95940
Alexander Gauland, Götz Kubitschek und Björn Höcke

Häufig hört man von Gegnern der AfD, deren Protagonisten seien ungebildet und dumm. Selbstverständlich stimmt das nicht, was schon die zahlreichen promovierten und habilitierten AfD-Politiker zeigen. Doch lassen Sie uns stilles Mäuschen spielen und einem konkreten Gespräch von diesen und anderen Rechtsradikalen lauschen – zusammengesetzt aus Original-Zitaten der Teilnehmer! Es wird sich herausstellen, dass offenbar ein erheblicher Mangel bei einer bestimmten Art des Denkens besteht: beim induktiv-kreativen Denken.

Dr. Alexander Gauland und Dr. Alice Weidel, AfD-Spitzenkandidaten, Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, André Poggenburg, AfD-Landesvorsitzender in Sachsen-Anhalt, Dr. Horst Mahler, Initiator und Mitbegründer der RAF, wegen Terrorismus, Holocaustleugnung und Volksverhetzung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt und Stichwortgeber der Reichsbürger, sowie Prof. Dr. Bernd Rabehl, einst Weggefährte von Rudi Dutschke und heute Neonazi, sind auf einer rumpeligen Landstraße auf dem Weg zum Rittergut von Götz Kubitschek im sachsen-anhaltischen Schnellroda. Während das Navigationssystem das Dorf für so unbedeutend hält, dass es nur das benachbarte Albersroda anzeigt, hat es auf der geistigen Landkarte der Rechtsradikalen einen hohen Rang: „Schnellroda“ ist für sie mehr als ein Ortsname. Schnellroda steht für ein anderes Deutschland.

Götz Kubitschek, der Vordenker der Neuen Rechten, empfängt seine Gäste mit Hand- und Nackenschlag. Er weiß, was sich gehört. Kubitschek trägt ein schwarzes Hemd und eine offene braune Uniformjacke. Ein Narr, wer darin nicht eine Anspielung auf die faschistischen Bewegungen der zwanziger und dreißiger Jahre erkennt. Seine Frau Ellen Kositza, die Muse der Neuen Rechten, sieht so aus, wie das Wort Alraune klingt oder Nosferatu, mit einem Hauch von „Pimpernelle“. Ihre nach den Helden germanischer Sagen benannten sieben Kinder, Alruhn, Brunhilde, Fafnir, Alberich, Friggida, Nuspli und Skøl, stehen in einer Reihe und grüßen artig.

„Hallo, Björn, hallo, Pogge“, begrüßt Kubitschek seine Freunde Höcke und Poggenburg.

Höcke: „Hallo, Kubi und Kosi. Ich bin froh, wieder einmal in Schnellroda zu sein, am Ort der geistigen Regeneration, wo ich mein geistiges Manna empfange.“

An diesem Abend, als sich die Sonne über Schnellroda senkt, nimmt der Hausherr einen Kochtopf in die Hand und betritt den Stall. Die Gäste folgen ihm neugierig. Schmutzig ist es dort, von den Wänden bröckelt der Putz, und an den Gummistiefeln klebt der Kot.

Kubitschek: „Ich leb lieber auf dem Land, wo es herrliche Kämpfe in der Dorfkneipe gibt, und Dreck an den Stiefeln. Wo eine Derbheit und Grobheit in der Sprache herrscht. Wo das Landleben voller Streit und Aversion ist. Wo die Menschen noch leben wie vor fünfzig Jahren.“

Also hockt Kubitschek da, im Stall, und spritzt mit gekonnten Handkniffen die Ziegenmilch vom Euter in den Kochtopf, damit seine Kinder sie am nächsten Morgen über ihr Müsli schütten können.

Beim Abendessen mit den Gästen steht selbstgemachter Ziegenkäse auf dem Tisch, daneben Brot, Wurst, Butter und Bier. An den Wänden hängen symbolistische Gemälde und orthodoxe Ikonen. Die Holzdecke und die breiten Dielen sind hunderte Jahre alt. Durch die Sprossenfenster fällt ein Abendlicht, das lange Schatten wirft. Im Rücken von Kubitschek stehen seine Bücher: die Memoiren von Leni Riefenstahl, „Preußische Soldaten“ von Rudolf Thiel, die „Edda“ natürlich und dicht daneben ein Buch des Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann, bekannt durch seine gleichnamige, 1980 verbotene Wehrsportgruppe.

