Gemeinsam mit der University of California, Berkeley hat die Bürgerrechtsorganisation Council on American-Islamic Relations (CAIR) versucht, den Status Quo der Islamfeindlichkeit in den USA zu skizzieren. Eines der Hauptergebnisse des Berichts Confronting Fear: Organisationen aus allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen arbeiten gemeinsam in einem riesigen und Millionen Dollar schweren Netzwerk daran mit, Hass auf die muslimische Minderheit des Landes zu schüren.

Die 74 Organisationen dieses „US Islamohobia Network“ reichten von Think Tanks bekannter neokonservativer Islamfeinde wie dem Center for Security Politicy, dem Middle East Forum oder David Horowitz Freedom Center bis hin zu feministischen, christlichen und scheinbar unpolitischen Organisationen. Zusammen hätten ihnen in den Jahren 2008 bis 2013 rund 200 Millionen Dollar zur Verfügung gestanden, um „Angst und Hass“ gegenüber Muslimen zu verbreiten, so die Studie. (Quelle: heise.de)

Auch in Deutschland boomt die Islamophobia-Industrie. Heute möchte ich „Miss und Mister Islamophobia“ küren: Seyran Ateş und Hamed Abdel-Samad. Im folgenden meine Begründung.

„Miss Islamophobia“: Seyran Ateş

Die Gründung ihrer liberalen Moschee in Berlin wurde von großer medialer Aufmerksamkeit und viel öffentlicher Sympathie begleitet. Erst recht, als bekannt wurde, dass es Drohungen gegen sie gegeben haben soll. Doch jetzt droht Seyran Ateş Ungemach aus Österreich. Denn dort steht einer ihrer Mitstreiter, der smarte Ex-Grüne Efgani Dönmez, im Verdacht, ausgerechnet von Saudi-Arabien sehr viel Geld für seinen von Ateş unterstützten Verein Stop Extremism erhalten zu haben. Ateş ist das deutsche Gesicht des Vereins.

Die Kampagne hat das ambitionierte Ziel, innerhalb eines Jahres in mindestens sieben EU-Ländern über eine Million Unterschriften zu sammeln, um eine neue EU-Richtlinie zu erzwingen, „die Schlupflöcher bei der Bekämpfung von Extremismus schließen soll“. Auf diese Weise soll die EU-Kommission dazu gebracht werden, drakonische Maßnahmen gegen mutmaßliche Extremisten, deren finanzielle Förderer sowie ihre Sympathisanten zu er­greifen. U. a. fordern sie, alle Individuen, Organisationen und Institutionen, die sich auch nur nicht ausreichend von extremistischen Gedanken, Organisationen und Individuen distanziert haben, auf eine „Warnliste“ zu setzen. Gegen sie sollen Strafen von bis zu 20 Millionen Euro verhängt werden. Und durch die Umkehr der Beweislast soll es „Opfern von Extremismus“ erleichtert werden, ihre Forderungen gegen mutmaßliche ­Extremisten vor Gericht durchzusetzen.

Nicht nur der Extremismusbegriff ist dabei schwammig – Stop Extremism wendet sich hauptsächlich gegen Islamisten, ob gewalttätig oder nicht. 39 Seiten beträgt der Gesetzentwurf, den Dönmez & Co. dazu vorgelegt haben. „Es lohnt sich, den Text zu lesen, um zu begreifen, wie unter dem Slogan ,wehrhafte Demokratie‘ die Demokratie aus den Angeln gehoben werden soll“, resümiert der liberale Journalist Alan Posener die Pläne in der Welt. Der Kampf gegen den Extremismus werde „missbraucht, um ein Maulkorbgesetz zu begründen, das mit den Werten Europas unvereinbar ist“. Dahinter stehe „nicht weniger als der Plan, einen europäischen McCarthyismus zu begründen“, urteilt Posener hart.

