Teil 1 der Rattenlinien-Trilogie

„Rattenlinien“ war die von US-amerikanischen Geheimdienst- und Militärkreisen geprägte Bezeichnung für Verbindungsrouten führender Vertreter des NS-Regimes und der SS, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg der gegenseitigen Versorgung mit neuen Funktionärsposten dienten. Wegen „Rattenlinien“ sind seit der Bundestagswahl insgesamt 17 AfD-Landtagsabgeordnete aus der Partei ausgetreten. (Quelle: tagesspiegel.de) Darunter ist der frühere AfD-Fraktionsgeschäftsführer im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Manthei. Er wirft der AfD vor, zur Plattform für Rechtsradikale geworden zu sein. Die AfD «scheint eher als Ersatzfamilie zu dienen, wobei Familie im Sinne einer Mafia-Familie zu verstehen ist, die man nicht verlassen kann und in der man sich gegenseitig wirtschaftlich versorgt.» (Quelle: welt.de)

Die AfD hat sich nach Ansicht des Rechtsextremismusforschers Hajo Funke „zu einer radikalen Agitations- und Bewegungspartei“ entwickelt. Funke zufolge haben die dem völkischen „Flügel“ angehörenden Politiker Björn Höcke und André Poggenburg  sowie Alexander Gauland das Sagen in der Partei. Laut Funke entwickeln sich die Identitäre Bewegung, die Ein Prozent für unser Land-Kampagne von Götz Kubitschek und die publizistische Arbeit von Jürgen Elsässer auf Compact zum „ideologischen und in Aktionen präsenten Stoßtrupp für die Radikalisierung der AfD“. Diese immer engere Verzahnung werde vor allem durch Björn Höcke, André Poggenburg und Thomas Tillschneider betrieben. (Quelle: n-tv.de)

Nach eigenen Recherchen gehört zu diesem Kreis auch Marcus Frohnmaier, der Kontakte zu rechtsgerichteten russischen Putin-Anhänger pflegt. Zudem unterstützen Burschenschaftler die Partei als neurechte Apo – und liefern den Nachwuchs für die parlamentarische AfD. Hatte ich in meinem letzten Beitrag über die AfD noch verharmlosend als „Wahlverein, der seine Politiker finanziell sanieren soll“ geschrieben, scheinen einige AfD-Politiker ihre Politik durchaus ernst zu nehmen. Folgen Sie mir nun auf den „Rattenlinien“ des Björn Höcke!

Die „Rattenlinien“ aus der Burschenschaft

Im März 2017 fanden sich im Magdeburger Ratskeller rund 40 Vertreter der AfD, der Identitären Bewegung (IB) und rechtsextremer Burschenschaften zusammen. Es galt, unter dem Dach Deutsche Burschenschaft (DB) gemeinsam die Verbindung Germania zu gründen. Die DB ist ein nationalistisch-radikaler Dachverband für österreichische und deutsche studentische Verbindungen, der einer völkischen Ideologie folgt. Seit 2012 haben sämtliche gemäßigten Mitgliedsverbände diese Dachorganisation verlassen. Zurück blieb ein radikaler Bodensatz. (Quelle: zeit.de)

Die Initiative Germania geht hervor aus einem Kreis um Jan Wenzel Schmidt, AfD-Abgeordneter in Sachsen-Anhalt und Landesvorsitzender der Junge Alternative (JA). In seinem Wahlkreisbüro beschäftigt Wenzel Schmidt Stefan Träger, 2009 noch Spitzenkandidat der NPD, heute aktiver Identitärer sowie engagierter Netzwerker zwischen AfD, IB und Neonaziszene. (Quelle: lsa-rechtsaussen.de) Träger erschien als einer der ersten im Ratskeller.

Mindestens sieben Angestellte im Landtag von Sachsen-Anhalt um Landeschef und Mitglied des Bundesvorstandes der AfD, André Poggenburg, sind Burschenschafter. Von diesen fand sich als Gast im Ratskeller auch Hannes Rother ein, Mitglied der DB-Burschenschaft Germania Leipzig und persönlicher Referent des Parlamentarischen Geschäftsführers Robert Farle. Auf einem von NPD-Funktionären administrierten Onlineshop bietet Rother ansonsten historische Bücher an, darunter ein Werk des NSDAP-Ideologen Alfred Rosenberg und des SA-Führers Manfred von Killinger. (Quelle: zeit.de)

Thomas Tillschneider, AfD-Abgeordneter in Sachsen-Anhalt und Sprecher des AfD nahen Vereins Patriotische Plattform (PP)hielt die Festrede. Hajo Funke bezeichnet die PP als „Kampfverband zur Durchsetzung rechtsradikaler Positionen in der AfD“ (Quelle: wikipedia.de). Auch der Verfassungsschutz hat die PP im Blick, genauso wie die IB. (Quelle: spiegel.de) Wenzel Schmidts und Tillschneiders Kollege Tim Ballschuh fand sich ebfalls im Ratskeller ein. Bis zur Bundestagswahl stand er auf Platz 13 der Landesliste zur Wahl. Davor, ab 2006, war er Mitglied der Junge Nationaldemokraten (JN), ab 2008 gehörte er zur Frankonia Erlangen. 

Diese vom bayrischen Verfassungsschutz beobachtete Burschenschaft richtet die Messe Zwischentag aus, die Thomas Tillschneider zumindest 2014 besuchte. „Star des Abends“ beim Zwischentag sind schon Mal Gäste wie der italienische Neofaschist Gabriele Adinolfi 2013, ein Vordenker der „Casa Pound“ und einer der führenden Köpfe der Neuen Rechten in Europa. 1980 hatte der heute 63-Jährige für 20 Jahre ins französische Exil gehen müssen, da gegen ihn wegen des Bombenanschlags in Bologna ermittelt wurde. (Quelle: blog.zeit.de.de). Die „Casa Pound“ ist eine Mischung aus Straßengewalt, parlamentarischer Arbeit und Re-Interpretation faschistischer oder auch jungkonservativer Denker. (Quelle: antifainfoblatt.de)

