HaOlam – der Name erinnert an die alte israelische Zeitung HaOlam haZeh. Damit hat HaOlam allerdings nicht das Geringste zu tun. Im Grunde ist der Name eine Lüge, denn weltweit bekannt ist HaOlam haZeh als ein ehemaliges linkes Magazin, das zuletzt von Uri Averny heraus gegeben wurde. Das genaue Gegenteil ist HaOlam, denn dieses deutsch-israelische Medium ist rechts – stramm rechts.

Unter dem Deckmantel, pro-israelisch zu sein, hetzen und agieren Neue Rechte einschließlich muslimischer Kollaborateure, rechtsradikale Zionisten und Homosexuelle gegen Muslime: Diese geben Angriffsflächen als unerwünschte Ausländer, vielfache Antisemiten und Homophobe. Auf diese Weise ist eine Queerfront entstanden, die die Rechte von Muslimen einschränken will – in Deutschland wie in Israel.

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Die Freunde des Yizre´el (Izi) Aharon

HaOlam erscheint in Kooperation mit HaKadima – einem Bildungsverein des Ex-Neonazis Jörg Fischer, der sich nach der Trennung von seinem jüdischen Lebensgefährten Fischer-Aharon nannte und seit seiner Konversion zum Judentum Yizre´el (Izi) Aharon heißt. Dass HaKadima kein echtes hebräisches Wort ist und in etwa mit „Das Vorwärts“ übersetzt werden könnte, fällt nur Leuten auf, die hebräisch können. Eine „echte“ Bedeutung hat das Wort nicht – es klingt nur einfach hebräisch. Im Namen zeigt sich auch die Vermessenheit des „Aufklärers in Sachen Israel“, ist doch „Kadima“ der Name der damaligen Regierungspartei, die Ariel Sharon zur Durchsetzung des Abzugs aus Gaza gegründet hatte – gegen den Widerstand Benjamin Netanyahus. Seltsam ist das deshalb, weil Aharon erklärter Bewunderer eben Netanyahus ist.

Weshalb bemüht sich Aharon so sehr um ein israelisches Image, obwohl er von den Verhältnissen in diesem Land wenig Ahnung hat. Weshalb verwendet er einen hebräische Namen, obwohl er kein Wort hebräisch spricht. Meint er, er könne die fehlende Kompetenz durch neuerdings in Interviews gerne eingestreute Hinweise auf einen neuentdeckten jüdischen Großvater ausgleichen?

Aharon verbreitet mit HaOlam ein Judenbild, das alle Klischees und Ressentiments virtuos bedient. Im bekanntermaßen breiten Spektrum jüdischer und israelischer Ansichten kommt nur das „rechte“ Spektrum zum Ausdruck. Nahezu ausschließlich werden Texte aus dem ultra-orthodoxen Bereich wie die Philosophie von Chabad Lubawitsch publiziert. Zu verbreiten, dass es auch Juden außerhalb von Chabad gibt und dass jüdisches Leben viel mehr ist als die jüdische Religion, liegt wohl nicht in Aharons Interesse. (Quelle: hagalil.com) Ähnlich hatte die rechtsextreme ProNRW 2011 zur Islamkritische deutsch israelische Konferenz ausgerechnet rechtsradikale Zionisten aus den völkerrechtswidrigen Siedlungen auf Palästinenser-Gebieten eingeladen. (Quelle: quotenqueen.wordpress.com)

Zu den rechtsradikalen Publikationen, die unter dem Deckmantel des Jüdischseins gegen Muslime hetzen, gehört auch der Heplev–Blog, der tatsächlich vom evangelikalen leverkusener Grundschullehrer Herbert Eiteneier stammt. Häufig verlinkt dieser von seinem Blog auf rechtsradikale Seiten wie die islamfeindliche Political Incorrect. Eiteneiers Motiv liegt auf der Hand: Er ist in der Wolle gefärbter Islamophober, Fan und Übersetzer des berüchtigten US-Islamophoben Daniel Pipes, der auch schon mal zur Verbesserung präsidialer Umfragewerte die Bombadierung des Iran empfiehlt. Auf HaOlam kommt Pipes als freier Autor sogar regelmäßig persönlich zu Wort.

Bereits 2008 geisterte ein Phänomen mit dem Namen Nasofi durch die Blogosphäre. Die Nationalen Sozialisten für Israel hatten all jene überrascht, die glaubten, in postmodernen Zeiten könnten Nazis alle Themen, Symbole und Forderungen übernehmen und für sich benützen – außer die Solidarität mit Israel und die dazugehörige Fahnenschwenkerei. Damit bliebe dann die Fahne Israels als letztes genuin antifaschistisches Symbol. Natürlich war das schon immer Blödsinn: Israel-Solidarität ist in der BRD seit ihrer Gründung eine rechte Domäne. Die westdeutschen Eliten setzten bei der Restauration ihrer Macht auf die Reduktion des NS auf den Antisemitismus. Die Solidarität mit Israel konnte nun als „Beweis“ für den Bruch mit dem deutschen Faschismus herhalten. So verfuhr neben den Parteien vor allem die Springer-Presse. Die Welt solidarisierte sich sogar mit dem Aufruf Daniel Pipes „Barack Obama sollte den Iran bombardieren“. (Quelle: nrhz.de)

Antisemitismus und Israelhass spielt vorwiegend in der deutschen NS-Szene bis heute eine überragende Rolle. Doch der Anziehungskraft der sich dank im deutschen Diskurs dominierender Moslemhetze im Aufwind befindlichen israelsolidarischen Neuen Rechten kann sich die NS-Szene immer weniger entziehen. Inzwischen sind solche Töne selbst bei der NPD in den Hintergund getreten, und die wichtigsten neo-faschistischen Gruppierungen demonstrieren lieber gegen „die Islamierung Deutschlands“ als für Ahmadinedschad. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis Teile der NS-Fraktion ihr Konzept des Ethnopluralismus konsequent zu Ende formulieren (Quelle: indymedia.org):

Demnach ist die Annahme einer unterschiedlichen Wertigkeit der Völker falsch. Vielmehr gelte es, die Vielfalt der Völker (Ethnopluralismus) zu fördern: „Mittlerweile haben wir uns längst von veralteten White-Power Denken verabschiedet und gestehem jedem Volk ein Recht auf freie Entfaltung zu. Außer Israel, dass hat von der Landkarte zu verschwinden. Aber warum?“, fragten die Nationalen Sozialisten für Israel. Ihre Gegenposition: „Auch Israel hat ein Existenzrecht. Auch dieses Volk hat Kultur und Eigenarten die es zu schützen bedarf, auch das israelische Volk ist wertvoll. (…) Unsere Pflicht als Nationale Sozialisten besteht darin, dieses hohe Gut zu verteidigen, nicht nur für unser deutsches Vaterland und den europäischen Kulturraum, sondern auch und gerade in Israel.“ Aber bitte alle Nationen schön getrennt.