Der Direktor für Europäische Studien am Forschungsinstitut SETA und Dozent an der Türkisch-Deutschen Universität Istanbul, Enes Bayrakli, sieht die Sache ähnlich. Zu RT DEUTSCH sagte er – zugegeben ein russisches Propaganda-Medium, was aber Bayraklis Aussage nicht per se falsch macht:

„Der Fall von Seyran Ates ist ein interessantes Beispiel dafür, wie die Industrie der Islamfeindlichkeit in Europa funktioniert, während man den Kampf gegen den Extremismus politischen Zielen vorschiebt. Gleiches gilt natürlich für den österreichischen Politiker Efgani Dönmez, der laut Zeitungsberichten aus Saudi-Arabien finanziert wird, wo Seyran Ates Teil des größeren Bildes ist.“ (Quelle: deutsch.rt.com)

Österreichischen Zeitungen wie die Presse oder der Standard berichten nun über dubiose Finanzströme, die Stop Extremism in einem trüben Licht erscheinen lassen. Den Blättern liegen Verträge, E-Mails und interne Chat-Protokolle vor, die Initiator Dönmez in Erklärungsnot bringen. Der taz liegen Auszüge aus den Chatprotokollen vor. Seinen Auftrag fasst Dönmez dort an einer Stelle mit den Worten zusammen: „Türkei = Bad, Katar = Bad, Saudis = Good“. Auf den ersten Blick klingt es absurd, Dönmez oder Ateş eine Nähe zu Saudi-Arabien nachzusagen, denn durch besondere Sympathien für das Königreich sind beide bisher nicht aufgefallen, ganz im Gegenteil. Doch aus saudischer Sicht könnte es trotzdem Sinn machen, auf die beiden zu setzen und ihre Kampagne zu finanzieren – nach der Logik „der Feind meines Feindes ist mein Freund“:

Tatsache ist, dass Saudi-Arabien das Emirat Katar seit dem Arabischen Frühling als Feind betrachtet, den es mit aller Macht zu bekämpfen gilt. Es wirft dem kleinen Nachbarn vor, über den Sender al-Dschasira die Muslimbrüder in Ägypten unterstützt zu haben. Außerdem stört es die Saudis, dass Katar gute Beziehungen zum Iran pflegt, seinem Gegenspieler in der Region. Auffällig ist, dass auf der Webseite von Stop Extremism allein die Türkei und Katar namentlich als „die größten finanziellen Förderer extremistischer Organisationen“ genannt werden. Zu Saudi-Arabien oder den salafistischen Strömungen, die das Königreich unterstützt, findet sich dagegen kein Wort.

Dönmez weist alle Vorwürfe empört zurück. Doch seine Finanzquellen bleiben undurchsichtig. Er selbst hatte als Budget seiner Kampagne 20.000 Euro angegeben, die zur Hälfte von ihm selbst und zur Hälfte von Ateş stammen sollen. Verträge mit PR-Beratern legen aber nahe, dass wesentlich größere Summen im Spiel gewesen sein sollen. So plante der Verein wöchentliche Treffen in unterschiedlichen europäischen Städten, und ein PR-Berater sollte 180.000 Euro für seine Arbeit für den Verein erhalten. Dieser geriet im Laufe des österreichischen Wahlkampfs jedoch wegen seiner mutmaßlichen Mitwirkung an diversen Schmutzkampagnen ins Zwielicht.

„Für die Islamophobie-Industrie in Europa wird sehr viel Geld ausgegeben. Sie dient eindeutig einer politischen Agenda“, sagte Enes Bayrakli zu RT DEUTSCH und fügte hinzu:

„Zwei Seiten profitieren von solchen Entwicklungen, darunter die Rechten oder Akteure wie Sebastian Kurz, die sich islamfeindlicher Rhetorik bedienen, um an Zustimmung zu gewinnen, und eben Golfstaaten wie Saudi-Arabien, die ihr Image aufpolieren wollen. Die Muslime auf den Straßen von Deutschland und Österreich, die dämonisiert werden, ziehen dabei den Kürzeren und werden zum Subjekt politischer Interessen.“ (Quelle: deutsch.rt.com)

Bereits 2009 hatten bei den Grünen organisierte Muslime Seyran Ates scharf angegriffen: Ates sei offenbar „das Schicksal von Migrantinnen ziemlich egal“, schrieben 20 Grünen-Politiker in einem offenen Brief. Ates sei „frauen- und integrationspolitisch auf einem Irrweg“. Der Brief war eine Reaktion auf einen Kommentar von Ates auf Welt Online, in dem sie erklärte, warum sie die Grünen nicht mehr wählt: Bei den Grünen begegnet man den meisten Kopftuchträgerinnen und VerteidigerInnen des Kopftuchs, den meisten Kulturrelativisten und Multikulturalisten.“

