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v. l. n. r.: David Berger, Alice Weidel, Jürgen Fritz, Karoline Seibt, Beatrix von Storch und Ines Laufer

Leute, die Fake News verbreiten sind vom Rest der digitalen Welt abgekoppelt und folgen sich fast ausschließlich untereinander. Bei der Analyse ihrer Tweets wird ersichtlich, dass sie ein konzentriertes, geschlossenes Weltbild unterhalten, in dem es fast nur um die Gefahr des Islam, Flüchtlinge und deren Kriminalität geht. Fake News sind nicht, wie oft angenommen, die Produkte von Manipulatoren, die die öffentliche Meinung in eine bestimmte Richtung lenken wollen. Die Nachfrage macht hier das Angebot, nicht andersrum. Fake News sind der identitätsstiftende Treibstoff, der als Abgrenzungsmarkierung nach außen und als soziales Schmiermittel nach innen wirkt. (Quelle: deutschlandfunkkultur.de) Eine entsprechende Posse aus den letzten Tagen:

„Ich will eine Stimme auf facebook bleiben und nicht komplett gelöscht werden“

„Warum die „Flüchtlinge“ eine der gefährlichsten und kriminellsten Menschengruppen weltweit sind…“ lautet die Überschrift eines Beitrages von der bekannten Bloggerin Ines Laufer am 8. Dezember auf  fisch+fleisch. Eine kleine bei dieser Überschrift erwartbare Kostprobe:

„So waren sie „Flüchtlinge“ z.B. im Jahr 2016 über 1000% krimineller beim Delikt Mord, jeweils 1400% krimineller bei Gewaltkriminalität und sexuellen Nötigungen/Vergewaltigungen sowie über 4000% krimineller bei Gruppenvergewaltigungen.“

Der Beitrag von Ines Laufer wurde, wen wundert´s, von Rechtsextremen u. a. auf Facebook und eigenen Blogs vielfach geteilt. Darunter weitere in der Szene bekannte Blogger und bekennende AfD-Wähler wie David Berger, Karoline Seibt und Jürgen Fritz. Laufer, Berger und Seibt wurden daraufhin wie zahlreiche andere, die den Beitrag geteilt hatten, von Facebook für 30 Tage gesperrt. Mal wieder. Der gemeinsame Aufschrei in der bestens vernetzten Szene ist groß. Am lautetesten schreien die Genannten – auf ihrem eigenen Blog und denen der anderen. Berger, der im globalen Ranking mit seinem Blog Philosophia Perennis noch vor dem rechten Online-Magazin Cicero liegt (Quelle: juergenfritz.com), jammert am 10.12.:

„Bestrafe einen, erziehe viele – diese Devise totalitärer Regime leitet letztlich auch die ganzen, von dem Maas-Gesetz mehr oder weniger gedeckten Zensurmaßnahmen durch Facebook. Diesmal waren es gleich mindestens drei sehr aktive Facebooker, die mit einer 30-Tage-Sperre bestraft wurden – dafür, dass sie einen Artikel von Ines Laufer auf Facebook geteilt hatten.

Und die Rechnung der Zensoren ging auf. Reihenweise löschen nun Facebook-User den Artikel auf ihrem Profil. Meistens still und heimlich. Einer allerdings hat – das muss man ihm auf jeden Fall zugute halten, unabhängig davon, wie man zu diesem Schritt nun steht – die Löschung auch begründet.