Es war kein geringerer als der Theoretiker der „Schwarzen Front“, Dr. Otto Strasser, der bereits im Jahr 1930 seinen Austritt aus der NSDAP mit eben jenen Argumenten begründet hatte, die heute zum Einmaleins des Ethnopluralismus gehören. Ein echter Nationalist müsse demnach anerkennen „daß das Recht der Erfüllung völkischer Eigenart, das wir für uns in Anspruch nehmen, auch allen anderen Völkern und Nationen zusteht“. Das Anliegen, innerhalb der nationalistischen Szene eine anti-antisemitische Politik zu entwickeln, ist also keinesfalls widersprüchlich, sondern vor dem Hintergrund des Ethnopluralismus eher konsequent. (Quelle: blog.zeit.de)

Nun also HaOlam. Hauptbetreiber Yizre´el (Izi) Aharon möchte mit Hakadima, neuerdings in ADC Bildungswerk umbenannt, Aussteiger aus der rechten Szene, also vor allem Neonazis, zum Zionismus bekehren, darunter Homosexuelle: Es kommt Aharon wohl als Schwuler gelegen, dass sich Israel sehr für Homosexuelle engagiert, diese mit Aktfotos schicker IDF-Soldaten lockt und seine Strände als ideale Urlaubsorte anpreist – zumindest für ausländische Homosexuelle. (Quelle: welt.de)

Flankiert wird das Streben Yizre´el (Izi) Aharons von anderen rechtsextremen Homosexuellen: David Berger machte einst als schwuler Theologe in der katholischen Kirche Karriere, bis seine Facebook-Kontakte zur Gay-Szene aufgedeckt wurden. (Quelle: diekolumnisten.de) Heute betreibt er den islamfeindlichen Blog Philosphia Perennis und erklärt, als homosexueller Mann mit jüdischen Vorfahren scheine ihm Israel eines der fortschrittlichsten Länder der Welt zu sein. (Quelle: huffingtonpost.de) Berger läßt auch seine Freundin, die homosexuelle AfD-Frontfrau Alice Weidel, regelmäßig auf Philosophia Perennis zu Wort kommen – z. B. wenn sie meint:

„Die AfD ist die einzige echte Schutzmacht für Schwule und Lesben in Deutschland. (…) In den 90er Jahren konnte man nicht durch die Innenstädte von Berlin, Hamburg und vor allem Köln laufen, ohne ständig Händchen haltenden und einander küssenden schwulen und lesbischen Paaren zu begegnen, die ihre Freiheit genossen. Das ist heute, jedenfalls in dieser Intensität, nicht mehr zu beobachten. Denn die Menschen haben immer mehr Angst vor den Reaktionen. Und ich spreche nicht von den Reaktionen deutscher Rentner sondern von denen vor allem junger muslimischer Migranten.“ 

Übersetzer für den Blog von David Berger soll der ähnlich fundamentalchristliche Herbert Eiteneier sein. Auch die Jüdische Rundschau um ihren Herausgeber Rafael Korenzecher ist sich nicht zu schade, mit Berger zu paktieren. Bei der Verleihung des Preis für ehrlichen Journalismus durch die Jüdische Rundschau waren drei Autoren von Philosophia Perennis eingeladen, unter ihnen Berger. (Quelle: philosophia-perennis.com) Korenzecher ist sich nicht einmal zu schade, den auch regelmäßig auf Philosphihia Perennis hetzenden Jürgen Fritz auf seiner Jüdischen Rundschau zu Wort kommen zu lassen. (Quelle: juedischerundschau.de) Fritz ist neben Acif Pirincci der wortgewaltigste Islam-Hetzer in Deutschland. Dieser hat auf einer Pegidarede Asylbewerberinnen als „flüchtende Schlampen“ bezeichnet und behauptet, Muslime würden „Ungläubige mit ihrem Moslemsaft vollpumpen“, es drohe eine „Moslemmüllhalde“ in Deutschland. Anders als Pirincci schreibt Fritz den Muslimen statt in obszöner Gossensprache in philosophischer Manier das Menschsein ab:

„Auch dass Mensch-sein nicht ein je schon Gegebenes ist, sondern ein zu Verwirklichendes, ist kaum verstanden. Dies ist aber die Voraussetzung, um sich klar zu machen, dass die oben Genannten (Muslime und Afrikaner) was ihre Seele anbelangt im Durchschnitt auf einem vollkommen anderen Level sind. (…) Fakt ist nun mal, dass es (…) riesige Unterschiede gibt sowohl in der intellektuellen als auch in der moralischen und charakterlichen sowie der gesamten kulturellen Entwicklung.“ (Quelle: 1.juergenfritz.com)

„Geschöpfe aber aus anderen Kulturkreisen massenweise immigrieren zu lassen, die in aufklärungs- und menschenrechtsfernen oder gar aufklärungs- und menschenrechtsfeindlichen Kulturen erzogen und sozialisiert wurden, die also auf ein Leben als autonomes Wesen in keiner Weise vorbereitet worden sind, ist daher in höchstem Maße selbstzerstörerisch, weil hierdurch die Grundlagen der Aufklärung und des Menschenrechtsdenkens in der Gesellschaft vollkommen abgegraben werden. (…)