Die „Rattenlinien“ der AfD-„Stürmer“

Initiator von Zwischentag ist Götz Kubitschek, der Vordenker der Neuen Rechten in Deutschland. Kubitschek gilt als Bewunderer der Casa Pound und läßt Kaliber wie Adinolfi auch auf seiner Zeitschrift Sezession zu Worte kommen, etwa den wegen Volksverhetzung verurteilten Skandal-Schriftsteller Akif Pirinçci, den von links- zu rechtsextrem gewandelten Aktivisten Bernd Rabehl oder den ebenfalls nach rechts abgedrifteten Historiker Peter Sieferle. Sieferles in Teilen antisemitisches Skandal-Buch Finis Germania hat Kubitschek postum über seinen Verlag Antaios herausgegeben. Bücher vom ex-links- jetzt rechtsextremen Reinhold Oberlercher vertreibt er schon zu dessen Lebzeiten. (Quellen: blog.zeit.de.de, 1.wdr.de) Martin Lichtmesz, einer der wichtigsten Autoren bei Sezession, hat als Herausgeber bei Antaios den Sammelband Europa verteidigen mit Essays des norwegischen Bloggers Fjordman herausgegeben. Auf den berief sich der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik. (Quelle: sezession.de)

Thomas Tillschneider kann gut mit Götz Kubitschek: Fleißig schreibt er für Sezession (Quelle: sezession.de). 2015 war er Referent beim 10. Staatspolitischen Salon bei Kubitscheks Institut für Staatspolitik (IfS). (Quelle: handelsblatt.com) Tillschneider ließ sich auch die jüngste Winterakademie des IfS auf Kubitscheks Ritterburg in Schnellroda nicht entgehen, laut dessen Duzfreund Björn Höcke, Thüringer AfD-Landes- und Fraktionschef, ein „Ort der geistigen Regeneration“, wo man sein „geistiges Manna“ empfange. (Quelle: faz.net) Mit dabei aus der AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt waren Jan Wenzel Schmidt und dessen Identitärer Stefan Träger. André Poggenburg hat sich in der Partei bisher vergeblich für eine AfD-Mitgliedschaft seines Freunds Kubitscheks und dessen Frau Ellen Kositza stark gemacht. „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagt Poggenburg dazu. (Quelle: handelsblatt.com)

Geschäftsführer des IfS ist Dr. Erik Lehnert, Mitarbeiter des AfD-Abgeordneten Harald Weyel. Andreas Lichert, Mitglied im Landesvorstand der AfD Hessen, ist Vorsitzender des Vereins für Staatspolitik als Träger des IfS von Götz Kubitschek (Quelle: taz.de) und Bevollmächtigter der Titurel-Stiftung, die vor allem als Förderinstrument des IfS fungiert. Diese hat ein Haus in Halle gekauft – als Zentrum und Wohnprojekt nach dem Vorbild der italienischen Casa Pound, die in einem Haus in Rom am „Faschismus des dritten Jahrtausends“ arbeiten. Das Haus ist Sitz der Werbeagentur Mosaik Kommunikation der Lichert GmbH von Andreas Lichert. Die Web-Domain der Agentur ist auf den Identitären Simon Kaupert registriert, der Quellcode der Seite weist auf die Agenturen Kontrast Werbedesign bzw. Mosaik Werbedesign hin, die beide auf Martin Sellner registriert sind. Zu den Mietern des Hauses gehört auch die Initiative „Ein Prozent“ und Thomas Tillschneider, der hier sein Büro hat. (Quelle: tag24.de)

Last but not least wohnt in diesem Haus eine regionale Gruppe der „Identitären Bewegung Deutschland“, die „Kontrakultur Halle“. Die Gruppe schult sich im Kampfsport und geht ebenfalls regelmäßig zu Schulungen vom IfS. Etliche Mitglieder sind wegen Gewaltdelikten einschlägig vorbestraft. Kopf der „Kontrakultur Halle“ ist Mario Müller, wie Martin Sellner ein ehemaliger Neonazi. Vor seinem Umzug nach Sachsen-Anhalt war Müller in der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ aktiv. Er ist zweimal wegen politisch motivierter Körperverletzung verurteilt. 2010 griff er vier Jugendliche mit einem „selbstgebauten Totschläger“ an. 

 

Thomas Tillschneider ist auch dicke mit Jürgen Elsässer, früher wie Bernd Rabehl, Reinhold Oberlercher und Horst Mahler extrem links und heute extrem rechts. Als Chefredakteur von Compact wartet Elsässer schon Mal mit Titeln wie „Freiheit für Beate Zschäpe“ auf. Ein öffentlicher „Aufruf an unsere Soldaten“ von Elsässer lautete: „Wir befinden uns bereits im Notstand (…) Diskutiert die Lage mit Euren Kameraden und werdet selbst aktiv! Nur Ihr habt jetzt noch die Machtmittel, die von der Kanzlerin befohlene Selbstzerstörung zu stoppen.“ (Quelle: vorwaerts.de) Seit 2016 hat Elsässer Compact als Wahlkampforgan für die AfD positioniert. Sein intellektueller Beitrag für die Neuen Rechten bewegt sich zwar in bescheidenen Grenzen. Mit seinem Antiamerikanismus und Antizionismus sowie seiner Islamophobie nährt er aber der AfD dienenden Feindbilder, Verschwörungstheorien und Hassparolen. (Quelle: bpb.de)

Beim „Russlandkongress“ der AfD in Sachsen-Anhalt im August 2017 genoss Jürgen Elsässer als Redner nach dem Grußwort von André Poggenburg seinen Applaus: „Dieses Regime tauscht uns als Volk aus gegen Fremde, die mit Deutschland und Europa nichts zu tun haben, und degradiert Deutschland zur Militärkolonie und zum Frontstaat der Amerikaner.“ Elsässer lobte die „Identitären“ als „Blüte des deutschen Volkes“ und erntete erneut Beifall – genauso wie Jan von Flocken, Autor für Compact und die neurechte Junge Freiheit. In seinem Vortrag spricht er sich gegen den „Kadavergehorsam“ aus: „Über das preußische Heer, das Reichsheer bis hinein in die heute verfemte, viel geschmähte Wehrmacht, wo auch viel mehr selbstständige Köpfe saßen – bis hin zu Generalen der Waffen-SS“. „Und (…) es gibt auch in Deutschland politische Gefangene – und nicht nur Horst Mahler“. (Quelle: vorwaerts.de). Mahler, verurteilter RAF-Terrorist, sitzt aktuell wegen wiederholter Holocaustleugnung und Volksverhetzung von Juden eine 12-jährige Haftstrafe ab.