Der Fotograf Markus Hibbeler, der auf Facebook eine große Fangemeinde hat, hat den Link zu dem Laufer-Artikel gelöscht und schreibt dazu:

„Ich habe den Beitrag von Ines Laufer von Freitag, der eine sehr gute Analyse über die Migrationskrise enthielt, gelöscht, obwohl er allein von meinem Profi aus 500-mal gelikt und über 300-mal geteilt wurde. Ich habe diesen Schritt, der mir nicht leicht fiel, getan, um mich und alle, die den Beitrag ebenfalls geteilt haben, zu schützen. Leute, die den Beitrag geteilt haben, werden gerade reihenweise gesperrt. Auch Ines ist dafür erneut für 30 Tage gesperrt worden. Dabei enthielt der Beitrag nachprüfbare Fakten, war sauber recherchiert und das Fazit überdies voll von der Meinungsfreiheit gedeckt.“

Hibbeler fragt sich dann: „War es nicht feige, den Beitag zu löschen?“ Und antwortet:

„Klares Nein! Ich will eine Stimme auf facebook bleiben und nicht komplett gelöscht werden. Außerdem bin ich auf meinen Account gerade in der momentanen arbeitsreichen Zeit auch beruflich angewiesen und kann mir gerade eine Sperre nicht erlauben. Zudem dient die Maßnahme nicht nur meinem Schutz, sondern auch dem Schutz meiner Follower vor Sperrungen. Wer Ines Beitrag lesen möchte kann ihn direkt bei Fischundfleisch nachlesen. Ich kann es jedem nur empfehlen!“

Ich bin der letzte, der sich hier ein Urteil über das Verhalten von Hibbeler erlaubt. Und wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich wohl eingestehen, dass auch ich – wenn ich noch die Wahl gehabt hätte – so wie Hibbeler reagiert hätte. Mit anschließender tiefer Scham und der Verzweiflung, unentrinnbar in ein System involviert zu sein, das einen in den Suizid seiner Freiheitsrechte treibt…“ (Quelle: philosophia-perennis.com)

Ein Tag später sollen sogar – hey, Verfassungsschützer aufgepaßt – Taten folgen: David Berger setzt eine „Neue Idee: Was wir gegen die einseitige Zensur bei Facebook tun können“ von Collin McMahon in die Filterblase der Leser seines Blogs:

„Facebook hat über 2 Milliarden Nutzer pro Monat, über 25 Millionen in Deutschland. Selbst wenn 200.000 oder 2 Millionen von uns Facebook boykottieren würden, würden sie es letztendlich verschmerzen. Und wir würden unsere Stimme verlieren.

Was wir aber tun können, ist sie dort treffen, wo es ihnen wehtut: Beim Geld. Bei Facebook heißt das, beim Werbekunden. Bei Facebook springt uns ständig Werbung entgegen.

Wenn Sie eine große Firma darunter erkennen, nehmen Sie sich fünf Minuten, googeln Sie die Marketing-Abteilung dieser Firma, rufen Sie sie an oder schreiben ihnen und erklären Sie ihnen höflich und sachlich, dass Sie nur Produkte von Firmen kaufen, die für Meinungsfreiheit stehen.

Zu den größten Werbetreibenden in Deutschland gehören Procter & Gamble (Ariel etc.), Ferrero, L’Oréal, Volkswagen, Lidl, Metro Group, Telekom, Sky, Beiersdorf (Nivea etc.) und Unilever.“

Ein kritischer Kommentator, der sich ansonsten wohl wohlwollend zur Hetze auf Bergers Blog äußert – sonst wäre seine Kritik nicht zugelassen worden -, schreibt hierzu: „Oh ja das wird was. Trocknen wir sie finanziell aus. FB und die großen Werbekunden zittern bereits vor Angst. Zockerbörger hat heute den Krisenstab einberufen. VW rechnet mit Massenentlassungen, Lidl stellt tausende Hotline-Mitarbeiter ein. Leute!..tzzzz…gehts noch ein wenig verzweifelter?“