Was sie jedoch sehr schnell rauskriegen, ist, wie sie hieraus (aus der Aufklärung) Forderungen für sich selbst ableiten können. (…) Sie verachten oftmals im Grunde dieses ganze Denken oder sind damit zumindest völlig überfordert (…). Aber sie nutzen es gnadenlos für sich selbst aus, was aus ihrer Sicht unter rein egoistischem Gesichtspunkt durchaus nicht irrational ist. Aus Sicht der praktischen Vernunft (Ethik) (…) verhalten (sie) sich vielfach parasitär und damit natürlich nicht gerade moralisch einwandfrei.“ (Quelle: 2.juergenfritz.com)

Das erinnert Sie, liebe Leser, an etwas? Richtig, es erinnert Sie an eine Rede auf einer NSDAP-Versammlung am 1. Mai 1923, die ohne Fritz langatmiges philosophisches Geschwafel zum gleichen Schluß über Juden kommt: „Der Jude ist wohl Rasse, aber nicht Mensch. Er kann gar nicht Mensch im Sinne des Ebenbild[es] Gottes, des Ewigen sein. Der Jude ist das Ebenbild des Teufels. Das Judentum bedeutet Rassentuberkulose der Völker. (…) Der Jude als Rasse hat eminente Selbsterhaltung, als Mensch aber besitzt er keine kulturelle Befähigung. Er ist ein Dämon der Völkerzersetzung, das Symbol der dauernden Zerstörung der Völker.“ (Quelle: sgipt.org)

 Yizre´el (Izi) Aharon ist aus vielen Diskussion in Facebook bekannt. Er ist kein gewöhnlicher “Israel-Verteidiger”, sondern ein Hardcore-Verteidiger der rechtsgerichteten Politik a la Avigdor Lieberman und der rechtsnationalen Siedlerbewegung. Juden, die sich gegen die Siedlungspolitik der jetzigen Regierung Israels stellen und/oder sich für ein friedliches Zusammenleben mit den Palästinensern einsetzen, sind nicht seine Welt. Glaubt man Kommentatoren in einschlägigen sozialen Netzwerken, die Aharon zu kennen scheinen, pflegt dieser sogar enge persönliche Kontakte zum Likud-Bündnis von Benjamin Nethanyahu und zur Partei Liebermanns Jisra’el Beitenu sowie zu einigen dessen ranghohen IDF-Offizieren. Offenziell ist dies jedoch nicht verifizierbar. Auf seinem Facebook-Profil präsentierte sich Aharon vor einiger Zeit dafür mit dem Banner der faschistischen israelischen Studentenbewegung Im Tirzu, für die er auf HaOlam Propaganda macht. (Quellen: diefreiheitsliebe.dehaolam.denew.haolam.de) Es entsteht der Eindruck, als ob Aharon seine rechte Gesinnung nie so richtig abgelegt, sondern sich nur auf ein anderes Feindbild konzentriert hat: Die Palästinenser und ihre Sympathisanten.

Die Freunde und Feinde des Avigdor Lieberman

Avigdor Lieberman, ein gebürtiger Russe, ist seit Mai 2016 Verteidigungsminister im Kabinett Benjamin Netanjahu IV. In Israel gilt er als rassistisch, rechtsradikal und faschistisch. Schon kurz nach seiner Einwanderung nach Israel soll er nachts mit Fahrradketten und Stacheldraht auf „Araber-Jagd“ gegangen sein. Israels radikale Rechte behauptet sogar, dass er 1979 für einige Monate Mitglied der später verbotenen rechtsextremistischen Kach-Partei gewesen sei.

Seit 2002 forderte Lieberman die israelische Armee dazu auf, in Gaza »keinen Stein auf dem anderen zu lassen« und auch zivile Ziele wie Geschäfte, Banken und Tankstellen „dem Erdboden gleichzumachen“. 2003 schlug er als Verkehrsminister in der Knesset vor, freigelassene palästinensische Gefangene mit Bussen an einen Ort zu bringen, „von dem aus sie nicht zurückkehren“. Auch soll er vorgeschlagen haben, die Gefangenen im Toten Meer zu ertränken. Tamar Gozansky, ehemalige Abgeordnete in der Knesset, behauptete 2006, dass Lieberman nach seinem Eintritt in die Regierung als Minister für nationale Bedrohungen gefordert habe, den Konflikt mit dem Iran und anderen Staaten der „Achse des Bösen“ zu eskalieren, um unter diesem Deckmantel ethnische Säuberungen in Israel durchführen zu können. Gleich bei seiner Amtsübernahme im November 2006 hatte Lieberman gefordert, Teile des 2005 von Israel geräumten Gazastreifens wieder zu besetzen.

Zu Beginn von Liebermans Amtszeit als Außenminister 2014 erklärte er den Friedensprozess mit den Palästinensern als beendet und schlug damit alle vorangegangenen Verhandlungen über den Nahost-Konflikt in den Wind. Vielmehr forderte er erneut eine Wiedereroberung des Gazastreifens. Im Wahlkampf 2015 äußerte er: „Bei denen, die gegen uns sind, kann man nichts machen, wir müssen eine Axt nehmen und ihnen den Kopf abhacken. Andernfalls überleben wir hier nicht.“

Lieberman tritt als „starker Mann“ auf und fordert die Einführung eines Präsidialsystems anstelle der bestehenden parlamentarischen Demokratie in Israel. Er nennt die israelischen Araber eine „Fünfte Kolonne“ und fordert ihre Deportation („Transfer“). Liebermans Plan sieht vor, zehntausenden israelischen Arabern die Staatsbürgerschaft zu entziehen und sie „mit den Arabern im Westjordanland wieder zu vereinigen.“ Die übrigen israelischen Araber sollen einem Loyalitätstest unterzogen werden, um zu entscheiden, ob sie in Israel bleiben dürfen. Israelische Siedlungen im Westjordanland sollen annektiert werden, kleinere arabisch besiedelte Gebiete in Israel könnten an das Westjordanland abgetreten werden. (Quelle: de.wikipedia.org)