Die Gesellschaft setzt sich im Rittersaal zum Essen an den Tisch, nachdem die Kinder zu Bett gegangen sind. Kubitscheks Frau spricht ein Tischgebet, dem die Gäste mit gesenktem Haupt lauschen. Das Ende des Gebets nimmt Mahler als Signal, um mit einem langen Monolog das Christentum zu preisen. Er selbst muß dem sinnlichen Ziegenkäse widerstehen: Er leidet an Diabetes, der linke Unterschenkel wurde ihm amputiert. Wie immer spricht er druckreif und mit eindringlicher sonoriger Stimme:

Mahler: „Es ist ein Krieg. Es ist Krieg gegen das deutsche Volk. Es ist ein Krieg gegen die weiße Rasse. (…) Der größte Erfolg unseres Feindes, sein bisheriger Erfolg, den wir ihm entreissen werden, ist, dass er uns vergessen machen konnte, dass wir ein ganz besonderes Denken verkörpern (…). Adolf Hitler hat es auf den Begriff gebracht: „Wir Menschen sind das Bewußtsein Gottes“. Das ist genau das, was im Kern die hegelsche Philosophie ist. (…) Wir haben es mit einem Feind zu tun, der von sich sagt: „Nur Juden sind Menschen. Nicht-Juden sind wie das Vieh.“ (…) Wir müssen es umkehren: Nur wir sind Menschen. Die Juden sind keine Menschen. (…)

Kubitschek zitiert aus Der Führer schützt das Recht von Carl Schmitt aus dem Jahr 1934: „Wer den gewaltigen Hintergrund unserer politischen Gesamtlage sieht, wird die Mahnungen und Warnungen des Führers verstehen und sich zu dem großen geistigen Kampfe rüsten, in dem wir unser gutes Recht zu wahren haben.“

Mahler präzisiert: „Die Lage ist Folgende: (…) In der Judenheit vollzog sich der Übergang von Gott zu seinem Selbstbewußtsein weg von der Sinnlichkeit. Gott wurde nicht mehr verehrt als Fluß oder als Stein oder als Baum oder als sonst ein sinnlicher Gegenstand, sondern das Prinzip des Judengottes ist: Ich bin der Unschaubare. Du sollst Dir kein Bild von mir machen! (…) Aber dieser Übergang vom Sinnlichen zum Unschaubaren bedeutet, dass jetzt dieser (…) Gott alles Sinnliche diskriminiert. (…) Aber er findet Sinnliches vor, er findet Völker vor, die auch sinnlich sind. (…) Die erklärt er zu Götzen und fordert deren Vernichtung. Und als Hand für deren Vernichtung erwählt er sich dieses kleine Volk der Hebräer (…).

Das ist der Ausgangspunkt des Konfliktes. (…) Es kommt dann der Übergang mit dem Christentum. Da erscheint Gott als Einheit des unsichtbaren Geistes und der sinnlichen Existenz eines Menschen. (…) Da kommt Gott zum Bewußtsein, dass die sinnliche Welt ihm nichts Feindliches ist, sondern seine eigene Erscheinung. (…) Und sein Geschöpf liebt er und bekämpft es nicht und will es schon gar nicht vernichtet sehen. (…) „Ich“ – das ist der Satz des Descartes – „Ich denke, also bin ich“. (…) Und dann kommt Hegel und entwickelt diesen Satz weiter und sagt: Wenn dieser Satz „Ich denke, also bin ich“ das Gewisseste ist, was wir überhaupt nur denken können (…), dann bin ich, der denkt, Gott. (…) Wir denken über das Denken nach. (…) Und damit erhebt sich der deutsche Volksgeist aus allen anderen Volksgeistern hervor.“

Alle unterbrechen ihr Ziegenkäse-Essen und klatschen rhythmisch in die Hände. Poggenburg: „Horst, Du hast es immer noch drauf! Deutschland den Deutschen!“