„Das Schreiben von Frau Ates ist reiner Populismus“, sagte Bülent Arslan, Vorsitzender des Deutsch-Türkischen Forums in der CDU. „Mit solchen Aussagen bedient sie die vorherrschenden Ängste gegenüber Muslimen in der Gesellschaft.“ Autoren wie Ates verdienten ihr Geld in der „Islamophobie-Industrie“, sagte Arslan. Sie versuchen immer wieder, damit Aufmerksamkeit zu erregen. Auch aus der SPD kam Kritik: „Die Grünen haben sehr viel in Sachen Integrationspolitik und Frauenrechte geleistet“, so Lale Akgün, damals Islambeauftragte der SPD im Bundestag. „Leider werden immer wieder genau die als Multikulti-Träumer abgekanzelt, die am meisten für Einwanderer tun“. (Quelle: tagesspiegel.de)

Noch vor wenigen Monaten war Mimoun Azizi an der Seite von Seyran Ates Gründungsmitglied der Ibn Rushd-Goethe Moschee. Er gilt als einer der profiliertesten Muslime Deutschlands. Azizi, in Hagen geborener Deutscher mit marokkanischen Wurzeln, Politikwissenschaftler, Humanmediziner und Psychiater, hat sich einen Namen dadurch gemacht, dass er bundesweit engagiert als Kritiker des orthodoxen Islam auftritt. Nachdem Azizi drei Tage vor der Eröffnung der Moschee seine Teilnahme abgesagt hatte, veröffentlichte er am 17. Juni, einen Tag nach der Eröffnungsfeier, auf Facebook eine „Erklärung“ und gab seinen Freunden und Anhängern damit Rätsel auf:

„Aus persönlichen Gründen möchte ich mich aus dem politischen Diskurs zurückziehen. Ich möchte mich weder für die Liberalen noch für die Konservativen engagieren. Ich werde das Projekt Ibn Rushd-Goethe Mosche mit sofortiger Wirkung für mich beenden. Ab diesem Moment bin ich nur für meine Familie da. Ich bitte sie das zu respektieren. Die Entwicklungen sind nicht in meinem Sinne und sind mit meinen Vorstellungen nicht vereinbar.

Hochachtungsvoll

Mimoun Azizi“ (Quelle: facebook.com)

Am Sonntag konkretisierte Azizi auf Facebook:

„Warum ich die Ibn-Rusch-Goethe Moschee verlassen musste

Die Bewegung des liberalen Islam in Deutschland ist keine Bewegung, die sich der Aufklärung widmet, den interreligiösen Dialogs fördert, um einen besseren Umgangs miteinander kämpft. Sie ist eine politische Bewegung, die ganz andere Ziele verfolgt. Die Ibn-Rushd-Goethe Moschee ist eine politische Zentrale, Frau Ates ist die Vorsitzende und gleichzeitig die Propaganda-Ministerin. In dieser Institution geht es um die türkische Politik. Die wahren Hintermänner, die diese Institution kontrollieren, sind keine Demokraten. Sie verfolgen das Ziel- die parlamentarische Demokratie mit anderen Mittel auszuhebeln.

Eine Reformierung des Islam ist nicht möglich, da hat Abdel-Samad ausnahmsweise Recht. Herr Ourghi ist kein Insider, er ist ein Mitläufer, der die inneren Strukturen dieser Institution nicht kennt. Er agiert sehr unglücklich und unüberlegt. Dabei wird er bewusst manipuliert.Der Drang nach Anerkennung und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit machen ihn blind für die wahren Absichten dieser Institution. Seine positive Bewertung der algerischen Militärdiktatur verdeutlicht eine gewisse Ambivalenz und einen unerträglichen Opportunismus.

Mein Rücktritt war nach langem Kampf und der Erkenntnis, dass Polen in diesem Falle wirklich verloren ist, nur konsequent.