Einer im März 2016 von der Nichtregierungsorganisation Koalition gegen Rassismus veröffentlichten Umfrage zufolge setzt sich mehrheitlich das Gefühl durch, dass Israel heute rassistischer ist als noch vor zwei Jahren. 79 Prozent der Befragten glauben, dass arabische Staatsbürger Opfer der Ressentiments sind, aber dass auch afrikanische Flüchtlinge und Juden mit äthiopischer Herkunft unter Fremdenfeindlichkeit leiden. Die Abgeordnete Aida Touma-Sliman begrüßt den Protest von „kleinen jüdischen Gruppen, die aufwachen und merken, dass das, was mit den Arabern anfängt, weitergeht und auch die Juden mit orientalischen Wurzeln trifft, die äthiopischen und russischen Israelis, weltliche Juden und jeden, der von der rechten politischen Haltung abweicht“. (Quelle: taz.de)

Seit Donald Trumps Amtsübernahme als US-Präsident hat die israelische Regierung den Ausbau jüdischer Siedlungen im Westjordanland massiv verstärkt. Im Januar haben israelische Behörden den Bau von 153 neuen Siedlerwohnungen in Ostjerusalem genehmigt. Wenig später gab die Regierung bekannt, 3.000 neue Wohnungen im Westjordanland zu bauen, um die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt zu stillen. Anfang Februar legalisierte das israelische Parlament nachträglich zahlreiche illegal errichtete Siedlerwohnungen auf palästinensischem Privatland. Mit dem erlassenen Gesetz kann die israelische Regierung nun etwa 4.000 Siedlerwohnungen rückwirkend legalisieren. Die Gebiete kontrolliert Israel seit dem Sechstagekrieg 1967. (Quelle: zeit.de)

Es war „Bibi“, Premier Benjamin Netanjahu, sein Mentor im Likud-Studentenverband, der seinen rechtsradikalen Freund Avigdor Lieberman in die Knesset geholt hat. Netanjahu selbst ist Mal rechts und Mal links. Er treibt keine politischen Prozesse voran, sondern lässt sich von vox populi treiben, egal wohin. Genau wie es ihn einst nicht störte, dass man Rabin einen „Waffen-SS-Offizier“ schalt, schaut er heute nur zu, wenn „faschistische Elemente im Kabinett Wurzeln schlagen“ (Ex-Premier Ehud Barak) oder wie „rassistische und extremistische Elemente Israel übernehmen“ (Ex-Verteidigungsminister Mosche Jaalon). Und wenn Israels stellvertretender Generalstabschef Jair Golan davor warnt, gesellschaftliche Prozesse im Land erinnerten ihn an das Deutschland der 30er-Jahre, verbietet der Premier ihm einfach den Mund. Netanyahu will nur zwei Dinge: politisch überleben, so lange wie möglich, koste es sein Land, was es wolle, und seinen Hass auf Muslime pflegen:

In einer Rede vor den Delegierten des 37. Zionistenkongresses in Jerusalem äußerte er im Oktober 2015 die Ansicht, Adolf Hitler habe ursprünglich nicht die Vernichtung der europäischen Juden geplant, sondern lediglich ihre Vertreibung. Erst auf Drängen des Großmuftis von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, der eine Flucht der Juden nach Palästina befürchtete, sei nach einem Treffen im November 1941 deren Ermordung beschlossen worden. (Quelle: independent.co.uk) Diese Ansicht wird von der Holocaustforschung zurückgewiesen (Quelle: haaretz.com) und ist offenbar Netanyahus Hass auf Muslime geschuldet. Dieser ist in Anbetracht fortwährenden palästinensischen Terrorismus verständlich. Doch diesen hinaus zu posaunen und offenen Rassismus in der Knesset zu dulden, ist eine Gefahr für die Demokratie. Und für Israels Existenz. Denn so setzt Netanjahu Israels wichtigstes strategisches Kapital aufs Spiel – das Bündnis mit den USA. Und auch die Unterstützung Deutschlands. (Quelle: welt.de)

Das Bundeskabinett in Deutschland hat in der letzten Sitzung vor der Wahl einen denkwürdigen Beschluss gefasst. Mit einer erweiterten Definition von Antisemitismus reagierte die Politik auf einen sich international veränderten Antisemitismus. Die Formulierung der Definition lautet: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort und Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Personen und/oder deren Eigentum sowie gegenüber religiösen Einrichtungen.“

Soweit wird den meisten die Definition geläufig oder einleuchtend sein. Die neue Richtlinie geht aber einen Schritt weiter. So heißt es, dass „auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein kann“. Gut so! Doch gerade diese Passage ist umstritten. Wenn Kritik an Israel antisemitisch ist, darf man dann Israel nicht kritisieren? Nein, sagen die Initiatoren, die Internationalen Allianz für das Holocaustgedenken, und die Bundesregierung. Israelische Politik darf kritisiert werden, wenn sie kritisiert wird wie eine Entscheidung in Polen, Amerika oder China. (Quelle: deutschlandfunk.de)

So hat denn die Bundesregierung unter Angela Merkel im Februar das israelische Gesetz verurteilt, das jüdische Siedlungen auf palästinensischem Land rückwirkend legalisiert. (Quelle: deutschlandfunk.de) Im gleichen Monat hat Sigmar Gabriel bei einem Besuch bei den UN in New York kritisiert, „dass der Siedlungsbau die Zweistaatenlösung immer mehr einschränkt“. Der Siedlungsbau auf palästinensischem Territorium sei mit den einschlägigen UN-Resolutionen nicht vereinbar und könne zu einer „neuen Gewaltspirale“ führen. Im April twitterte Gabriel schließlich: „Habe meinen Freund (den Hamas-Chef) Mahmoud Abbas getroffen. Dtl. steht zur Zwei-Staaten-Lösung & unterstützt den Aufbau staatlicher Strukturen in Palästina.“