Im Wahlstudio des Compact-Magazins in Magdeburg fand im März 2016 die AfD-Party nach der Landtagswahl in Sachsen  statt. Mit dabei: Jürgen ElsässerGötz Kubitschek, Thomas Tillschneider, Jan-Wenzel Schmidt, André Poggenburg, Björn Höcke, Martin Sellner, Gallionsfigur der „IB Wien“, und Philip Stein, Sprecher der Initiative Ein Prozent für unser Land. Die Initiative wurde als Kooperation des Compact-Magazins, des IfS, der IB und Teilen der AfD gegründet. (Quelle: lsa-rechtsaussen.net) Im September 2017 wurde bekannt, dass für Ein Prozent auch Michael Schäfer aktiv ist, Ex-NPD-Mitglied und -Bundesvorsitzender der NPD-Jugend (JN), Mitglied der Halle-Leobener Burschenschaft Germania, zumindest Sympathisant der IB und seit gemeinsamen Tagen bei der JN gut bekannt mit Tim Ballschuh. (Quellen: lsa-rechtsaussen.netendstation-rechts.de)

Ein Prozent inszeniert sich als „Graswurzelorganisation“ und ist der Versuch, unterschiedliche Akteure der Neuen Rechten zu vernetzen. Der Widerstand gegen die Asylpolitik Angela Merkels soll durch „Ein Prozent“ vernetzt und unterstützt werden – modern finanziert über Crowdfunding. (Quelle: belltower.news) Hier wirkt Philip Stein, der die verschiedenen Spektren von Burschenschaften, AfD und IB miteinander zu verbinden versucht – mit wenig Berührungsängsten zur „Alten Rechten“: Im April 2016 trat Stein beim Leser- und Autorentreffen der NPD-nahen Zeitschrift Umwelt und Aktiv in der Gedächtnisstätte Guthmannshausen auf, zu deren Gründerinnen die mehrfach verurteilte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck zählt.

Philip Stein ist auch international gut vernetzt. Im April 2017 nahm er in Rom an einem Kongress der italienischen Studentenorganisation Blocco Studentesco teil. Die Jugend­organisation der Casa Pound hatte eingeladen. Vertreten waren auch Michael Schäfer und John Hoewer, Fraktionsmitarbeiter der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt und Mitglied der Germania Köln. (Quelle: antifainfoblatt.de) Im  Juli 2017 besuchte Hoewer gemeinsam mit Stefan Träger und einem Magdeburger „Identitären“ das Deutschland-Seminar der rechtsextremen Braunschweiger Burschenschaft Thuringia, zu dem auch ein knappes Dutzend aktiver Mitglieder der JN anreisten. (Quelle: lsa-rechtsaussen.de)

Die „Rattenlinien“ aus Russland

Die neurechte Szene ist auch mit Russland gut vernetzt: Auf der Compact-Konferenz „Frieden mit Russland“ 2014 sprach beispielsweise der Putin-Vertraute Wladimir Jakunin von einem angeblichen Identitätsverlust durch Überfremdung – genauso wie der AfD-Vize und Fraktionschef im Bundestag, Alexander Gauland. In St. Petersburg war Gauland 2014 auch Gast der Stiftung „St. Basilius“, die der Putin-nahe Unternehmer Konstantin Malofejew gegründet hat. Gauland traf dort auf Kosten der Stiftung auch Jakunin sowie den Kreml-Vordenker Alexander Dugin. Dieser schätzt in Deutschland besonders die AfD und Alexander Gauland persönlich. (Quelle: webstory.zdf.de)

Alexander Dugin propagiert Eurasien als Neuauflage des russischen Imperiums. Der russische Politologe ist nicht nur einer der wichtigsten Theoretiker der Neuen Rechten, er schuf auch den intellektuellen Überbau für die jüngsten Expansionsbestrebungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Schon länger ist bekannt, dass Putin ultrarechte Strömungen in Westeuropa unterstützt, um die Europäische Union zu destabilisieren. Moskau fördere gezielt „Parteien aus dem rechten Lager, die für populistische Ziele werben und für gute Beziehungen zu Russland einstehen“, heißt es in einer Expertise deutscher Geheimdienste für das Kanzleramt. (Quelle: zeit.de)

An einem späten Abend im Februar 2017 reisten drei Politiker der AfD in ein Land, das es offiziell gar nicht gibt. Zunächst waren sie nach Jerewan geflogen, in die Hauptstadt Armeniens, dann reisten sie im Geländewagen weiter: Holger Arppe, Enrico Komning und Thomas Rudy von der AfD in den Landtagen von Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. Über die schmalen Passstraßen des Kaukasus ging es durch die Dunkelheit in Richtung Grenze. Ihr Ziel: die Republik Berg-Karabach. Ihre Mission: das Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems als internationale Wahlbeobachter begleiten. Der Grenzübertritt gilt in Aserbaidschan als Straftat. Denn Berg-Karabach liegt auf dem Staatsgebiet Aserbaidschans, wird aber unter Kontrolle Armeniens regiert – mit Unterstützung Russlands. Die internationale Staatengemeinschaft erkennt Berg-Karabach nicht als Staat an.

In den letzten drei Jahren sind mindestens elf AfD-Landtagsabgeordnete aus Hamburg, Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen als Wahlbeobachter in Gebiete der ehemaligen Sowjetunion aufgebrochen. Zuletzt reiste im Februar 2017 Ex-Parteichefin Frauke Petry zu Gesprächen mit Abgeordneten der Duma. AfD-Politiker helfen dabei, Wahlen in völkerrechtswidrig besetzten Regionen den Anschein legitimer Abstimmungen zu verschaffen.

„Mir geht es ganz einfach um ein gutes Verhältnis zu Russland“, sagt Thomas Rudy hierzu. Ein Parteikollege hat ihm deshalb geraten, sich doch an einen echten Russland-Kenner zu wenden: an Manuel Ochsenreiter. Dieser gilt als einer der Hauptakteure der Neuen Rechten in Europa. Knapp sieben Jahre lang war er Chefredakteur der Deutschen Militärzeitschrift, die unter seiner Führung „unkritisch und teilweise mit geschichtsrevisionistischer Tendenz“ über den Zweiten Weltkrieg berichtete. Anschließend wurde Ochsenreiter Chefredakteur der zum Sprachrohr der Neuen Rechten gehörenden Zeitschrift Zuerst! Immer wieder tritt er auf Veranstaltungen und Konferenzen nationalistischer Thinktanks in Russland in Erscheinung. Und: Ochsenreiter stellt Wahlbeobachtermissionen zusammen. (Quelle: zeit.de)