Mahler fährt fort: „Und der Grund des Hasses gegen die Juden ist, dass sie den göttlichen Auftrag ausführen, die Völker zu vernichten. Das können sie alles nur erreichen als dieses ganz kleine Volk, wenn sie Techniken entwickeln, wo die Kraft der Völker gegeneinander gehetzt wird, und die Völker sich wechselseitig vernichten (gemeint sein könnte z. B. die Forderung von Juden an die USA, in den zweiten Weltkrieg einzugreifen). (…) Das ist das jüdische Prinzip der talmudischen Kriefsführung: Andere für sich töten zu lassen, um selbst als Heilsbringer dazustehen. (…) Sie haben einen Heiligenschein, sind überall verfolgt worden, völlig zu unrecht, also müssen wir etwas gut machen, dieses Schuldgefühl. Das haben sie nicht nur den Deutschen eingegeben, sondern den weißen Europäern überhaupt, aber insbesonderer Weise den Deutschen, weil von den Deutschen der Gegenstoß kommt, (…) und haben uns in besonderer Weise einen Schuldkomplex angehext mit der Auschwitz-Keule.“

Höcke: „Bravo Horst! Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat. (…) Und bis heute sind wir nicht in der Lage, unsere eigenen Opfer zu betrauern. (…) Anstatt die nachwachsende Generation mit den großen Wohltätern, den bekannten, weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern in Berührung zu bringen, von denen wir ja so viele haben,…vielleicht mehr als jedes andere Volk auf dieser Welt…, und anstatt unsere Schüler in den Schulen mit dieser Geschichte in Berührung zu bringen, wird die Geschichte, die deutsche Geschichte, mies und lächerlich gemacht. (…)

Und diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als zu Franz Josef Strauß‘ Zeiten. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. (…) So kann es, so darf es und so wird es nicht weitergehen. Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstauflösung. (…) Wir brauchen eine Erinnerungskultur, die uns vor allen Dingen und zu allererst mit den großartigen Leistungen der Altvorderen in Berührung bringt. (…) Unser liebes Volk ist im Inneren tief gepalten und durch den Geburtenrückgang sowie die Masseneinwanderung erstmals in seiner Existenz tatsächlich elementar bedroht.“

Gauland: „Wenn die Franzosen zurecht stolz auf ihren Kaiser sind, und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen. Man muss uns diese 12 Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus. Wir haben uns mit den Verbrechen auseinandergesetzt, aber kein Volk hat so gründlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt, wie das Deutsche. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen.“

Kubitschek zu seiner Frau: „Ellen, würden Sie uns nun bitte den Hauptgang servieren?“

Die Gäste schauen irritiert.

Kubitschek verheißungsvoll: „Man könnte diese Eigenart für eine Marotte halten, aber ich will meine Pläne für eine Umgestaltung der Gesellschaft nicht nur auf meine Familie beschränken. Ich habe Großes im Sinn.“

Rabehl: „Jetzt muss man über den Islam reden. Ich beziehe mit jetzt auf Taban… äh, na, jetzt habe ich wieder den Namen vergessen. Ist ja egal. Der (gemeint ist wohl Bassam Tibi) sagt, der Islam hat bisher keine Reformation durchgemacht. (…) Meine islamischen Freunde würden widersprechen. Ich kann dagegen nichts sagen, weil ich so gut den Islam nicht kenne. Aber das Problem ist die Arbeitsethik. Das Problem ist, der Wille sich zu integrieren oder sich abzuschotten. (…) Nun muß man etwas sagen zum Islam: der ist ja eine sehr aggressive Religion.

Ich habe Mohamed gelesen, der ist ja 700 Jahre später, der studiert das Christentum und studiert das Judentum und zieht seine Schlüsse daraus, und er sagt, die Christen, das ist eine heidnische Religion: Sie verehren Maria, sie verehren Jesus, sie verehren Gott, und sie verehren die verschiedenen Propheten. Das ist die Übertragung der griechischen und römischen Vielgötterei. Die Christen haben keinen einheitlichen Gott. Sie sagen zwar Gott, unser Vater. Aber die christliche Religion ist weiblich. Sie haben einen Maria-Kult, und das Weibliche ist schwach. Das Weibliche bedeutet Demut, Unterwerfung – Mohamed, alles Mohamed, nicht Rabehl.