Die Freunde des Henryk Broder

In Deutschland kann Yizre´el (Izi) Aharon auf AfD-nahe Freunde eines Juden setzen, etwa auf Daniel Fallenstein, ehemaliger stellvertretender Vorsitzender bei Hakadima. Dieser ist über die Jüdische Allgemeine vom Blogger zum Journalisten avanciert und schreibt jetzt u.a. auf Ruhrbarone, nachdem er bis 2013 für die von AfD-Vize Beatrix von Storch gegründete Freie Welt geschrieben hat. Auch hatte er das Magazin blink heraus gegeben – gemeinsam mit Stefan Aaron König. Der „Bitcoin-König“ referierte im Januar gemeinsam mit von Storch und Alice Weidel zum Thema Die AfD & Bitcoin. Wenn nicht-politisches Geld politisch wird. Fallenstein und König gehören genauso wie Vera Lengsfeld, die regelmäßig für Die Achse des Guten schreibt, zur Clicke von Henryk Broder. (Quellen: otlasblog.wordpress.com, lizaswelt.net)

2004 hatte Broder den politischen Blog Achse des Guten gegründet. In den ersten Jahren schrieben Kritiker dem Blog eine liberale bis neokonservative Haltung zu. Aber um 2010 herum mehrten sich negative Kritiken von der Zeit bis hin zur FAZ und aus der Wissenschaft. Auf politikversagen.net kann sich jeder selbst davon überzeugen, dass Broders Blog zu einem islamfeindlichen Hetzblatt mutiert ist.

So polemisierte Broder Ende Juli gegen Journalisten, die seiner Meinung nach nicht brutal genug über den Münchner Amokläufer geurteilt hatten: „Man hat wirklich selten Gelegenheit, solche Gefühlskälte, Mitleidlosigkeit und Brutalität im Gewande der Sachlichkeit am lebenden Objekt studieren zu können. Das durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat unsere Besten hart gemacht.“ Der letzte Satz ist eine Anspielung auf Heinrich Himmlers berüchtigte Posener Rede. Medienjournalist Stefan Niggemeier urteilt auf uebermedien.de: „Er spielt damit, die von ihm verachteten Publizisten in die Nähe von SS-Offizieren zu rücken und ihre behauptete Gefühllosigkeit und Brutalität mit der zu vergleichen, mit der die SS den Massenmord an den Juden beging.“ (Quelle: taz.de)

Henryk Broders Busenfreund ist Hamed Abdel-Samad. In seinem Buch über „Mohamed“, das den Untertitel „eine Abrechnung“ trägt, macht sich der deutsch-ägyptische Publizist den überkommenen Blick der Negativdarstellung des muslimischen Propheten zu eigen und würzt sie mit Sex and Crime. Mit dem Eifer eines Renegaten dichtet er Mohammed einen Vaterkomplex, eine Midlife-Crisis, einen Kontrollzwang, Narzissmus, Größenwahn, Verlustängste und Paranoia an. Seine Krankheiten habe er an die Muslime von heute „vererbt“. Mit dieser rassenbiologischen Küchenpsychologie nähert sich Abdel-Samad stark an die Ideologie der Nationalsozialisten an und stempelt 1,5 Milliarden Muslime zu potenziellen Gewalttätern ab. Er erklärt den IS und Boko Haram zur zwingenden Folge des Korans. Das ist so, als würde man den Ku Klux Klan zur einzigen richtigen Lesart des Christentums erklären. (Quelle: spiegel.de)

Hamed Abdel-Samad gehört neben dem deutsch-türkischen Schriftsteller Akif Pirinçci und dem deutsch-libanesischen Autor Imad Karim zum Dreigestirn muslimischer Renegaten und Kollaborateure der Neuen Rechten. Mit letzterem solidierte sich Abdel-Samad auf Henryk Broders Achse des Guten, nachdem Karim von Facebook aufgrund von Islam-„Kritik“ gesperrt worden war. Genauso stellte er sich auf Facebook hinter Pirinçci, der nach folgendem Artikel auf dem Netzwerk wegen Volksverhetzung angeklagt worden war: „Der Islam ist (…) eine kollektivistische Sex- und Gewaltsekte, die im Allgemeinen geborenen Versagern ein Überlegenheitsgefühl verschaffen (…) soll. (…) Sein Begründer Mohammed war (…) ein Lustmolch, der unter anderem ein sechsjähriges Mädchen geheiratet und es mit 9 Jahren gefickt hat. (…) Kurz, der Islam und die ihm huldigenden (…) Menschen sind Scheiße und gehören eigentlich aus unserer freiheitlichen Welt entfernt.“ (Quelle: contra-magazin.com) 

Dieses Verfahren gegen Akif Pirinçci wurde zwar eingestellt. Später wurde er jedoch wegen Volksverhetzung verurteilt, nachdem er zum Jahrestag der Pegida-Demonstrationen im Oktober 2015 in Dresden als angekündigter „Stargast“ aufgetreten war: „Offenkundig scheint man bei der Macht (des für eine Flüchtlingsunterbringung zuständigen Regierungspräsidenten) die Angst und den Respekt vor dem eigenen Volk so restlos abgelegt zu haben, dass man ihm schulterzuckend die Ausreise empfehlen kann, wenn er gefälligst nicht pariert. Es gäbe natürlich auch andere Alternativen. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.“ Außerdem bezeichnete er in seiner Rede Politiker als „Gauleiter gegen das eigene Volk“, das heutige Deutschland als „Scheißstaat“. Die Grünen nannte er eine „Kinderfickerpartei“ und den Sprecher der Erfurter Moschee einen „Moslemfritzen mit Taliban­ bart“, der mit der deutschen Kultur so viel gemein habe „wie mein Arschloch mit Parfümherstellung“.