Als deutscher Staatsbürger wollte ich hier etwas bewegen und Strukturen schaffen, die eine Alternative anbieten, aber in Würde. Ich hatte und habe nicht vor- von Deutschland aus die türkische Politik zu bekämpfen. Die Trennung zwischen Religion und Politik war und ist mein oberstes Prinzip. Ich wollte keine Institution gründen, die sich politisch missbrauchen lässt und dabei den Begriff des Liberalismus als Mittel zum Zweck verwendet.

Man muss sich fragen lassen- wer spendet für diese Moschee? Was will Frau Ates, die sich mit der Theologie überhaupt nicht auskennt, wirklich?

Ich gebe Ihnen diese Zeilen zum Nachdenken.

Mimoun Azizi“ (Quelle: facebook.com)

Seyran Ateş scheint das alles wenig zu stören – genauso wenig wie weitere bekannte deutsche Gesichter aus der „islamkritischen“ Szene wie Necla Kelek, Ahmad Mansour und die deutsch-jesidische Journalistin Düzen Tekkal, die mit persönlichen Video-Testimonials auf der Webseite von Stop Extremism den Verein unterstützen. „Go, Effi, Go“, spornte Ateş noch einen Tag vor der Wahl in Österreich ihren Mitstreiter auf Facebook an und postete eines seiner Wahlkampfvideos. Darin fordert Dönmez „null Toleranz“ gegenüber Frauen, die ihr Gesicht hinter einem Schleier verbergen, und rief zur Wahl der ÖVP auf. Das landesweite „Burka-Verbot“, das jüngst in Österreich in Kraft trat, preist er als vorbildlich an. Wenn die ÖVP demnächst mit der rechtspopulistischen FPÖ in Wien die Regierung stellt, wird Dönmez womöglich bald noch mehr von seinen politischen Vorstellungen verwirklichen können. (Quelle: taz.de)

„Mister Islamophobia“: Hamed Abdel-Samad

Er erinnert sich gut, wie es war, als er als 23-Jähriger in Frankfurt erstmals Deutschland betrat: „Ich roch Blütenpollen, Alkohol und Schweiß, stark aufgetragene, seelenlose Parfüms. Ich stand vor dem Beamten und bildete mir ein, dass er zögerte, den Eintrittsstempel in meinen Pass zu drücken. Ich las in seinen Augen: Aha, noch ein Kamelflüsterer, der von unserem Wohlstand profitieren will.“ Das war 1995 und plötzlich bestand das Leben des Ägypters Hamed Abdel-Samad aus lauter Möglichkeiten.

Kurze Zeit später heiratete er eine 18 Jahre ältere „rebellische linke Lehrerin mit Hang zur Mystik“. Nicht aus Liebe, „sie hatte die Lohnsteuerklasse drei und ich den deutschen Pass vor Augen“. Er begann mit einem Politikstudium in Augsburg, und etwas hielt Einzug in seinen Alltag, das er anfangs unterschätzte: die Orientierungslosigkeit. „War ich mit mir unzufrieden, hielt ich die Deutschen für schreckliche Rassisten. In guten Zeiten waren sie harmlose Friedenstauben.“ Er war nicht vorbereitet auf die Freiheit, „allein der Anblick von Schweinefleisch in der Mensa machte mich wütend. Manchmal habe ich junge Muslime vor Alkohol und Unzucht gewarnt und machte beides selber noch am selben Tag.“

Für seinen Zwiespalt hatte er gute Gründe: seine eigene Lebensgeschichte. Hamed Abdel-Samad, 1972 als drittes von fünf Kindern nahe Gizeh geboren, Sohn eines sunnitischen Imams, wurde als Vierjähriger von einem 15-Jährigen vergewaltigt, „vor Angst gelähmt rezitierte ich damals aus dem Koran“. Mit elf wurde er wieder missbraucht, diesmal von fünf Jugendlichen auf einem Friedhof. Da gebe es noch eine Szene aus seiner Kindheit, an die müsse er immer wieder denken: Seine Mutter kniete vor dem Vater, schützte nur ihr Gesicht und ließ sich von ihm mit Füßen und Händen schlagen. Sie unterdrückte ihre Schreie, um nicht zu provozieren; nachdem er genug hatte, stand sie wortlos auf. Hamed Abdel-Samad war fromm und bildungshungrig, ein „überzeugter Antisemit“, dann der Aufbruch nach Deutschland, Ausbruch, Zusammenbruch.