Im April 2016 gründeten Manuel Ochsenreiter und der Pole Mateusz Piskorski hierzu in Berlin das Deutsche Zentrum für Eurasische Studien. Hier sollen die deutschsprachigen Delegationen für Wahlbeobachtungsmissionen zusammengestellt werden. Piskorski organisiert seit Jahren solche Missionen westeuropäischer Rechtspopulisten nach Osteuropa. Ein Insider berichtete der polnischen Newsweek Polska, eine Kreml-nahe russische NGO, Cis-Emo, habe Piskorskis Organisation pro Mission einhundert- bis zweihunderttausend Euro zur Verfügung gestellt. Neben Ochsenreiter und Piskorski gibt es noch ein weiteres prominentes Mitglied des Eurasischen Zentrums: Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der JA, Mitglied des Landesvorstandes der AfD Baden-Württemberg und im neuen Bundestag sowie Sprecher der AfD-Fraktionschefin im Bundestag, Alice Weidel. Sein Name steht im Gründungsprotokoll des Vereins. (Quelle: zeit.de)

An einem Juli-Wochenende 2016 hatte Markus Frohnmaier zum Bundestreffen der JA im Kongresszentrum Bingen am Rhein geladen. Vertreter europäischer rechter Parteien wie des Front National und der FPÖ waren der Einladung gefolgt. Als Vertreter Russlands begrüßte Frohnmaier den Präsidenten der „Vereinten Jungen Front“ (OMF), den Bauunternehmer Nikolaj Schlamin. Schljamin trug das Abzeichen der AfD am Revers und forderte in Bingen als Alternative zur Europäischen Union einen eurasischen Verbund, ein „Europa von Lissabon bis Wladiwostok“. Der Saal applaudierte.

Im gleichen Jahr trafen sich Markus Frohnmaier und sein JA-Co-Vorsitzender Sven Tritschler in Berlin mit Robert Shlegel, Duma-Abgeordneter der Putin-Partei Einiges Russland. (Quelle: spiegel.de) Mit Markus Pretzell, damals noch Landesvorsitzender der AfD in NRW und Europaabgeordneter der AfD, reiste Frohnmaier auf die russisch besetzte Krim – eine russische Stiftung finanzierte die Reise. (Quelle: spiegel.de) Sogar bei den prorussischen Separatisten in der Ost-Ukraine saß Frohnmaier auf dem Podium. Und in Paris empfing Wladimir Jakunin den AfD-Jugendfunktionär. (Quelle: webstory.zdf.de)

Russlands Verbindungen zu Europas Rechten reichen noch weiter. Als der staatsnahe russische Sender RT 2016 über die österreichische Bundespräsidentenwahl berichtete, interviewte er keinen Politologen oder Meinungsforscher – sondern einen Rechtsextremisten: Alexander Markovics, ehemaliger Chef der IB in Österreich, durfte allein und vor einem internationalen Publikum seine radikalen Thesen vorstellen. Für die IB war das ein Coup. Der russische Staatssender hat offenbar Gefallen an der Gruppe gefunden: Auf der Facebook-Seite „RT Play“ findet sich ein aufwendig produziertes Video, das die Rechtsextremen charmant inszeniert. (Quelle: derstandard.at)

Die „Rattenlinien“ aus der Identitären Bewegung

Im Frühjar 2017 hat sich Marcus Frohnmaier mit dem neuen österreichischen IB-Chef Martin Sellner persönlich getroffen und ihm Unterstützung angeboten. (Quelle: tagesspiegel.de). Dieser pflegt auch enge Kontakte zu den Publizisten Götz Kubitschek, Martin LichtmeszFelix Menzel, Gründer, Herausgeber und Chefredakteur der Jugendzeitschrift Blaue Narzisse, und zu dessen Autor Johannes Schüller, die zu den zentralen Figuren der IB in Deutschland gehören. Juristischen Beistand erhält die IB vom stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden in Schwerin und Berg-Karabach-Wahlbeobachter Enrico Komning: Seine Kanzlei vertritt z. B. den „Identitären“ Daniel Fiß in einem Rechtsstreit. (Quelle: ostsee-zeitung.de) Der Ex-NPDler Fiß koordiniert in Deutschland „subversiven Guerilla-Aktivismus“. Fiß’ Vision: Die AfD könnte „unser verlängerter Arm“ in Parlamenten werden. (Quelle: ostsee-zeitung.de) Zuletzt haben die „Identitären“ durch eine Aktion auf dem Brandenburger Tor in Berlin auf sich aufmerksam gemacht. (Quelle: faz.net)

Im Frühjahr 2017 versuchten Funktionäre der IB mit dem Schiff »C-Star« im Mittelmeer die Seenotrettung dort arbeitender NGOs zu stören. Martin Sellner schrieb auf Götz Kubitscheks Sezession: »Nach drei Jahren identitärem Aktivismus« hätten ihn »Aktionsformen wie die symbolische Okkupation« nur noch gelangweilt. Sellner verklärt diesen Prozess »als den maximalen Akt des Widerstands, der notwendig mit maximalem Risiko verbunden war«, einem »Risiko für Leib und Leben«. Die IB setzt auch bei »Defend Europe«, wie sie ihr Schiffsprojekt großspurig nannten, auf wohlwollende Berichterstattung in ideologisch nahestehenden Magazinen wie Jürgen Elsässers Compact. Monate zuvor hatten die Identitären begonnen, Geld für die Schiffskampagne zu sammeln. Besonders spendabler Gönner ist die Initiative „Ein Prozent“, die der IB schon einmal fünfstellige Beträge überweist. (Quellen: jungle.world, derstandard.at)

Die „Identitären“ geben sich harmlos und folgen wie Alexander Gauland (Quelle: spiegel.de) und generell die Neuen Rechten dem „Ethnopluralismus“. Dieser strebt statt dem Konzept einer biologisch bedingten homogenen Abstammungsgemeinschaft die kulturelle „Reinhaltung“ der Gesellschaft an – ein Versuch, sich vom NS-Rassismus abzugrenzen. Wie die Casa Pound übernehmen sie von den Linken Protestformen und deuten deren umkämpfte Begriffe nach rechts um. Es ist eine Besonderheit der IB und der Casa Pound, militantem Aktionismus zu frönen und zugleich am bürgerlichen Diskurs zu partizipieren. (Quelle: vonnichtsgewusst.blogsport.eu) Die Fachautoren Julian Bruns und Natascha Strobl haben jedoch eine Verwurzelung der IB im Neonazismus identifiziert. (Quelle: momentum-quarterly.org) Unter den Kadern der „Identitären“ finden sich jedenfalls nur wenige ohne Neonazi-Vergangenheit. Martin Sellner bewegte sich einst um den mehrfach verurteilten Neonazi Gottfried Küssel. (Quelle: zeit.de)