Verlage und Buchhändler distanzierten sich daraufhin von Akif Pirinçci: Die Verlagsgruppe Random House stoppte den Vertrieb seiner belletristischen Titel. Selbst die auf eine politisch rechte Leserschaft spezialisierten Verlage Manuscriptum und Kopp beendeten die Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller. Zahlreiche Buchhändler wie Amazon und Thalia nahmen die Titel Pirinçcis aus dem Programm. (Quelle: de.wikipedia.org) Nicht so Henryk Broder, der auf seiner Achse des Guten Pirinçci sogar verteidigte und ihn regelmäßig auf seinem Blog schreiben läßt. Auch die Jugendorganisation der AfD, die Junge Alternative (JA), solidarisierte sich mit Pirinçci. (Quelle: handelsblatt.com)

David Berger, damals Chefredakteur des Schwulen-Magazins Männer, kritisierte einen „Rückfall des deutschen Buchhandels in die Barbarei“ durch Boykott und angekündigte Schredderaktionen. Es werde dem Leser nahezu unmöglich gemacht, sich selbst ein Bild zu machen. Dieses Vorgehen gehe selbst über die von der katholischen Inquisition abgeschaffte Zensur hinaus, deren Entscheidungen nur vom Inhalt des konkreten Buches abhängig gewesen seien. Dies bedeute einen Abschied von jenem Denken, für das Voltaire und die anderen großen Philosophen Europas stünden. Dafür läßt Berger Akif Pirinçci gerne auf seinem Blog Philosophia Perennis zu Wort kommen.

Die Freunde und Feinde des Marvien Hier

Ferner gehört zur Clicke Henryk BroderBenjamin Weinthal, ebenfalls Autor bei Achse des Guten und Europakorrespondent der nationalistischen Jerusalem Post. Kritiker der Politik von Benjamin Netanyahu diffamiert Weinthal gerne als „Antisemiten“. Sein neuster Coup: In der JPost lancierte er einen Artikel, in dem insinuiert wird, dass das Simon-Wiesenthal-Zentrum (SWZ) in Los Angeles möglicherweise den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, auf seine Hitliste der zehn „berüchtigtsten Antisemiten“ setzen wolle. Dieser hatte eine Demonstration zum Al-Quds-Tag in Berlin zugelassen, bei dem die Solidarität Irans mit den Palästinenser gefeiert wird, und die Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS)-Bewegung nicht kritisiert, die sich gegen Israels Besatzungspolitik mit Boykott-Aufrufen gegen Waren aus den illegalen Siedlungen zu Wehr setzt.

Das SWZ hat nur noch wenig mit dem berühmten Namensgeber, dem bekannten und allseits respektierten Simon Wiesenthal, gemein. Ging es Wiesenthal noch um die Verfolgung von Nazi-Verbrechern, geht es der Organisation heute um die Verfolgung von Antisemiten und Kritikern der israelischen Besatzungspolitik. Gründer und Leiter des Zentrums ist der Rabbiner Marvin Hier. Dieser war der erste orthodoxe Rabbiner, der jemals seinen Segen bei der Vereidigung eines US-Präsidenten gegeben hat – bei der von Donald Trump. Die Zweigstelle des Zentrums in Jerusalem wird von dem Siedler Efraim Zuroff geleitet. Dieser ist der Ansicht, dass das Massaker von Srebrenica, welches durch UN-Gerichte als Genozid an den muslimischen Bosniern klassifiziert wurde, kein Genozid gewesen sein soll. (Quelle: derstandard.at)

Der letzte „große“ Coup des SWZ war die Aufnahme von Jakob Augstein, dem Inhaber der Wochenzeitung Freitag und Mitinhaber des Spiegel, in die 2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs. Tatsächlich heißt es im beanstandeten Text: „Israel wird von den islamischen Fundamentalisten in seiner Nachbarschaft bedroht. Aber die Juden haben ihre eigenen Fundamentalisten. Sie heißen nur anders: Ultraorthodoxe oder Haredim. Das ist keine kleine, zu vernachlässigende Splittergruppe. Zehn Prozent der sieben Millionen Israelis zählen dazu. Benjamin Netanjahu hat in seinem Kabinett Mitglieder gleich dreier fundamentalistischer Parteien sitzen. Die gleichen Werte?“ und „Gaza ist ein Ort aus der Endzeit des Menschlichen. 1,7 Millionen Menschen hausen da, zusammengepfercht auf 360 Quadratkilometern. Gaza ist ein Gefängnis. Ein Lager. Israel brütet sich dort seine eigenen Gegner aus.“ (Quelle: spiegel.de)

Bei der Entscheidung hatte sich das Zentrum auf Henryk M. Broder berufen. Broder findet sogar, dass der neunte Platz viel zu weit unten sei: „Er gehört weiter nach oben, auf Platz drei etwa.“ (Quelle: taz.de) Rabbi Abraham Cooper, Vize-Direktor des SWZ in L. A., hatte die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Jakob Augstein bekräftigt. Augstein konterte: Er wisse nicht, welche Erfahrungen Rabbi Cooper mit der Presse hat. Man macht solche Erfahrungen sonst eigentlich nur mit fundamentalistischen oder totalitären Institutionen.“ (Quelle: tagesspiegel.de)

Glücklicherweise sind in Deutschland radikale Zionisten wie Yizre´el (Izi) Aharon in der Minderheit. Dieter Graumnann, 2002 Präsident des Zentralrats der Juden (ZdJ), verurteilte die Israel-Artikel Augsteins als „schauderhaft, scheußlich und schrecklich“. Auch wenn seiner Meinung Augstein „fahrlässig anti-jüdische Ressentiments“ schüre und „bestimmte Klieschees“ bediene, gehöre der „Freitag“-Herausgeber aber nicht in die SWZ-Zusammenstellung, da so „widerliche Naziparteien in unseren europäischen Partnerländern unzulässig verharmlost“ würden.