Der Ägypter hat ein weiches Gesicht. Es gibt darin keine Kanten, keine Ecken. Dieses Gesicht lässt ihn sanft wirken, sein Händedruck ist so leicht, als hätte er gar keine Knochen. Hamed Abdel-Samad spricht in einem ruhigen, präzisen Ton, mit langen Pausen zwischen den Sätzen, die das Gesagte nachklingen lassen und ein bisschen bedeutender machen. Er will objektiv wirken bei seiner subjektiven Schilderung und wirkt dabei wie eine Mischung aus großem Jungen, Jetsetter und Hochbegabtem. Erst wenn er aufsteht, sieht man, was das Leben mit ihm angerichtet hat: Seine Körperhaltung ist geduckt.

In Deutschland begann Hamed Abdel-Samad ein anderes Ich zu suchen. An der neuen Freiheit ist er gründlich gescheitert. Der Mann lebte zerrissen zwischen bedingungslosem Lebenswillen und Resignation, zwischen der Liebe für seine Heimaterde und schäumender Wut auf jene, die diese mit Verderben tränken. In Kairo war er für kurze Zeit Mitglied der Marxisten, später der Muslimbrüder, einer in Ägypten verbotenen Vereinigung von Fundamentalisten, deren Lehren die Islamisten in der ganzen Welt inspirieren. Warum er da mitmischte? „Das Motto „Islam huwall“, der Islam ist die Lösung, gab mir eine klare Orientierung. Und Parolen wie ,Der Islam braucht Männer, die niemanden außer Allah fürchten‘, vermittelten mir das Gefühl, erwachsen geworden zu sein.“ In Augsburg schloss er sich religiösen muslimischen Studenten aus England an, „und ohne es zu merken, wurde ich zum Missionar. Aber damals hätte ich mich jeder Gruppe angeschlossen, ob sie Zeugen Jehovas oder Scientologen gewesen wären. Ich brauchte eine Gemeinschaft, um Entwurzelung, Enttäuschung und Ratlosigkeit zu verdrängen.“ Aber die Ablenkung und Zeit haben gar nichts geheilt. Im Gegenteil, sie wurden zu seinen Feinden.

Was auf den Ägypter niederging, war nicht nur der Zorn auf sich selbst, Hamed Abdel-Samad muss bezahlen für ein von Vergewaltigern zerstörtes Leben, seine Leidensfähigkeit war nun endgültig erschöpft. Er litt an Amnesie, Bandscheibenvorfall und Magenblutungen, hörte Stimmen und hatte Halluzinationen, trug „unerträgliche Schmerzen im Herzen“ und musste schließlich in die Psychiatrie. Hier biss er in ein Wasserglas, verschluckte die Scherben und wollte sich mit einem Telefonkabel erhängen. Irgendwann habe er verstanden, wenn er sich nicht bald von der Schleppe seiner Vorurteile befreie, von simplen Schwarzweißmalereien, könne er seine Zukunft vergessen. Gesund werden im Rausch der Religion mit Nähe zu radikalen Gruppen, das funktionierte nicht. „Manchmal wünschte ich mir, mein Gehirn aus der Nase herausziehen zu können, wie es die alten Ägypter beim Mumifizierungsritual taten, um es danach aus dem Fenster werfen und endgültig von den quälenden Gedanken befreit zu sein.“

In der Psychiatrie schrieb Abdel-Samad sein erstes Buch Mein Abschied vom Himmel: Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland. Michael Lüders, einer der renommiertesten Islamwissenschaftler in Europa, urteilt über das 2015 erschienene Buch:

«Hamed Abdel-Samads Buch über den islamischen Faschismus, das im Untertitel verspricht „eine Analyse“ zu sein, ist leider genau das nicht. Der gebürtige Ägypter Abdel-Samad will keineswegs analysieren, vielmehr legt er eine Kampfschrift vor. Seine Botschaft lautet: Der Islam ist eine totalitäre Ideologie, die auf Gewalt basiert, nach Weltherrschaft strebt und in der Demokratie ihren Todfeind sieht. Islamischer Faschismus, wie er glaubt. […]