Jetzt studiert er (Mohamed) das Judentum und sagt: Das Judentum ist großartig. Sie haben nur einen Gott. Aber sie behaupten, sie sind das auserwählte Volk Gottes. Das gibt es nicht. Es gibt nicht ein Volk, das auserwählt ist. Entweder sind alle auserwählt, alle glauben an Gott… Das Auserwählte bedeutet Aggression, bedeutet Herrschaft, bedeutet Hierachie. Die Juden wollen die Weltherrschaft – sagt Mohamed. Und sagt, wir übernehmen von den Juden den Glauben an Gott, aber lösen auf, dass es nur ein Volk Gottes gibt. Es sind alle die Völker Gottes, und – das ist wichtig – wir bekämpfen das Christentum, und wir wollen die Herrschaft, denn wo der Islam ist, muss ein einheitlicher Staat sein (…).“

Rabehl unterbricht seine Rede, als Kositza einen Alraunen-Eintopf mit Runen-Nudeln auftischt. Sie ist sehr intelligent, aber vor allem ist sie ganz Frau. Ihre Gerichte schmecken himmlerisch. Sie bewundert Götz, den Mann ihres Lebens. Da sind sie wieder: die unüberwindbaren Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Ellen ist damit einverstanden, dass Götz einen anderen Trakt auf dem Rittergut bewohnt als sie und die sieben Zwerge.

Rabehl fährt fort: „Hegel (…) sagt, die christliche Religion hat die Tendenz zum Rechtsstaat und zur Demokratie, weil sie sozusagen die Toleranz hat und die Gleichheit der verschiedenen Kräfte anerkennt. Der Islam ist despotisch, und das Judentum ist auch despotisch, sagt Hegel – nicht Rabehl. (…) Sie können nur auf einen despotischen Staat agieren, weil die Religion ist auf einen Gott und auf eine Macht und auf einen Sieg ausgerichtet. Die wollen ihre Religion über die Welt verbreiten. Aber die Juden auch. (…)

Poggenburg lächelt: „Die Juden und Muslime sind wie die Linken Wucherungen am deutschen Volkskörper.“

Rabehl fährt fort: „Die Einwanderung ist wichtig. Die deutsche Industrie hat immer von Einwanderern gelebt. (…) Das Problem ist jetzt, dass man Einwanderer hat mit Religionen, die sich nicht integrieren wollen. Und das verrückteste Phänomen ist, dass wir afrikanische Einwanderer haben, die von einer gescheiterten Kolonialpolitik der Franzosen, Portugiesen, Engländer kommen.“

Höcke im ruhigen Tonfall und mit spärlichen Gesten: „Die Evolution hat Afrika und Europa, vereinfacht gesagt, zwei unterschiedliche Reproduktionsstrategien beschert. In Afrika herrscht die „r- Strategie“ vor, damit möglichst viele Nachkommen gezeugt werden und wenigsten einige überleben können. Anders in Europa: hier verfolgt man überwiegend die „K-Strategie“,  bei der wenige Jungen zur Welt gebracht werden, um die sich die Eltern dann aber intensiv kümmern können. Ausbreitungstyp“ gegen Platzhaltertyp“.

Als Höcke diesen Vergleich von Afrikaner mit Mäusen und Kaninchen macht, lachen erneut alle schallend.

Höcke weiter: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss Afrikas von etwa 30 Millionen Menschen im Jahr aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“ Mit dieser Position stellt sich Höcke in eine Linie mit der Rassentheorie des Nationalsozialismus.

Aber auch Rabehl ist noch nicht am Ende: „Was machen die Deutschen? Sie nehmen die Ausländer hier auf, die sitzen herum… Da ich in Brasilien war, kann ich Portugiesisch und spreche oft zu ihnen und sage: „Tudo bem? Tudo bem?“ Tudo bem heißt alles gut. Dann sagen sie: „Tudo bem. Tudo bem.“ Und dann sage ich: „Was macht ihr hier eigentlich?“ Die sagen: „Nichts. Wir trinken Bier“. „Und kriegt ihr Arbeit?“ Die wollen das gar nicht. „Aber ist doch schön hier.“ „Oh, die deutschen Frauen sind hinter uns scharf her. Wir haben einen langen Pimmel“ – äh, also sie reden so zu mir, nicht dass es hier mein Sexismus ist. Und sie suchen dann auch deutsche Frauen (…) und finden sie auch, meistens aus der Unterschicht. (…)

Die promovierten und habilitierten Damen und Herren lachen sich ins Fäustchen. Nur Poggenburg schaut betreten.