Sein damaliger Vizepräsident, Salomon Korn, sagte zum „Fall“ Augstein: „Ich hatte nie den Eindruck, dass das, was er geschrieben hat, antisemitisch ist. Und auch jetzt, wenn die Kritik vielleicht überspitzt ist und man sich natürlich fragt, warum immer Israel kritisiert werden muss, warum nicht der Iran, Nordkorea, Russland oder andere despotische Staaten – ich meine, es dürfte wahrscheinlich nicht richtig sein, ihn als Antisemiten zu bezeichnen.“ (Quelle: endstation-rechts.de)

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Beatrix von Storch (Mitte) mit Ihren Mann Sven (links neben ihr) 2010

Die Freunde der Beatrix von Storch

Flankiert wird Yizre´el (Izi) Aharon zudem von weiteren der AfD nahestehenden Akteuren wie den freien Autoren der HaOlam Naftali Neugebauer, dem „Phantasiejuden“ (Quelle: juedische.at), und Vera Lengsfeld, die auch regelmäßig für Die Freie Welt von Beatrix von Storch schreibt. (Quelle: haolam.de) Lengsfeld ist zudem für die Zivile Koalition aktiv, die durch Beatrix von Storch gegründet wurde und von ihrem Mann Sven von Storch vertreten wird. (Quelle: handelsblatt.com)

Beatrix und Sven von Storch herrschen mit zahlreichen Internetseiten, Blogs und Petitionsplattformen über eine Art Darknet der AfD. Auf den Seiten Entscheidung fürs Leben und die Initiative Familienschutz hetzt Beatrix von Storch gegen „familienfeindliche Propaganda“. Weitere Säulen des Netzwerkes sind civil-petition.de und abgeordneten-check.de, beides Seiten, die auf den ersten Blick an etablierte Bürgerbeteiligungsplattformen wie open-petition.de und abgeordnetenwatch.de erinnern. Doch schon die Titel der Begehren lassen wenig Raum für Interpretationen: „RECHTSTAAT NICHT SCHARIA“ oder “FRAU MERKEL TRETEN SIE ZURÜCK!“. Unter der Domain bürgerrecht-direkte-demokratie.de tauchen nahezu diesselben Petitionen auf. (Quelle: handelsblatt.com).

Beatrix von Storchs Kampagnen-Netzwerk „Zivile Koalition“ war auch während einer 2014 von Akif Pirinçci angestoßenen „Hetzkampagne“ gegen die Kasseler Gender- und Sexualforscherin Elisabeth Tuider als „Multiplikator“ aufgetreten. So waren in Die Freie Welt und die Internet-Präsenzen familien-schutz.de und abgeordneten-check.de entsprechende Beiträge gespiegelt und verlinkt worden. In einem entsprechenden Text von Pirincci heißt es: „Noch vor 30 Jahren hätte man so eine Alte in den Knast gesteckt und sie so lange dort behalten, bis sie verrottet wäre.“ Tuider sei eine „dumm schwätzende und ausschließlich ihr abartiges Sexualleben im Auge behaltende irre Lesbe“ und „sexbesessene Zwangsjackenkandidatin“. Auf Pirinccis Facebook-Seite wurde offen und mit eigenem Namen mehrfach zu Mord und Vergewaltigung gegen eine Kollegin Tuiders aufgerufen. Doch nach wie vor ist Pirincci bei AfD-Lesungen ein gern gesehener Gast. (Quelle: handelsblatt.com)

Das Netzwerk der von Storchs saugt laufend politisch sensible Daten hunderttausender User auf, die mit Forderungen der AfD symphatisieren. Das hat inzwischen sogar die Berliner Beauftragte für Datenschutz alarmiert. (Quelle: taz.de) Es gibt zudem Hinweise darauf, dass große Teile der Adressen auch von Nicht-Sympathisanten über den Ankauf bei Datenhändler in die Hände der Zivilen Koalition gelangt sind. Der Aufstieg der AfD, wie auch deren aktuelle Kampagnen, wurden stets durch das Netzwerk der von Storchs angefeuert. (Quelle: bewegung.taz.de) So kann sich auch eine Lüge aus dem AfD-Grundsatzprogramm verbreiten:

„Einer islamischen Glaubenspraxis, die sich gegen die freiheitlich-demokratische
Grundordnung, unsere Gesetze und gegen die jüdisch-christlichen und humanistischen Grundlagen unserer Kultur richtet, tritt die AfD klar entgegen“ (Quelle: afd.de), obwohl es mit Blick auf die jahrhundertelange Unterdrückung der Juden in christlichen Ländern keine „jüdisch-christliche Tradition“ gibt, eher eine christlich-antijüdische. In Die Freie Welt berichtet Beatrix von Storch gerne über judenfeindliche Angriffe in Deutschland – aber nur über die von Muslimen und nicht über die mehr als 95 % der antisemitischen Straf- und Gewalttaten, die laut Bundespolizei seit Jahren von Rechtsextremen verübt werden. (Quelle: zeit.de)

Die ehemalige AfD-Chefin Frauke Petry buhlte sogar im Bundestagswahlkampf um jüdische Wähler damit, ihre Partei sei »einer der wenigen politischen Garanten jüdischen Lebens auch in Zeiten illegaler antisemitischer Migration nach Deutschland«. (Quelle: juedische-allgemeine.de) Doch das jüdische Wählerpotential ist mit rund 200.000 Juden in Deutschland nahezu bedeutungslos. Was zumeist übersehen wird, ist die Tatsache, dass die pro-jüdischen Äußerungen der AfD-Politiker sich gar nicht so sehr an die jüdische Wählerschaft, sondern an die evangelikalen Christen richten, deren Bevölkerungsanteil mit rund 1,7 Millionen ein Vielfaches der jüdischen Deutschen beträgt (Quelle: welt.de). Den Juden kommt in diesem Spiel nur die Rolle der nützlichen Idioten zu.

Meine Freunde und Feinde

Längst haben auch Rechtsradikale in Deutschland Muslime als ihren Hauptfeind ausgemacht und nach dem Motto, der Feind meines Feindes ist mein Freund, den Schulterschluss mit rechtsradikalen Juden und Homosexuellen gesucht. Immerhin vertreten 12,6 % der deutschen Wähler die verfassungswidrigen Positionen der AfD zum Islam. Unterstützung bekommen sie von der rechtsgerichteten Jüdische Rundschau. Die reichweitenstärkeren (relativ) liberalen jüdischen Medien haGalil und Jüdische Allgemeine sowie der Zentralrat der Juden sind jedoch entsetzt über den Rassismus und Erfolg der AfD. (Quelle: hagalil.comjuedische-allgemeine.dewelt.de)

Michel Friedmann, ehemaliger Zentralratsvizepräsident, engagiert sich seit langem u. a. mit Friedmann schaut hin ganz besonders für die Überwindung des aktuellen Rassismus gegenüber Muslime in Deutschland. Aus meiner Sicht hat er längst die Integrationsmedaille der deutschen Bundesregierung verdient, die seit 2010 an Einzelpersonen verliehen wird, die sich durch herausragendes persönliches Engagement in besonderer Weise um die Integration verdient gemacht haben.

