zurück.

Der Ordonnanzoffizier Christoph Scheibler nahm Claus seine Mappe ab und trug sie ein Stück, als er ihn zur Lage-Baracke führt. Verdutzt fragte er Claus: »Warum ist die denn so schwer?« Und dieser antwortete: „Ich habe nun mal viel zu tun.“ Claus betrat kaltblütig den Besprechungsraum und postierte seine Mappe unter den schweren Eichentisch. Unter dem Vorwand, noch einmal telefonieren zu müssen, verließ er die Baracke und eilte zu dem Wagen, in dem Haeften und ein Fahrer warteten. Die Bombe explodierte um 12:42 Uhr. Claus und Haeften konnten nur mit Schwierigkeiten die „Wolfschanze“ verlassen. Um 13:15 Uhr hob die Maschine ab, zwei Stunden später landeten sie wieder in Berlin.

Im Bendlerblock, dem Sitz des Allgemeinen Heeresamtes und Befehlshabers des Ersatzheeres sowie dem Zentrum der Widerstandsgruppe, war inzwischen die Nachricht eingetroffen, Hitler sei nur leicht verletzt. Die Druckwelle der Expklosion hatte in der Baracke entweichen können. Auch der Eichentisch hatte Hitler gerettet, vermuten Historiker. Der größte und leicht vermeidbare Fehler war aber, dass der zweite Sprengkörper nicht in Claus Tasche gegeben wurde. Die Detonation des Ersten hätte auch die des Zweiten ausgelöst. Das hätte Hitler getötet.

In der Nacht zum 21. Juli ließ Generaloberst Friedrich Fromm die Verschwörer auf den Hof vom Bendlerblock aufaufen: Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Oberst Albrecht Ritter Merz von Quirnheim, Stauffenbergs Adjutant, Oberleutnant Werner von Haeften und General Friedrich Olbricht. Die Schritte des Erschießungskommandos waren zu höen, dann das Klicken der durchladenden Gewehre. Der Kommandeur im Hof schrie: „Legt an…!“, und dann brüllte er: „Feuer!“ Stauffenberg rief in die Kugeln hinein: „Es lebe das heilige Deutschland!“ Ludwig Beck wurde nach einem aufgezwungenen Selbstmordversuch erschossen.

Unmittelbar nach dem Attentat fanden über 7.000 Verhaftungen statt. Die meisten Widerstandskämpfer des 20. Juli wurden hingerichtet. Die Familienangehörigen wurden in Gefängnisse, Zuchthäuser und Konzentrationslager verschleppt, und der Adel wurde ihnen aberkannt. Die schwangere Nina von Stauffenberg und ihr ältester Sohn Berthold kamen bis zum Kriegsende in ein Konzentrationslager. Ihre Angehörigen und die der anderen Widerstandskämpfer, die über 15 Jahre alt waren, kamen in Sippenhaft. Die jüngeren Kinder wurden unter fremden Namen in NS-Kinderheime gesteckt – viele in Bad Sachsa. Der Bruder von Claus, Berthold, wurde am 10. August 1944 hingerichtet.

Nein, Claus Schenk Graf von Stauffenberg taugt nicht zu einem Helden. Er war durch und durch Soldat, Adeliger und Katholik: Er hatte als Soldat einen persönlichen Eid auf Hitler geschworen und sich erst spät von diesem abgewandt. Er war Antidemokrat und Antisemit. Aber er war auch geprägt von seinem geistigen Mentor, dem Dichter Stefan George: von dem Gebot der Übereinstimmung zwischen Denken und Handeln. Stauffenbergs Tat war daher nicht nur eine millitärische und politische, sondern vor allem eine moralische. Er hatte den verbrecherischen Charakter des Regimes erkannt, und war entschlossen, seinem Gewissen zu folgen und etwas zu ändern. Stauffenberg und die vielen anderen Frauen und Männer des 20.Juli 1944, die für ihren Mut mit ihrem Leben bezahlten, haben eine moralische Verpflichtung eingelöst. Das sollte ihr Vermächniss sein. 

Doch die Widerständler hatten es sehr schwer, in der Nachkriegsgesellschaft der Bundesrepublik wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Viele galten noch bis in die sechziger Jahre als Vaterlandsverräter. Auch viele ihrer Kinder wurden als Verräter beschimpft und im Alltag gemobbt. Gegen feierliche Gelöbnisse anlässlich des diesjährigen 20. Juli gibt es zahlreiche Proteste von Neurechten. Sie können nur unter Polizeischutz stattfinden.

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