Die These vom „Islamofaschismus“ ist nicht neu. Nach dem 11. September 2001 wurde sie im Umfeld amerikanischer Neokonservativer schnell populär. Sie war griffig, eingängig und half, der westlichen Öffentlichkeit die Kriege in Afghanistan und im Irak als Kampf zwischen Gut und Böse zu verkaufen, zwischen Freiheit und Demokratie einerseits und islamischem Totalitarismus andererseits, in Gestalt etwa der Taliban oder von Al-Qaida. Der Begriff „Islamo­faschismus“ ist gewissermaßen die ultimative Fortführung einer anderen ideologischen Wortschöpfung, nämlich des „Kampfes der Kulturen„, in Umlauf gebracht in den 1990er Jahren von den US-Wissen­schaftlern Samuel Huntington und Bernard Lewis. Wer vom „Islamo­faschismus“ oder dem „Kampf der Kulturen“ schwadroniert, verlagert unterschiedliche geopolitische wie macht­politische Interessen oder Gegebenheiten auf die Ebene eines kulturell-religiösen Überbaus. Wer etwa die Taliban als „Islamo­faschisten“ brandmarkt, hat elegant die Tatsache ausgeklammert, dass die Vorläufer der Taliban und Osama bin Laden jahrelang von den USA bewaffnet und finanziert worden sind […]

Diesen Weg der Geschichts­klitterung geht auch Hamed Abdel-Samad. Soziale oder gesellschaftliche Zusammenhänge interessieren ihn ebenso wenig wie 1400 Jahre islamische Geschichte, Theologie oder Geistesleben. […] Der politische Islam, der Abdel-Samad umtreibt, ist keine 100 Jahre alt. Er ist entstanden als Reaktion auf Fremdherrschaft, den Kolonialismus, und als Antwort auf die soziale Verelendung weiter Teile der Bevölkerung. Der politische Islam stellt keine einheitliche Bewegung dar, er hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt und deckt ein weites Spektrum ab, das heute vom türkischen Minister­präsidenten Erdogan bis zu Al-Qaida reicht. Eine wie auch immer geartete Differenzierung vorzunehmen ist Abdel-Samads Sache gleichwohl nicht. Für ihn ist der politische Islam insgesamt schlicht und ergreifend Faschismus und der Islam anders als politisch nicht zu denken. Daraus folgt: Islam gleich politischer Islam gleich Faschismus. Das allein ist methodologischer Unsinn gepaart mit Demagogie. Und bei aller berechtigten Kritik an dem autoritären Gebaren Erdogans: der Mann ist weder ein Faschist noch ein Bruder im Geiste von Osama bin Laden.

Noch hanebüchener wird es, sobald der Autor diesen „islamischen Faschismus“ rückwirkend auf die Geschichte des Islam insgesamt projiziert, ungeachtet seiner regionalen Unterschiede, der theologischen, kulturellen und sonstigen Ausprägungen. Der politische Islam, der gerade einmal 100 Jahre alt ist, soll Rückschlüsse erlauben auf 1400 Jahre Vergangenheit? Wäre es seriös, etwa den Werdegang der Germanen bis ins heutige Deutschland hinein zu beschreiben, indem die Jahre 1933 bis 1945 als alleiniger Maßstab der Beurteilung gelten? Einmal Nazi, immer Nazi, rückwirkend bis zur Varusschlacht? Das genau ist die Methode von Abdel-Samad, nicht mehr und nicht weniger. […]

[…] Wie seine Schwestern im Geiste, Necla Kelek und Seyran Ateş, dient er sich als Kronzeuge der Anklage an: Ich bin Muslim, und ich kann nur bestätigen, was ihr, liebe Deutsche, mehrheitlich sowieso denkt: Islam und Demokratie, das geht einfach nicht zusammen. Diese Haltung wird hierzulande gerne missverstanden als „mutiger Tabu­bruch“ oder „Aufklärung“. […]» (Quelle: islam.de)