Auch der Großteil der homosexuellen Szene distanziert sich: Alice Weidel und David Berger wurden von Anhänger der Aktivisten-Truppe „Enough is Enough“ (EiE) in einer Online-Abstimmung zu den diesjährigen Miss und Mister Homophobia gewählt. EiE-Mitgründer Marco Schenk begründet die Wahl: „Den allermeisten von uns ist bewusst, dass man eine Diskussion über Homo- und Transphobie nicht führen kann, ohne gleichzeitig über andere Formen von Diskriminierung zu reden. Egal ob sie sich gegen Frauen, Migranten, Behinderte, Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans* oder andere marginalisierte Gruppen richtet, es ist und bleibt immer gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit!“ Die Wahl von Berger und Weidel beweise „einmal mehr, dass die deutsche LGBT*-Community diese übergreifende Solidarität einfordert und als wichtigen Bestandteil ihres gedanklichen Grundgerüsts begreift“. (Quelle: queer.de)

Zudem jammert David Berger heute auf seinem Blog darüber, dass seit etwa einem halben Jahr vor allem juristisch gegen Philosophia Perennis vorgegangen und der Blog so finanziell in die Knie gezwungen werde. Statt sich zukünftig einfach an die Gesetze in Bezug auf Volksverhetzung zu halten, bettelt er nun um Spenden. (Quelle: philosophia-perennis.com) Akif Pirinçci wurde gestern von Twitter komplett gesperrt. (Quelle: meedia.de) Jürgen Fritz ist aktuell zum wiederholten Male für 30 Tage auf Facebook gesperrt. (Quelle: juergenfritz.com) Das neue Netzwerkdurchsetzungsgesetz greift – zumindest zum großen Teil: Hamed Abdel-Samad wurde heute Vormittag auf Twitter gesperrt, jedoch am Nachmittag nach Interventionen wie z. B. durch Die Welt wieder freigeschaltet. (Quelle: welt.de) Dennoch: Auch Heiko Maas hat die Integrationsmedaille verdient.

9 Kommentare zu „Der Feind meines Feindes ist mein Freund – über Neue Rechte, rechte Zionisten und Homosexuelle

  1. Liebe Frau Trolese,
    vielen Dank für diese wieder einmal substanzielle Grundlagenarbeit. Mein Treiben bleibt ja sehr an der Oberfläche und David Berger hat sich dieser lästigen Zecke längst entledigt. Er ist eigentlich fast schon ein tragischer Fall, aber es ist mir auch selten ein Mensch untergekommen, der bigotter ist im Denken und Handeln. Mitleid muss man gewiss nicht haben, wenn er demnächst womöglich endlich belangt wird für seine unflätigen Hassbotschaften. Oder zumindest seinen Blog zusperrt. Mit Jürgen Fritz verhält es sich ähnlich, der scheint allmählich auch schon „Amok“ zu laufen. Er schaut genau drauf, was ihm Klicks und User bringt und hängt sein Fähnchen sofort in den entsprechenden Luftzug. Dieser Eifer könnte ihm zum Verhängnis werden.

    Echt besorgniserregend finde ich, was Sie aus dem Storch-Imperium berichten. Das sollte ich mir tatsächlich einmal näher anschauen. Bleiben wir also dran: wenn es nur nicht so viel Zeit fressen würde. Ich habe manchmal den Eindruck, das Hauptanliegen dieser rechten Schwätzer ist es, uns springen zu lassen und uns unsere Zeit zu rauben. Igel zu spielen, während wir als Hase rennen, um ihre dämlichen Sprüche, ihre Hetze und Lügen wieder einzufangen. Bis uns die Luft ausgeht.

    Vielleicht sollten wir einmal dran denken, unsere eigene Taktik zu ändern? Wie bringt man Igel ins Schwitzen?

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    1. Lieber lynx, herzlichen Dank für Ihr Kompliment. Und klasse, wie Sie auf extrem intelligente Weise Jürgen Fritz entgegen treten. Ich selbst kann leider seine unsäglichen Beiträge nicht kommentieren: Auf Facebook hat er mich längst geblockt, und meine Kommentare auf seinem Blog läßt er nie zu. So bleibt mir nur, Ihre Kommentare zu liken. Da ich selbst nichts mehr gegen Fritz ausrichten kann, habe ich ihn vor wenigen Wochen wegen Volksverhetzung über meinen Anwalt angezeigt. Ich hoffe, es wird ihm genauso ergehen wie David Berger.

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      1. Vielen Dank für diese wertvolle Info! Ich kann nur hoffen, dass Ihre Klage erfolgreich ist. Vielleicht können Sie mich, sofern das für Sie in Frage kommt, hierüber gelegentlich auf dem Laufenden halten (per mail). In der Regel lässt er meine Kommentare durch, ich habe den Eindruck, er benutzt mich bislang eher als nützlichen Idioten, der ihm Klickzahlen bringt. Immer wieder schwanke ich, ob ich dieses Spiel noch länger mitmache. Andererseits: immer wieder tauchen dann einzelne Mitstreiter auf, das ist schön. Wir müssen einfach gegenhalten! Ich hoffe, ich finde für den Umgang mit diesen Typen noch den Königsweg…

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  2. Oh, den Artikel habe ich verpasst. Vielen Dank.

    Henryk M. Broder ist ein schlimmer Hetzer. Einer der schlimmsten, wie ich finde. Und zudem einer der Widerspruch generell als Antisemitismus deklariert. Mit diesem Mann ist nicht zu diskutieren und ich würde es begrüßen, wenn das auch nicht mehr öffentlich (zum Beipiel im Fernsehen) geschähe. Schande über den (ohnehin schon schändlichen) Springer-Verlag, der diesem geifernden Widerling eine Plattform mit halbseriösem Anstrich bietet.

    Meine Meinung zu Trixi ist Dir ja bekannt.

    Gefällt 1 Person

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