„Wir befinden uns längst im Krieg und Facebook ist die entscheidende Schlacht“

Ja, die Verzweifelung ist groß. „Wir befinden uns längst im Krieg und Facebook ist die entscheidende Schlacht“ trommelt am 10. Dezember Jürgen Fritz in entsprechender Rhethorik auf seinem Blog, der im globalen Ranking mittlerweile sogar das Debattenmagazin The European überholt hat (Quelle: juergenfritz.com). Gerade hat Fritz seine fünfte, eine 30-Tage-Sperre bei Facebook „abgesessen“. Auch Fritz geht in die Offensive und hat hierzu den AfD-nahen Anwalt Dr. Christian Stahl eine 13-seitige Klageschrift gegen das soziale Netzwerk beim Landgericht Hamburg einreichen lassen:

„Die umfangreiche Klageschrift enthält mehrere Punkte, die wir einklagen werden:

  1. die Feststellung der Rechtswidrigkeit meiner vierten Sperrung über 30 Tage (meine anschließende fünfte Sperrung werden wir im Rahmen einer Klageerweiterung mit aufnehmen, evtl. auch noch die ersten drei kürzeren Sperrungen über ein, drei und sieben Tage);
  2. die Wiederfreischaltung der gelöschten Beiträge, insbesondere die Verlinkung zu meinen Artikeln Weshalb sind gerade Muslime immer wieder zu solch unfassbar grausamen Taten fähig? und Warum ich den Islam ablehne); ansonsten ein Ordnungsgeld von je bis zu 250.000 EUR, ersatzweise Ordnungshaft zu vollziehen an den Vorständen;
  3. Verurteilung von Facebook, Auskunft zu erteilen, a) ob die Sperre durch eigene
    Mitarbeiter oder ein beauftragtes Unternehmen erfolgte, und b) in letzterem Fall, durch welches; ansonsten ein Ordnungsgeld von je bis zu 250.000 EUR, ersatzweise Ordnungshaft zu vollziehen an den Vorständen;
  4. Verurteilung zur Auskunfterteilung, ob Facebook Weisungen, Hinweise,
    Ratschläge oder sonst irgendwelche Vorschläge von der Bundesregierung oder nachgeordneten Dienststellen hinsichtlich der Löschung von Beiträgen und/oder der Sperrung von Nutzern erhalten hat, und ggf. welche;
  5. Verurteilung an mich Schadensersatz zu zahlen in Höhe von 50 EUR für jeden Tag der rechtswidrigen Sperrung.“

Eine Verlinkung zu den beiden Beiträgen von Jürgen Fritz, die er von Facebook wieder freigeschaltet verlangt, unterlasse ich hier, da ich mich nicht schuldig am Straftatbestand der Volksverhetzung machen möchte. Diese und weitere Beiträge von Fritz habe ich über einen Anwalt der Staatsanwalt Hamburg mit einer entsprechenden Strafanzeige übergeben. Es würde mich nicht wundern, wenn die Staatsanwaltschaft nach seiner Klageschrift endlich Ermittlungen gegen Fritz aufnehmen würde. Das wäre ein wünschenswertes Eigentor!

Ein Kommentator, der möglicherweise aus Alibi-Gründen einige Zeit auf Fritz Blog kommentieren durfte, meint zur Anzeige von Fritz, bevor er dann doch endgültig blockiert wird: „Na ja, es ist nun mal die Aufgabe des besorgten Bürgers hinter alles und jeden eine Verschwörung zu sehen. Und wenn der werte Herr Fritz den Prozess gegen Facebook verlieren wird, dann nur weil der Richter eine linksgrün versiffte Einstellung hat. Dennoch wird JF als Gewinner aus dieser Nr hervorgehen, da man ihn jetzt schon als heldenhaften Patrioten celebriert. Dieser Prozess wird zu eine Art D-Day zur Rettung Europas hochgepusht, da es ja überhaupt gar keine Alternative zu Facebook gibt. Alles steht und fällt mit Fb. Und seien wir doch mal ehrlich, diese Gelabere von wegen Facebook darf nicht zensieren, weil es ein Unternehmen ist und die anderen schon, weil Privatperson ist doch an den Haaren herbeigezogen. Facebook möchte Sie nun mal nicht, wenn Sie sich nicht an deren Regeln halten und das ist auch gut so.“

Karoline Seibt, selbst Juristin, sagte zu ihren letzten Facebook-Sperren auf EPOCH TIMES:

„Einige haben gefragt, ob ich gegen die Sperren juristisch vorgehen werde. Dazu möchte ich kurz Stellung nehmen:

Facebook hat seine Unabhängigkeit verloren und ist zu einem staatlichen Überwachungskonzern mutiert.