Recherchen zeigen, dass die „Identitären“ ebenfalls in engem Austausch mit russischen Akteuren stehen. Eine Schlüsselrolle nehmen dabei der Deutschrusse Jurij Kofner und sein „Zentrum für Kontinentale Zusammenarbeit“ ein. Kofner will wie Alexander Dugin eine „eurasische Gemeinschaft“ von „Lissabon bis Wladiwostok“. Er veröffentlicht regelmäßig im „Compact“-Magazin und ist ein fleißiger Netzwerker. Wer in sein Netzwerk eintaucht, stößt auf ehemalige KGB-Agenten, Neonazis, faschistische Publizisten wie den „SS-Bewunderer“ Dugin und Wladimir Jakunin. (Quelle: derstandard.at)

Wegen der Nähe zur IB hat der Verfassungsschutz Marcus Frohnmaiers JA-Truppe ins Visier genommen (Quelle: tagesspiegel.de). Nichtsdestotrotz trommelte der bayerische AfD-Landeschef Petr Bystron bei einer AfD-Veranstaltung im oberbayerischen Maisach im Frühjahr 2017 öffentlich für die IB: „Identitäre ist eine tolle Organisation. Das ist eine Vorfeld-Organisation der AfD und die müssen wir unterstützen.“ Später forderte Bystron, der auch für die neurechte Wochenzeitung Junge Freiheit schreibt und bei RT als Deutschlandexperte auftritt, in einem Artikel auf der islamfeindlichen Internetseite PI-News sogar, die AfD müsse ein „Schutzschild“ für die Identitären sein, aber auch für andere rechte Gruppen, etwa für die Pegida-Bewegung, die besonders in Bayern ein Sammelbecken von Neonazis und Rechtsterroristen ist. (Quelle: sueddeutsche.de) Spätestens seitdem wird Bystron vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet. (Quelle: merkur.de

Während dessen sponsern Steuerzahler identitäre und burschenschaftliche Karrieren in Parlamenten (Quellen: 1.zeit.de2.zeit.de, vorwaerts.de, lsa-rechtsaussen.net): Neben Stefan Träger bei Jan Wenzel Schmidt etwa den „Identitären“ Patrick Harr als persönlichen Referenten von André Poggenburg. Eine zweite Besonderheit der „Identitären“ ist: Sie treten ohne Verschleierung von Körper und Identität in der Öffentlichkeit auf. Den Kadern ist bewusst, dass eine Rückkehr ins bürgerliche Erwerbsleben nur schwer möglich sein wird. Allein deswegen prügeln sie sich um die Plätze an den Futtertrögen rechtsextremer Parteien wie FPÖ oder AfD. (Quelle: vonnichtsgewusst.blogsport.eu) Rechtsextreme Burschenschaften sind zudem dazu übergegangen, ihre Ehemaligen und Aktiven nicht mehr nur bei der NPD, sondern auch bei der AfD zu platzieren – in wichtige Politikfelder wie „Recht und Verfassung“, „Soziales“, „Finanzen“ und „Inneres“. (Quelle: zeit.de) Der „Germane“ Torben Braga, Bundessprecher der Deutsche Burschenschaft, hat es sogar zum persönlichen Assistenten von Björn Höcke gebracht. (Quelle: fr.de) Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes bereitet man sich auch in der NPD auf die Infiltration der AfD vor. (Quelle: welt.de)

Das Ende der „Rattenlinien“ – Björn Höcke

Bei Björn Höcke laufen die „Rattenlinien“ zusammen: Ideologischer Anker ist die „Erfurter Resolution“, die Höcke mit dem AfD-Senior Alexander Gauland und seinem Freund André Poggenburg initiiert hat. Thomas Tillschneider, Marcus Frohnmaier und der Berg-Karabach-Reisende Thomas Rudy gehörten zu den Erstunterzeichnern. In der Resolution heißt es:

„Wir orientieren uns in unserem politischen Handeln ängstlich an dem, was uns Institutionen, Parteien und Medien als Spielraum zuweisen, anstatt selbst den Radius unseres Handelns abzustecken und zu erweitern. Wir zeigen zu oft jenen vorauseilenden Gehorsam, der die Verhältnisse, gegen die wir angetreten sind, nicht verändert, sondern zementiert.“

Das klingt weniger wie gesetzestreues Parlament, sondern wie das Ermächtigungsgesetz von 1933 zur Zerstörung der bestehenden Verfassung. Höcke ist auch einer der großen Russland-Sympathisanten in der Partei. Die Krim-Annexion anerkennen, Sanktionen aufheben, aus der in seinen Augen amerikanisch bestimmten Nato austreten. Höcke sympathisiert offenbar mit Wladimir Putins Träumen von der Wiederherstellung der „Großmacht Russlands“:

„Ein dauerhafter Frieden in Europa ist gegen Russland nicht möglich, sondern nur mit Russland. Und ich sage mit aller Deutlichkeit – die Russland-Sanktionen liegen nicht im deutschen Interesse, liebe Freunde!“ (Quelle: br.de)

Höcke wolle einen „Führerstaat“, kommentierte der thüringische Landtagsabgeordnete Oskar Helmerich im Juli 2015 seinen Ausstieg aus der AfD. (Quelle: focus.de) Höcke selbst betont, schon Hitler, der als „absolut böse“ dargestellt werde, obwohl wir natürlich alle wüßten, dass es in der Geschichte kein Schwarz und kein Weiß gibt, habe einst gesagt: „Das Himmelreich und die Seligkeit gehört niemals dem Halben, sondern dem Ganzen.“ (Quelle: faz.net) Höcke taucht jedenfalls im Mail-Verteiler seines rechtsradikalen Seelenverwandten Horst Mahler auf. (Quelle: kaz-online.de) Nach Hajo Funke versucht Höcke, das Chaos der späten Weimarer Jahre heraufzubeschwören (Quelle: 1.wdr.de).