Rabehl: Man kann ihnen doch Geld geben. (…) Ich würde sagen: Bildet sie aus, zu Automechanikern, zu Tischlern, zu Zimmerleuten! Gebt ihnen einen guten deutschen Beruf, und (…) gebt ihnen sogar einen Kredit. Wenn sie einen Kredit haben würden, würden sie dort (in Afrika) Firmen aufbauen und Afrika würde entwickelt werden. (…) Nein, auf dem Görlitzer Bahnhof standen, inzwischen hat ja die Polizei eingegriffen, die Dealer: alles Afrikaner. Die Hauptleute sind Araber. Damit hat man das nächste Phänomen, dass mit den Fremden die Maffia kommt. (…) Maffia ist Despotie, wie Hegel sagen würde. (…) Wir sind (aber, anders als der von Samuel Huntington postulierte „Kampf der Kulturen“) in Gefahr, dass es ein Kampf der Rassen wird. (…) Afrika muß aufgebaut werden, aber die Afrikaner haben hier nichts zu suchen.“ Rabehl gehört nicht zur Neuen Rechten, die die kulturelle „Reinhaltung“ der Gesellschaft anstreben, sondern wie Mahler ein Neonazi, der die biologisch bedingte Einheitlichkeit der Abstammungsgemeinschaft verfolgt.

Jetzt hat Kubitscheks Stunde geschlagen: „Nach Jahrzehnten des Wartens ist meine geistige Saat aufgegangen. Flüchtlingskrise und der Aufstieg der AfD lassen auch die „Neue Rechte“ wachsen. Die Seminare meines „Instituts für Staatspolitik“ in Schnellroda sind oft überbucht, auch mein Verlag „Antaios“ floriert. Auch die Auflage meiner Zeitschrift „Sezession“ steigt. Doch das reicht mir noch nicht. Bis auf ein klein bisschen Ausweitung des Resonanzraums und einer gewissen parteipolitischen Erschütterung ist noch gar nichts gelaufen. Deutschland muß verändert werden, auch wenn es Rückschläge gibt, etwa wenn es wieder einmal heißt, ich sei ein Radikaler.“

Während Kositza den Pflaumenkuchen serviert, doziert sie: „Die Pflaume ist urdeutsch.“

Kubitschek raunt weiter: „Die von Schnellroda ausgehende geistige Bewegung ist wie ein Gewebe, wie ein Netz, das sich über die Dinge legt. Ich will das Wasser in Bewegung halten, bevor es wieder zufriert. Ich will das Gedankengut der Konservativen Revolution in die Parteidebatte einspeisen: antiliberale, antiparlamentarische und antiwestliche Konzepte, die eine fundamentale Abkehr vom Weg bedeuten, den Deutschland nach 1945 eingeschlagen hat.

Deutsche mit ausländischen Wurzeln sind keine Deutsche, wenn sie nicht bereit sind, für Deutschland zu sterben. Loyal ist, wer bereit ist, für das Land, in dem er lebt, in den Krieg zu gehen und sich erschießen zu lassen. Deutsch ist, wer von deutschen Eltern abstammt. Gegen Ausländer habe ich nichts, solange sie nicht in großer Zahl nach Deutschland einwandern. Kommen sie doch, haben die Deutschen das Recht, aktiv Widerstand zu leisten.“

Kositza: „Könnt ihr euch noch erinnern, wie im Februar im sächsischen Clausnitz eine aufgebrachter Menge einen Flüchtlingsbus blockiert und „Wir sind das Volk!“, „Verpisst euch!“ und „Haut ab nach Hause!“ gebrüllt haben. Verängstigte, weinende Kinder saßen über Stunden in dem blockierten Bus.“

Alle lachen schallend.

Gauland: „Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen!“

Kositza: „Ist da eine Person zu Schaden gekommen? Da kann man doch nichts sagen. Was ist denn daran schlimm? Mein Gott, da gibt’s in der Schule vielleicht größere Angst vor einer Mathearbeit.“

Dunkelheit legt sich über Schnellroda. Statt Bier aus einem Barbarossa-Humpen gibt es nun ausser für Mahler Rotwein. Kubitschek sitzt am Kopf des Tisches. Seine Rückenlehne ist höher als die seiner Gesprächspartner.