Nach seiner Entlassung ging Abdel-Samad nach Japan, „meine nächste Flucht“, und lernte dort seine große Liebe und jetzige Ehefrau kennen: Connie, eine langhaarige Schönheit, deren Mutter Japanerin und der Vater Däne ist. Abdel-Samad beendete sein Studium, arbeitete bei der Unesco in Genf. Später forschte der frühere Antisemit am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität in München und schrieb an seiner Dissertation zu dem dem „Bild der Juden in ägyptischen Schulbüchern“. (Quelle: taz.de) Die Dissertation hat Abdel-Samad nicht abgeschlossen. Seit 2010 ist er als Autor und Referent tätig. Hamed Abdel-Samad lebt inzwischen unter der Fatwa, kann nur mit Polizeischutz in die Öffentlichkeit gehen. Sein Weltbild ist letztlich genauso simpel wie das von Fundamentalisten, die er eigentlich kritisiert. Dieses verbreitet er nahezu täglich im Netz, im TV und als Referent in der analogen Welt. (Quellen: youtube.comfacebook.com)

Damit verdient Hamed Abdel-Samad in der Islamophobia-Industrie eine Menge Geld – auf Kosten von Muslimen. Den Titel „Mister Islamophobia“ hat er mehr als verdient.

Nachtrag am 9. November 2017: Die Geister, die Hamed Abdel-Samad rief (Quelle: facebook.com):

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Nachtrag: Am Abend des 9. November schrieb Mimoun Azizi auf Facebook:

„Warum ich die Ibn-Rusch-Goethe Moschee verlassen musste Part 2

Warum verlässt jemand wie Akram Naasan, der ein überzeugter Liberaler ist und ein Humanist, die Ibn Ruschd-Goethe Moschee?(Herr Akram Naasan hat sich entschieden, aus der Gesellschaft auszutreten. Wir sind dabei die entsprechenden Formalien zu erledigen. Wir wünschen ihm für seine Zukunft alles Gute- auf der Homepage zu lesen)

Hat er womöglich Frau Ates aufgefordert die Finanzen offen zu legen?
Wurde er deswegen womöglich angegangen?

Des Weiteren steht eine weitere Person, die ebenfalls Gesellschafter ist, kurz davor diese Institution zu verlassen.

Warum verlässt Akram diese Institution und demnächst eine weitere Person?“ (Quelle: facebook.com)

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11 Kommentare zu „Islamophobia-Industrie: Seyran Ateş und Hamed Abdel-Samad zu „Miss & Mister Islamophobia“ gekürt

  1. Meine Güte, Deine Produktivität der letzten Tage macht mir Angst… 😉

    Mein Gegenvorschlag für Mister Islamophobia ist im übrigen Dieter Nuhr.

    Ich finde es höchstgradig unsäglich, wie der, finanziert von unseren Steuern und Gebühren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hetzen darf. Und zwar auf eine extrem perfide und zugleich weinerliche Art.

    Nun kann man sagen, Satire, ja, darf ja alles. Und vielleicht stimmt es, vielleicht stimmt es nicht.

    Wenn Satire allerdings lediglich die als Angstverstärker von Stammtischparolisierten wirkt, ist sie an der Stelle in meinen Augen falsch aufgehoben. Zumindest wenn sie so einseitig gestaltet ist, dass man sich fragt, ob hier nicht vielleicht doch nur die stumpfesten aller Vorurteile bedient werden sollen. Wenn zum Beispiel Dinge über den Koran zum besten gegeben werden wie „Man könnte den Eindruck haben, er ist nicht von einem Gott, sondern von einem Mann geschrieben worden“, muss ich vor dem Lachen erst mal fragen, wann er denn zuletzt eine Bibel in der Hand hatte.

    Das gebührenfinanzierte Gleichsetzen von einer Religion mit ihren fundamentalistischen Ausprägungen finde ich einfach widerwärtig und unwürdig.

    Und endgültig durch ist Herr Nuhr bei mir, als er einen Imam verklagte, der ihn als Hassprediger bezeichnete. Selbstverständlich hat er verloren und danach Springers seriös verkleidetes Hetzblatt namens Welt die Seiten nassgeheult.

    Eine erbärmliche Gestalt.

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    1. Eigentlich war Nuhr bisher einer meiner Lieblingssatiriker. Aber bei mir hat er mit seinen Schüssen gegen den Islam auch verloren. Schade drum. Es gibt so wenige gute Satiriker, der er zweifellos immer noch ist.