Dank dem neuen Meinungsfreiheitsbekämpfungsgesetz, genannt Netzwerkdurchsetzungsgesetz, werden Versuche, sich juristisch zur Wehr zu setzen, zunehmend aussichtslos. Auf das Bundesverfassungsgericht vertraue ich nicht. Dieses ist politisch besetzt und hat sich bereits bezüglich der m.E. illegalen Grenzöffnung als nutzloses Schwert erwiesen.“

Aber Jürgen Fritz läßt sich in seinem Kampf um Facebook nicht beirren, auch wenn dieses in der neurechten Szene längst als „Systemmedium“ gilt. Sein Account beim sozialen Netzwerk für älteres Publikum, wize.life, war komplett gelöscht worden, bevor er Facebook für seine Menschen verachtende Hetze entdeckte. Immerhin lacht man auf wize.life bis heute immer Mal wieder über Fritz, zuletzt über seine Spendenbitte: „Man stelle sich nur mal vor, man hat aufgrund des Aufrufes „Hat Ihnen der Beitrag gefallen“ eine Spende überwiesen und setzt die von den Steuern ab. Und der Finanzbeamte sendet dies zur Staatsanwaltschaft mit der bitte um Überprüfung, ob eine psychologische Beihilfe für Hetze vorliegen könnte…
Das wärs…

Die breite braune Masse erreicht man nur über Facebook

Nach seinen zahlreichen Sperren und aus Angst, endgültig auch von Facebook gesperrt zu werden, probiert Jürgen Fritz wie sein Mentor David Berger das russische Netzwerk VKontaktje aus, auf das Deutsche Hetzer, Reichsbürger, Rechtsextreme, Antisemiten und Holocaust-Leugner ungestraft flüchten, seitdem Facebook diese Dank Heiko Maas immer weniger zu Wort kommen läßt. Auch der Sprecher der AfD, Jörg Meuthen, hat sich dort -mittlerweile zum Chef-Hetzer seiner Partei auf Facebook mutiert – einen Platz reserviert. Dort gibt es Gruppen klangvollen Namens wie „NSDAP“, in denen „Adolf Hitler“ und „Rudolf Hess“ die einschlägigen Symbole feiern. Auf VKontaktje erfreut sich auch Ines Laufers Artikel großer Beliebtheit bei Fritz und Bergers Freunden.

Hierzu gehören beispielsweise „Erwin Bosshard“, „Joerg Peters“, „Robert Leone“, „Jürgen Podzkiwitz“, „Dt Michel“, „Birgit Sieg“, der Kopp Verlag, „Ingo Neitzke“, der gerne Mal antisemitische Videos postet, der wegen Volksverhetzung verurteilte Schriftsteller Akif Pirincci und der für die Bundestagswahl 2017 auf Platz 22 der Landesliste Bayern gewählten AfD-Politiker und -Ober-Blogger Johannes Normann, der die AfD im braunen Netz „viral“ gemacht hat. Diese sind wiederum befreundet mit „Frank Kislan“, der sich mit einem eindeutig antisemitischen Bild präsentiert. Und/ oder mit  „Andy Eidgenoss“ mit Hakenkreuz-Profilbild. Der hat am 21. November gepostet: „Tod allen musels und juden!“ Am 4. September hat er zu einem Video gehetzt, das zeigt, wie ein Autofahrer einen Schwarzen umfährt: „Richtig so! Hoffentlich ist der scheiss nigger tot!“. Eine direkte Freundin von Fritz ist „Eva Braun“, die unter Hakenkreuzen mit Photos ihre Namensgeberin und Adolf Hitler feiert.