Kubitscheks bisher eher weicher schwäbischer Dialekt wird hart: „Diese Sehnsucht nach dem Totalen, nach dem Risslosen, nach Etzels Saal, nach dieser Treue bis in den Tod, die eben nicht ausweicht, um weiterzuleben, sondern stehen bleibt bis es nicht mehr geht, auch das ist deutsch. Wer anders denkt, ist eines der armen und glücklich lebenden BRD-Würstchen, die keinen grundsätzlichen Respekt haben können, und denen ihr kleines Ich und ihre Bindungslosigkeit und ihre Wahlbereitschaft und Wahlmöglichkeit das Nonplusultra ist.“

Weidel: „Gut gesagt, Herr Kubitschek! Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden. Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen. (…) Dass D gar nicht souveraen ist, duerfte doch fuer den ekelhaften Fatalismus in der Tagespolitik z.B unsere Enteignung durch die Eurorettung, korrumpierte Judikative (Bundesverfassungsgericht) erhellend sein.“

Kositza: Jahrelang hat mein Mann sogar die Kartoffel abgelehnt. Verständlich, ist die Kartoffel doch ein Ausbreitungstypus aus Amerika, jenem – so kann man es für den nördlichen Teil einfach einmal sagen – Judenregime, zu dessen Vasall Deutschland längst verkommen ist.“

Nach kurzem Gelächter Gauland: „Ich wollte ja nur Frau Özoguz entsorgen. Aber wie hat Professor Meuten neulich gesagt? „Unser Ziel muss es ein, die ganze Regierung Merkel rückstandsfrei zu entsorgen.“

Auch König Kubi weiß, dass jeder Mensch einen naturgegebenen Platz als Herr, Knecht, Frau oder Untermensch hat. Er selbst gehört an die Spitze. Und er weiß, was er will: König Kubi will ein Deutschland, in dem Deutsche wohnen. Wer das ist, bestimmt der slawische Schwabe selbst.

In der Nacht fahren die Gäste auf dem Nachhauseweg an der Dorfkneipe von Schnellroda vorbei. Junge Rechte trinken Bier. Es sind Teilnehmer eines Seminars des „Instituts für Staatspolitik“, das den Tag über auf dem Rittergut stattgefunden hat. Der Nachwuchs wurde in „Guerrilla Marketing“ geschult. Die Teilnehmer waren junge Leute der vom Verfassungsschutz beobachteten völkischen „Identitären Bewegung“ sowie „AfD-Anwärter“.

Was läßt sich aus diesem Gespräch in Bezug auf die Ausgangsfrage schließen?

An Bildung und Intelligenz scheint es diesen rechtsradikalen Politikern bzw. politischen Aktivisten nicht zu mangeln. Inbesondere Horst Mahler präsentiert sich höchst gebildet und als brillianter Denker – zumindest, was das deduktive Denkvermögen anbelangt. Hapern scheint es aus psychologischer Sicht hingegen beim induktiven Denken, bei der Musterekennung bzw. Attribution von Ursachen für Ereignisse:

Es wird vorwiegend auf monokausale Gründe für komplexe Geschehnisse zurückgegriffen: Der unbestritten weit überdurchschnittlich Erfolg der Juden in der Finanzwirtschaft wird aus dem alten Testament abgeleitet und als Versuch interpretiert, andere Völker zu vernichten. Unberücksicht bleibt z. B., dass es Juden in Europa über Jahrhunderte verboten war, Land zu besitzen oder Handwerksinnungen beizutreten, so dass sie gezwungen waren, sich auf andere Berufe wie das Zinsgeschäft zu konzentrieren, welches wiederum den Christen verboten war.

Historischen Quellen werden zudem wörtlich gelesen, obwohl diese seriöser Weise kritisch-historisch interpretiert werden müssen. Jeder traditionelle Jude und Muslim weiß zu denken, dass Aufrufe zu Morden den Entstehungsbedingungen ihrer heiligen Schrift geschuldet sind und heute ihre Funktion verloren haben. Nur Fundamentalisten wie Mahler, Rabehl oder die Terrormilizen des IS lesen heilige Schriften wörtlich. Auch dieses Nichtberücksichtigen von Hintergrundinformationen zeugt von mangelndem induktiven Denken.

Zudem zeigen die Kausalattribuierungen der Rechtsradikalen verschwörungstheoretische Tendenzen: Multipe und wechselwirkende Ursachen für komplexe Ereignisse werden irrational auf eine Kraft mit einer einzigen Stoßrichtung reduziert: „Marionetten der Siegermaechte des 2. WK“ hätten die „Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen“ – diese Behauptung von Weidel wird durch gar nichts begründet wie es Mahler und Rabehl mit den heiligen Schriften wenigstens monokausal versuchen. Auch Verschwörungstheorien zeugen von einer Schwäche bei der induktiven Mustererkennung.