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      1. Ich habe ihn früher als Comedian wahrgenommen und fand ihn okay, wenn auch nicht übermäßig witzig. Seit er die politische Ebene stärker bedient mag ich ihn deutlich weniger, weil ich nicht den Eindruck habe, dass er auf dem Gebiet sonderlich kompetent ist.

        Der Gipfel für mich war allerdings tatsächlich, als er Klage führte, weil er sich beleidigt fühlte. Das ist so erbärmlich, das ist eigentlich schon eine Beleidigung für das Wort erbärmlich… Genau das Niveau, dass Frau Weidel an den Tag legte, als sie die politische Korrektheit auf geschichtlichen Müllhaufen entsorgen wollte und sofort hysterisch zu kreischen (und Unterlassungserklärungen zu fordern) begann, als der Ehring sie flugs damit konfrontierte, was das bedeuten könnte…

        Im übrigen, ich mag Wiglaf Droste. Das ist so ein böser, kleiner, aber auch kluger und sprachgewaltiger Mann.

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  2. „Wer sonst gar nichts hat, der hat doch ein Vaterland. Patriotismus ist die Religion der ganz armen Schweine.“
    ―Wiglaf Droste

    Wollte ich noch nachliefern, wo das Thema von unseren gemeinsamen „Freunden“ immer so schön gespielt wird.

    Gefällt 2 Personen

  3. Richard Lederer kommentiert auf Facebook: „irgendwann einmal wird es vielleicht fluchtwellen aus china oder anderen traditionell buddhistischen ländern geben. nachdem viele buddhistischen flüchtlinge nach deutschland kommen, werden dann auch plötzlich viele „buddhismuskritiker“ bestseller-autoren aus dem boden spriessen und erklären warum der buddhimus an allem schuld ist. sie werden das repressive regime in china mit dem buddhismus erklären, betonen dass das hakenkreuz buddhisitschen ursprung hat, heinrich himmler das buddhistische tibet geliebt hat, und dann den budhimus als todfeind der demokratie und geburt des nationalsozialismus hinstellen.

    ja ich weiss, sowas klingt aus heutiger sicht lächerlich. aber genauso lächerlich ist auch abdel samad – er passt nur besser in den heutigen zeitgeist.“

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  4. Was soll das sein, Islamophobie? Können Sie es sich nicht vorstellen, dass Menschen mit Religion nichts anfangen können? Blöd, wenn man diese Selbstverständlichkeit nicht aussprechen darf, wenn man aus dem islamischen Kulturkreis kommt. Dann ist man als Murtad tot oder geächtet. Fragen Sie doch mal den Marokkaner Kacem El Ghazzali!
    Sie haben nicht mehr alle Tassen im Schrank, wenn sie die Opfer einer rückständigen unaufgeklärten Religion zu Tätern erklären. Schämen Sie sich nicht?

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    1. Ich bin selbst Atheistin. Dennoch respektiere ich Menschen anderen Glaubens. Islamkritik ist in demokratischen Staaten selbstverständlich gestattet, aber keine Volksverhetzung, die strafbar ist. Hamed Abdel-Samad ist ein solcher Hetzer, der von Demokratie leider nichts verstanden hat, obwohl er seit vielen Jahren auch finanziell von unserer Demokratie profitiert. Er ist nicht besser als Kämpfer des Islamischen Staates, die den Koran wörtlich nehmen, obwohl seit dessen Entstehung Muslime diesen je nach Zeit und Raum kritisch-historisch interpretieren. Abdel-Samad ist ein radikaler Fundamentalist wie die Anhänger des IS.

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      1. „Hamed Abdel-Samad ist ein solcher Hetzer, der von Demokratie leider nichts verstanden hat, obwohl er seit vielen Jahren auch finanziell von unserer Demokratie profitiert.“

        Belege?

        Ich kenne alle seine Bücher, finde nirgends diese Vorwürfe bestätigt. Gleichzeitig muss er mit Personenschützer herum laufen. Was sagt uns das über den Zustand dieses Glaubens in Europa aus? Kennen wir das nicht sonst von Anti-Mafia-Aktivisten?

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