David Berger ist hingegen direkt mit „Vadim Shults“ befreundet, der für seine Präsentation auf VKontaktje Hitlers Konterfei gewählt hat und den rechtsterroristischen, islamfeindlichen Massenmörder Anders Breivik feiert, der im Juli 2011 in Norwegen 77 Menschen, überwiegend aus der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet, ermordete. Bergers Freund „Andreas Der-Böse“ postet gerne Videos mit Titeln wie „Die Wahrheit kommt ans Tageslicht: Hitler wollte immer Frieden!“ Sein Freund „Heinz Panzer“ diskutiert gerne in der Gruppe „5. SS-Panzer-Division „Wiking“ und feiert mit den Berger-Freunden „Volker Spielmann“, „Erwin Fuchs„, „Gertrud Fuchs“„Carl Clausewitz“ und „Heinrich V. Töpfer“ am 12. Dezember den Geburtstag von „Feldmarschall Gerd von Rundstedt“. Dieser wurde nach dem Krieg nur wegen seines schlechten Gesundheitszustands und seines hohen Alters nicht für Kriegsverbrechen, unter anderem Massenmord in den besetzten sowjetischen Gebieten, verurteilt. Der mit Berger befreundete „Reichsversand Catalogue, der einzige deutsche Versand mit dem bösen Kreuz“ wartet mit Nazi-Postern mit Überschriften wie „Liebe Deine Rasse“ auf und bezeichnet Hitler als „Der Chef“. Logisch, dass sich in diesem Freundeskreis auch zahlreiche als Gruppe vom Verfassungsschutz beobachtete rechtsextreme „Identitäre“ tummeln, die unschwer am gelben Lamdba-Symbol zu erkennen sind.

Im realen Leben gibt sich David Berger weniger braun und eher blau: Er ist befreundet mit der Co-AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Alice Weidel, und mit der AfD-Vizesprecherin Beatrix von Storch. Beide setzen sich immer wieder für ihn ein, wenn er bei Facebook Mal wieder gesperrt wird – zuletzt offenbar mit einer großzügigen Spende von Frau von Storch aus ihren Bundestag-Diäten. (Quelle: philosophia-perennis.com)

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David Berger und Alice Weidel

Auf solche Freunde kann sich auch Jürgen Fritz verlassen. Wenn er Mal wieder von Facebook gesperrt wurde, posten diese auf Fritz Bitte hin eben auf dem „System-Medium“ seine Hetze, die er für „Meinung“ und „Wahrheit“ hält. Dafür lassen sie sich sogar zeitweise sperren, sofern sie dort nicht schon komplett abgeschaltet oder freiwillig abgewandert sind. Fritz selbst möchte dieses Schicksal nicht teilen, denn der „Informationskrieg“ findet seiner Meinung nach auf Facebook statt. Tatsächlich ist auch der Verfassungsschutz der Meinung, die breite braune Masse erreiche man nur über Facebook. Laut Markus Schäfert, Sprecher des bayerischen Verfassungsschutzes unternimmt VKontaktje nichts gegen Nazipropaganda: „Bei VK.com stellen wir fest, dass dort so gut wie nichts unternommen wird. Ja, auf VK können die sehr offen sowohl mit rechtsextremistischen Symbolen hantieren, auch mit Hakenkreuz, auch mit SS-Runen. Symbole, die in Deutschland strafbar sind. Sie kommunizieren dort auf eine Art und Weise, die so auf Facebook kaum mehr möglich ist. Aber sie kommunizieren eben szene-intern.“ (Quelle: deutschlandfunk.de) Das kann ich bestätigen, aber unser Verfassungsschutz offenbar auch nicht.