Björn Höcke will Thomas Tillschneider im AfD-Bundesvorstand sehen und strebt mit guten Chancen selbst an die Bundesspitze. Mit der rechten Apo im Osten ist Höcke über seinen Sprecher Torben Braga, André Poggenburg, Thomas-Tillschneider, Jan Wenzel Schmidt und seinem Duzfreund Götz Kubitschek bestens verdrahtet, über Marcus Frohnmaier mit rechtsgerichteten russischen Putin-Anhängern sowie „Identitären“ im Süden Deutschlands und in Österreich. Der junge „Stürmer“ Götz Kubitschek und die Haken schlangenden alten Hasen Jürgen Elsässer, Reinhold Oberlercher und Horst Mahler, der auf YouTube prominent seinen Neonazismus vertritt und als Ideengeber für Reichsbürger wie offenbar auch Alice Weidel gilt (Quelle: welt.de), bespielen ihre jeweiligen Zielgruppen in der Wählerschaft. Alexander Gauland ist Höckes Aushängeschild für ultra-rechte Senioren, Jörg Meuthen für weniger Radikale dieser Generation: Nach außen tut Meuthen so, als würde er sich gegen den rechtsnationalen Höcke-Flügel stellen. Intern unterstützt er Höcke. (Quelle: handelsblatt.com)

Bei Björn Höcke treffen sich erstmals Apo und Parlament, Aktion und Theorie, jung und alt und mehr oder weniger Rechtsextreme. So könnte es klappen, die Wähler auf Höckes Plan einzustimmen.

Nachtrag vom 9. November 2017:

Lesen Sie auch Teil 2 Die „Rattenlinien“ des Horst Mahler und Teil 3 Die „Rattenlinien“ von Strauß über Mielke bis Meuthen meiner Rattenlinien-Trilogie!

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13 Kommentare zu „Die „Rattenlinien“ des Björn Höcke

  1. Erst einmal herzlichen Dank, dass Sie hier die Drecksarbeit machen. Da ich es schon schwierig finde, diesen fauligen Sumpf nur zu betrachten, mag ich mir nicht vorstellen, wie es wohl ist, mit beiden Händen darin herumzuwühlen. Der Arbeitsplatz eines Klärwerkers scheint im Vergleich zu diesem widerwärtigen Umfeld ja nachgerade eine keimfrei-sterile Umgebung zu sein.

    Einige Gedanken:

    1. Im Jahr 1992 erschien ein Buch von Burkhard Schröder, dass da hieß „Rechte Kerle“. Ich war damals eben über 20 und schockiert von den Anschlägen auf Asylbewerberunterkünfte. Also wollte ich mehr über die Strukturen dahinter wissen. Bis dahin waren Neonazis für mich eben nur diese dauerbesoffenen, primitiven Kahlgeschorenen, kaum in der Lage einen fehlerfreien deutschen Satz über die Lippen zu bringen, aber sich für die Herrenrasse haltend. Ein Großteil der Tastatur-SS die heute die sozialen Medien mit sich, ihrer Dummheit und ihrem Hass vollmachen, passen wohl immer noch ganz gut in das Bild, wenn auch eher im als auf dem Kopf.

    Das eigentlich interessante im Zusammenhang mit Schröders (nicht unbedingt überagendem) Buch ist, wieviele der Namen die die Strukture aufbauten, heute noch dabei sind.

    2. Die Identitären… Hach… Also wirklich, wer könnte sie denn nicht liebhaben, diese braven, furchtbar langweiligen Arier-Kinder? Losgelöst von ihrem als Ethnopluralismus getarntem Rassismus (wobei das so halbherzig getarnt ist, dass sie vermutlich nicht mal selbst glauben, dass ihnen das jemand abkauft. Oder abkaufen soll. Das ist eher sowas wie ein AfD-Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung, wir wissen, das müssen sie sagen. Aber nicht meinen), sind die einfach so putzig, wie aus so einer 50er-jahre Jugendbuchreihe entsprungen. Die fünf Freunde zum Beispiel, die ja auch so ein reaktionär-langweiliges Spießerweltbild innehaben.

    Schauen Sie, falls nicht längst geschehen, mal die Seiten der identitären Kitschpostkarten-Künstlerin Alina von Rauheneck an. Wundervoll. Man möchte einfach nur Eva Brauns Poesiealbum damit vollkleben.

    Was mit denen alles so nicht stimmt, möchte ich mir lieber nicht ausmalen. Aber es wird so einiges sein.

    3. Warum wird die AfD nicht vom Verfassungsschutz beobachtet? Die Strukturen im Hinter- und die öffentlichen Reden im Vordergrund, lassen für mich eigentlich keinen anderen Schluss zu, als dass wir es hier mit Rechtsextremen zu tun haben. Das kann ich wirlich nicht verstehen.

    4. Die Heuchelei: Sicher ist es besser spät als nie die AfD zu verlassen. Aber die plötzliche Entdeckung von Rechtsradikalismus, die überraschende allgegenwärtige Spontan-Anwesenheit von Nazis, all das kaufe ich diesen Leuten nicht. Als Lucke , Henkel und von Sumpfralle die AfD gründeten, war sie bereits nationalistisch. Das bezog sich zwar in erster Linie auf Wirtschaftsnationalismus der übelsten Sorte (jetzt haben wir uns in der Eurozone fast 15 Jahre ordentlich die Taschen vollgemacht, sieht so aus als hätten wir das Geld von allen, also nix wie weg), aber spätestens mit dem Abgang von den zornigen alten Männern, war doch klar wohin die Reise geht.

    Und nach so entlarvenden Statements wie zum Beispiel dem storchschen Wunsch nach Deutschland flüchtende Männer, Frauen und, okay, Mausausrutscher passieren, Kinder an der Grenze niederschießen zu lassen, sowie den offenen Aufrufen endlich Kriegsverbrecher wieder toll finden zu dürfen, schließlich haben die auch gute Arbeit gemacht, und das geforderte Vergessen der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte; kann mir bitte keine(r) erzählen, er/sie sei nach der Wahl irgendwie überrascht worden. Das ist plump.

    Hier nicht ganz passend, aber was soll’s:
    5. Was will Petry eigentlich? Ist die blaue Partei ein Schritt Richtung Bedeutungslosigkeit (siehe >Lucke) oder ein Schritt Richtung CDU? Irgendwie bin ich da noch nicht hinter gestiegen.

    Und zu guter Letzt: Mir macht das Sorge. Ich kann das alles nicht gut aushalten. Die Existenz so vieler hassgesteuerter dummer Menschen und dann so vieler „nichtdummer“ (klug kann ich das trotzdem nicht finden, aber das Thema haben Sie ja schon ausführlich abgearbeitet) aber umso skrupelloserer Leute, die mit dem Ausnutzen dumpfer Ängste ihre Karriere bestreiten – es ist wirklich erschütternd.