Last but not least fällt auf, dass diese Rechtsradikalen die Schuld für „Mißerfolge“ vorwiegend bei anderen als bei sich selbst suchen: Schuld am Holocaust haben die Juden selbst. Schuld für die Hetze von Rabehl gegen Juden, Muslime und Afrikaner sind Mohamed, Hegel und Afrikaner selbst – nicht Rabehl. Schuld an den sozialen Problemen in Deutschland hat die Besatzungsmacht USA. Ein solches Attributionsverhalten ist typisch für Menschen mit geringem Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl, für die das Eingestehen von Fehlern zu schmerzhaft ist.

Ein Grund für den Mangel am induktiven Denken bei den überdurchschnittlich gebildeten rechtsradikalen Politikern und politischen Aktivisten könnte sein, dass schulische und akademische Abschlüsse besonders logisch-deduktives, statt kreativ-induktives Denken fördern. Mangelndes Selbstwertgefühl ist in der Regel ein Resultat von autoritärer Erziehung, bei der negatives Verhalten häufig mit Aussagen wie „Aus Dir wird nie etwas werden“ kommentiert wird und so vom „Delinquenten“ als „Ich bin schlecht“ interpretiert wird, statt „Mein Verhalten, welches ich verändern kann, ist schlecht“.

War der Nationalismus zu Zeiten seiner Entstehung noch eine originelle Idee, die letztendlich – ungeachtet des Autoritarismus, der schrecklichen Verbrechen und des Holocausts der Nationalsozialisten – dazu beigetragen hat, eine Voraussetzung für stabile Demokratien zu schaffen, indem er Bürgern Selbstbewußtsein gegenüber den alten Absolutisten geschenkt hat, ist der heutige Nationalismus der AfD jedoch in Zeiten der Globalisierung eine mehr als rückwärts gewandte Position.

Tatsächlich belegen wissenschaftliche Studien, dass Konservative bzw. Rechte durchschnittlich einen geringeren IQ haben als Progressive bzw. Linke – auch, wenn der gemessene Unterschied nicht sehr groß ist. Diese Ergebnisse werden evolutionsbiologisch erklärt: Intelligenz erlaube es den Menschen, sich anders zu verhalten, als es die Evolution in ihnen angelegt habe. Ihre höhere Geistesleistung gibt ihnen die Freiheit, neue Wege im sozialen Zusammenleben zu suchen. Tradition kommt auch ohne Denken aus. Möglicher Weise müssen die Ergebnisse dahin gehend präzisiert werden, dass es vorwiegend das induktive Denken ist, dass von „Bewahrern“ weniger genutzt wird.

In unserer sich rasch wandelnden globalisierten Wissensgesellschaft brauchen wir innovatives Denken bzw. Lösungen für moderne Probleme sowie lebenslanges Lernen mehr denn je. Eltern und (Hochschul-) Lehrer sollten deutlich stärker kreativ-induktives Denken und die Fähigkeit zur Selbstkritik von Menschen schulen als bisher. Es ist monokausales, unkritisches, verschwörungstheoretisches und Kritik am eigenen Verhalten widerstrebendes Denken, das „auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt“ gehört.

(Quellen: 1.faz.net, 2.faz.net, zeit.de, welt.dedaserste.ndr.desueddeutsche.de, buzzfeed.com1.youtube.com, 2.youtube.com, 3.youtube.com, 4.youtube.com)

LESEN SIE MEHR ZUM THEMA: Das verborgene Leben der Alice Weidel

Ein Kommentar zu „Zu Tisch bei Hegel und der AfD – Vom Hapern beim Denken

  1. „ HAPERN beim DENKEN “ ……ist besonders hinsichtlich der „ juristischen DENKFÄHIGKEIT “ mancher links – grüner „ Aktivisten “ festzustellen ; – beispielsweise bei einem gewissen Nathan MATTES , der derzeit vor der Kölner Justiz für seine – vermeintlichen – „ RECHTE “ kämpft ….!!

    Beim LANDGERICHT hat er sich – erwartbar – bereits eine „ Abfuhr “ geholt , – aber offensichtlich sehnt er sich nach einer weiteren „ juristischen NACHHILFE “ in der und durch die BERUFUNG zum OLG ……!!

    Ein links – grünes „ politisches GEWAND “ schützt – LEIDER – NICHT vor „ HAPERN “ beim „ DENKEN “ ; – deshalb GEWINNT die AfD auch die meisten Prozesse …….,

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s