In seiner Verzweifelung richtet Jürgen Fritz sich am 11. Dezember sogar an Mark Zuckerberg persönlich:

„Sehr geehrter Herr Zuckerberg oder darf ich lieber Mark sagen? Lieber Mark also, eine ganz kurze Frage nur – ich will dich nicht lange aufhalten: Steht in den „Facebook-Gemeinschaftsstandards“ irgendwo, dass man Fakten, die der deutschen Regierung nicht genehm sind, auf Facebook nicht einstellen darf? (…)

Wie verträgt sich das Löschen von Faktendarstellungen oder von Äußerungen seiner Meinung im Rahmen der Gesetze eigentlich mit den Grund- und Menschenrechten, insbesondere dem Art. 5 Grundgesetz und Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte? (…)

Dir einen schönen Abend und liebe Grüße rüber über den Teich!

Dein Jürgen Fritz“ (Quelle: juergenfritz.com)

„Dir einen schönen Abend und liebe Grüße rüber über den Teich!
Dein Jürgen Fritz“
            , schreibt hierzu ein Kommentator auf wize.life, der offenbar nicht ahnt, wie sehr sich Fritz seit seinem Rauswurf aus diesem Netzwerk vor rund zwei Jahren radikalisiert hat.

Nachdem den Lesern meines Beitrages und mir nach meinem Ausflug auf VKontakte das Lachen im Halse stecken geblieben ist, muss aber einer noch gehen, um die Posse zu vollenden: Schließlich läßt Fritz am gleichen Tag auch noch eine „Stellungnahme der GAM zur wahrheitsfeindlichen Zensur von Facebook“ über seinen Blog verbreiten, vom Wahrheitsministerium der Neuen Rechten, der Gesellschaft für wissenschaftliche Aufklärung und Menschenrechte – ein angeblicher Verein, der ohne ordentliches Impressum als ernsthafte „wissenschaftliche“ Stimme gelten will mit dem Risiko, eine Abmahnung zu kassieren, wenn ein geschäftstüchtiger Jurist darauf aufmerksam wird:

„In einem lesenswerten und faktenbasierten Beitrag, der wissenschaftlichen Argumentationsstandards entspricht, hat die Autorin Ines Laufer die Ursachen des Tatbestandes beleuchtet, dass junge, männliche, muslimische „Flüchtlinge“ signifikant gewalttätiger und krimineller sind als einheimische und nichtmuslimische Vergleichsgruppen.“

„Gut für uns“ = „Wahr“

Der Bericht des Bundeskriminalamtes zur „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“, auf den sich Ines Laufer bezieht, weist tatsächlich Zahlen auf, die sich durch einfaches Rechnen zur Festellung verarbeiten lassen, Flüchtlinge seien im Jahr 2016 über 1000% krimineller, bei Gruppenvergewaltigungen sogar über 4000% krimineller gewesen als Nicht-Flüchtlinge in Deutschland (Quelle BKA: „PKS 2016 – IMK-Bericht (PDF, 2 MG)“ zum downloaden):

Die 75 Morde der Flüchtlinge und 298 Morde der Nicht-Flüchtlinge hat Ines Laufer sauber zu den Größen der betreffenden Populationen in Beziehung gesetzt. Daraus läßt sich mathematisch folgern, dass Flüchtlinge 12,68 Mal häufiger einen Mord begingen oder versuchten als Nicht-Flüchtlinge. „Über 1000 % häufiger“ klingt natürlich dramatischer. So weit, so halbgar, denn die Autorin hat es offenbar ihrer neurechten Agenda folgend bewußt unterlassen, seriöserweise auch innerhalb der Populationen zu differenzieren: Bei den aktuellen Flüchtlingen handelt es sich überwiegend um junge, arme und wenig gebildete Männer – eine Gruppe, die in allen Populationen weltweit die mit Abstand höchste Kriminalitätsrate aufweist. Besonders verfälschend ist die Vernachlässigung dieses Umstandes bei der Rate der „Gruppenvergewaltigungen“.