    Vielen lieben Dank. Mir fallen leider gerade keine passenden Lobpreisungen für Sie ein, die nicht mit mindestens einem Bein bis zum Knie im Kitsch stehen. Vielleicht reiche ich die nach! 😉 🙂

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  2. Dem Kompliment meines Vorredners für die „Drecksarbeit“ will ich mich ausdrücklich anschließen. Es ist eminent wichtig, diese tückischen Verbindungen aufzudecken und aufzudröseln. Allerdings verknüpft sich damit auch immer noch die Hoffnung, man könne ihnen mit strafrechtlichen Mitteln o.ä. habhaft werden. Ob die Leute, die die Rechten wählen, sich für solche Feinheiten wie „wer mit wem“ interessieren?
    Anders als Tobias K. versuche ich inzwischen, beim Schlagabtausch mit Rechten ohne Stigmatisierungen auszukommen, denn letztlich spielt man ihnen damit genau in die Hände: sie suchen die Opferrolle und versammeln dort alle um sich, die sich auch für Opfer halten (obwohl sie es meist nicht sind). Sie geben sich als in die Ecke gedrängt aus, in die sie selber gegangen sind.

    Aber es ist wichtig zu sehen, wer sich in dieser Ecke alles tummelt und warum. Und aufzuzeigen, dass es Leute sind, die sich aushalten lassen vom Steuerzahler und vielleicht auch ein wenig von Russland. Im nächsten Schritt gilt es noch deutlicher zu zeigen, dass diese Leute nichts tun wollen und werden für die, die sie wählen (gilt zumindest für die AfD). Die AfD ist eine Partei der Besitzstandswahrer, im Westen von denen, die ihr Schäflein ins Trockene gebracht haben, im Osten von denen, die sich ans Durchfüttern gewöhnt haben (etwas drastisch formuliert). Die FPÖ wurde in Österreich von rund 60 % der jüngeren Männer aus dem Arbeitermilieu gewählt. Dort liegt der Hund begraben. Und ich kann nicht recht erkennen, wie die AfD mit ihren rückwärtsorientierten Konzepten und ihrer grundsätzlich geizigen Attitüde einem solchen Milieu, das um seine Zukunft bangt, tatsächlich helfen will und kann. Die Rechten bieten ihrer Gefolgschaft nur ein emotionales Auffangbecken. Faktische Gegenleistung ist nur in geringem Umfang vorgesehen, denn da müsste man ja abgeben und teilen: das passt nicht ins Weltbild von Rechten.

    Wir sollten die Rechten also künftig noch mehr an ihren Taten messen. Und im Vorfeld schonungslos die logischen Fehler ihrer Argumentation aufdecken. Hierzu gehört z.B. der Umstand, dass eine Exportwirtschaft wie Deutschland sich nicht abschotten kann ohne zu leiden. Und wer leidet dann als Erstes? nicht die Gaulands und Weidels. Entzauberung ist angesagt. Teilweise erledigen sie das in der AfD schon selber. Besonders dringend brauchen wir dazu die SPD – die scheint das ja ansatzweise kapiert zu haben.

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    1. Hallo Herr Luchs,

      ich bin da den umgekehrten Weg gegangen.

      Ab einem gewissen Grad von Ignoranz, persönlicher Paranoiapflege und zu langer Aufenthaltsdauer in pegidistischen Echokammern, ergibt ein argumentativer Diskurs in meinen Augen keinen Sinn mehr. Und auch das Verständnis für Sorgen, Nöte und Ängste hat dann irgendwann sein Ende erreicht.

      Zumal diese Leute keien Gelegenheit auslassen, sich selbst zu stigmatisieren. Insbesondere die Identitären sind da in ihrer Paarung von Nazismus und Narzissmus und dem sich daraus erwünschten Nazi-Hipster-Image eine Karikatur ihrer selbst und ich finde das kann und darf man auch benennen.

      Menschen die die AfD nur aus dem Grund wählen, ihre chronische Unzufriedenheit und Hass auf andere auszudrücken, obwohl sie genau ihnen eigentlich überhaupt nichts Gutes will (und gerade im Osten unseres Landes ist es ja wirklich wie die Kuh, die im Galopp den nächsten Metzger aufsucht) sind in meinen Augen zu keiner sinnvollen Diskussion mehr fähig. Und sie befinden sich in Ecken, die sie, wie Sie sagen, selbst aufgesucht haben. Dort holt sie auch keiner mehr raus, es sei denn es regnet irgendwann Anstand und Empathie. Oder vielleicht fähige Sozialarbeiter. Aber ein geschriebenes Wort oder mehrere davon, scheinen mir als Heilmittel leider eher ungeeignet.

      Eher würde ich mit einem „stolzen“ NPD-Nazi versuchen auf eine Sachebene zu finden, als mit einem dieser Aufrechtsdeutschen, der einen Glauben den er nicht hat, verteidigen will gegen Leute die es bei ihm nicht gibt, aufgrund von Kenntnissen aus Publikationen denen er eigemtlich nicht glaubt. Es ist sicher ein ehrenwertes Ansinnen, die Rückzugswege durch eine sachbezogene Diskussion verbauen zu wollen, aber es wird meiner Meinung nach nicht funktionieren. Mit Hinterhaltnazis mag ich nicht mehr reden, schlimm genug, dass man über sie reden muss…

      Aber letztlich ist es wichtig, dass man drüber spricht und seine Ablehnung für dieses Gedankengut kundtut, insbesondere da, wo man vielleicht ein bisschen Einfluss nehmen kann. Und da hilft Stigmatisierung dann nicht weiter, das sehe ich ganz genau so.

      Im anonymen Internet, ohne direkten Einfluss, muss man meiner Meinung vor allem den Weg finden, als empathischer Mensch selbst unbeschadet zu bleiben, von all diesem Irrsinn, der einem als gesunder Menschenverstand aufgetischt wird. Mir persönlich fällt das generell sehr schwer und es setzt mir nicht eben wenig zu. Betrachten Sie also eine gewisse Grundarroganz hier einfach als Selbstschutzmechanismus.

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      1. Lieber Tobias, tatsächlich muß ich Ihnen Recht geben: Als hoffnungsloser „Gutmensch“ diskutiere ich seit neuestem auf Facebook auch mit NPD-Anhängern in der Hoffnung, bei ihren Rassimus mit guten Argumenten „durchzustoßen“. Diese scheinen weniger von Unzufriedenheit und Hass getrieben zu sein als AfDler, sondern von politscher Überzeugung. Nur einmal wurde ich als „Kanacke“ bezeichnet, die verschwinden soll. Eine sachliche Diskussion ohne Beleidigungen und Hetze ist aber ansonsten mit NPDlern absolut möglich. Leider konnte ich bisher noch niemanden umstimmen. 😦

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      2. Liebe Patrizia, nochmal Danke für Ihren Einsatz 😉

        Der Unterschied ist in meinen Augen vor allem dort zu sehen, dass der NPDler sich nicht als Teil einer schweigenden Mehrheit sieht und sich das auch nicht zurecht lügen muss. Er weiß, dass er eine Minderheitenmeinung vertritt und steht zu ihr.

        Das ist, gepaart mit den Inhalten, vielleicht trotzdem kein sympathischer Charakterzug, aber es ist immerhin einer 😉

        Gut, in der AfD gibt es diese Leute auch, und vermutlich schadet die AfD der NPD mehr als jedes Staatsorgan es je konnte. Aber AfDler tendieren in meinen Augen dazu mehrheitlich aus Protest gegen „die da oben“ ihr Kreuz zu machen, damit „die“ ihren Denkzettel bekommen.

        Ich habe solche Leute kennengelernt und da ging es nicht um den Inhalt. Oder wenn dann nur um einen, die Idee, da käme jemand und nähme ihnen etwas weg. Dafür wählt man dann eine Partei, die sogar im Programm stehen hat, dass sie ihnen noch mehr wegnehmen möchte. Wenn es Tipps dafür gibt, was und wie man mit solchen Leuten noch reden kann… ich wäre wirklich dankbar.

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  3. Lieber Tobias, auch ich danke Ihnen für Ihr Engagement. Neulich habe ich eine AfD-Anhängerin getroffen und mich lange mit ihr unterhalten. Sie war ganz dankbar, dass ich ihr zugehört habe, ihre Ängste ernst genommen und sie nicht verurteilt habe. So etwas würde sie selten erleben. Anschließend hat sie mir lange zugehört, meinen Argumenten, warum ich es für falsch halte, die AfD zu wählen. Ich weiß nicht, ob das etwas bei ihr bewirkt hat. Aber mit Zuhören und Respekt bin ich bisher immer gut gefahren, um mit Rechten ins Gespräch zu kommen.

    Heute Nachmittag kommt auch mein längst überfällige Beitrag zu Horst Mahler. Dort habe ich dieses Thema – wie immer recht langatmig 🙂 – aufgegriffen. Während des Schreibens habe ich meine Meinung über ihn geändert, so dass ich noch Mal von vorne anfangen mußte. Ich bin gepannt auf Ihre Kritik. 🙂

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    1. Im persönlichen Gespräch geht es am ehesten.

      Hin und wieder (zum Glück selten) komme ich auch in die Situation. Generell versuche ich erst einmal zu präzisieren, also präzisieren zu lassen.

      Welche Kultur ist denn genau in Gefahr und warum? Warum muss jetzt der Zeitpunkt sein, an dem kulturelle Entwicklung nach Jahrhunderten endet? Die Araber haben uns ja schon früher mal so schlimme Sachen gebracht wie Mathematik und ein Zahlensystem und Gewürze und Stoffe und vieles mehr. Sollte man darauf konsequenterweise auch verzichten?

      Ansonsten freue ich mich schon. Mahler habe ich schon immer für eine recht interessante Figur gehalten, auch bevor er das politische Ufer wechselte.

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  4. Sehr geehrte Frau Trolese,
    das Durchwurschteln durch 99 Kommentare unter Bergers Bettelbrief – man liest halt diesen Kram gelegentlich – brachte einen Lichtblick, und das war Ihr Beitrag. Der wiederum führte mich zu diesem Blog und seinen diversen Artikeln, die ich mit einigem Gewinn und nicht wenigem Vergnügen las.
    Eine Frage: ist nicht der 1%-Philipp-Stein (der mir auffiel, als er beim mittlerweile unlesbar gewordenen „European“ tumbe Artikel zu veröffentlichen begann) der Sohn von Dieter Stein, welcher die „junge Freiheit“ gegründet hat und bis heute ihr Chefredakteur ist? Nicht, dass das eine Rolle spielte, ich fände es nur interessant, zu wissen, wie stark in diesen Kreisen das dynastische Prinzip verankert ist.
    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Schweighäuser

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    1. Sehr geehrter Herr Schweighäuser,
      herzlichen Dank für Ihr Kompliment!
      Habe Mal recherchiert zu Ihrer interessanten Frage. Nein, Philip Stein scheint nicht der Sohn von Dieter Stein zu sein, zumindest Siezen sich die beiden auf Twitter: https://twitter.com/stein_schreibt/status/685790129341001729
      Würde mich freuen, bei Gelegenheit wieder von Ihnen zu lesen.
      Für heute verbleibe ich mit Wünschen für eine gute Nacht.
      Mit besten Grüßen,
      Patrizia Trolese

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  5. Tja , – es ist schon ein „ Kreuz “ mit der „ Ratten – Plage “ in Deutschland ; dsrunter leiden besonders – aber durchaus nicht nur -,MASS , STEGNER – und auch Johannes KAHRS , der soeben die AfD VERBIETEN wollte ……!!

    Habe dafür durchaus VERSTÄNDNIS – angesichts der TATSACHE , daß es in Kürze in Deutschland mehr „ RATTEN “ als „ SOZEN “ ( siehe die Umfragen ) geben wird .

    Im OSTEN werden sie – vielleicht mit HÖCKE als „ RATTEN – HÄUPTLING “ – ohnehin in absehbarer Zeit als MINISTERPRÄSIDENTEN die ersten „ Ratten – Diktaturen “ errichten .

    TIP : Aschermittwochs – Rede von Björn HÖCKE auf YOUTUBE hören ; – das beflügelt die EMOTIONEN : – bei Euch des ABSCHEUS ; – bei mir der BEGEISTERUNG ………

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  6. p.s. : nachdem im vorstehenden BERICHT über die „ Umtriebe “ der „ Ratten “ eine Reihe von akustischen Beiträgen deren Protagonisten hier eingestellt sind , sollten auch Reden des Namensgebers des Artikels , Björn HÖCKE , nicht fehlen , um beim Publikum hier den für weitere KOMMENTARE hier „ schöpferischen “ ERREGUNGSZUSTAND hervorzurufen .

    Ich enofehle hier – wie oben – HÖCKE’S diesjährige ASCHERMITTWOCHS – REDE ……….

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