Hat Ines Laufer ohne diese Berücksichtigung noch halbwahr gefolgert, dass „Flüchtlinge“ häufiger kriminell werden als Nicht-Flüchtlinge, wird es bei der Aussage des „wissenschaftlichen“ Wahrheitsministeriums GAM, „junge, männliche, muslimische Flüchtlinge“ seien krimineller als „einheimische, nicht-muslimische Vergleichsgruppen“, richtig unwahr: Vergleicht man die Gruppen in Bezug auf die relevanten sozioökonomischen Variablen miteinander, dann sind „junge, männliche, arme, wenig gebildete, muslimische Flüchtlinge“ gerade NICHT (deutlich) krimineller als die einheimische Vergleichsgruppe.

Nicht genug damit: Ausgehend von dem falsch dargestellten Ergebnis präsentiert die Autorin auch noch die Gründe dafür. Logisch, dass darunter bei ihr wie bei allen bestätigungshungrigen rechten Fake-News-Verteilern auch der „Islam“ fällt. Aber auch der Umstand, dass die Flüchtlinge vorwiegend jung, männlich, arm und ungebildet seien (sic!). Aha, erst läßt sie diese Fakten ausser acht, um ein falsches Ergebnis zu generieren, und dann holt sie sie hervor, um dieses zu erklären. Statistisch gesprochen wird aus einer abhängigen eine unabhängige Variable, aus einem Ergebnis eine Begründung. Ja, ein wahrlich „wissenschaftlicher Argumentationsstandard“!

Ein Kommentator auf Fritz Blog formuliert dieses manipulative Vorgehen aus einer anderen Perspektive: „Das Problem der „famosen Autorin“ Ines Laufer ist, dass sie über Migranten scheibt, als würde sie z.B. über Wildschweine schreiben. Die Wildschweine profitieren von der Klimaerwärmung, breiten sich immer weiter aus, demolieren landwirtschaftliche Flächen, dringen in die Städte vor, immer gewaltbereit und auf der Suche nach Versorgungssicherheit. Außerdem hat sich ihre Reproduktionsrate enorm erhöht, mit häufig zwei Trächtigkeiten im Jahr plus Fertilität der Jungsauen binnen Jahresfrist. — Frau Laufer setzt in ihrem Schreibduktus Migranten mit Tieren gleich, einer animalischen Masse. Es gibt bei ihr nichts Relativierendes, nichts, was einzelmenschlichen Schicksalen irgendwie einen Funken Bedeutung zumisst. Damit verstößt ihre Haltung bereits gegen Art. 1 des GG – damit hat FB doch jedes Recht, sie und ihre Gesinnungsgenossen zu sperren. Vielleicht findet sich ja ein mutiger Migrant und ein findiger Rechtsanwalt, der noch mehr daraus machen kann.
Einzelheiten zur Auseinandersetzung mit ihren Zahlen spare ich mir, da kann man einiges dazu in den Kommentaren ihres Blogs nachlesen. Die mögen teils relevant sein. Das Problem ist wie gesagt ihr Grundton.“

Immerhin: fisch+fleisch hat den Beitrag von Ines Laufer mittlerweile offline genommen (Quelle: fischundfleisch.com). Karoline Seibt sagt dieses Mal gar nichts, und auch bei David Berger ist es ruhig geworden. Auch Alice Weidel und Beatrix von Storch haben sich noch nicht gerührt. Nur Jürgen Fritz irrlichtert noch immer in seiner rechtsextremen Filterblase:

„Wir haben es mit einem Konglomerat übermächtiger Gegner zu tun, von denen jeder einzelne für sich schon gefährlich wäre, die zusammen aber eine massive Bedrohung darstellen, da sie sich verbündet haben gegen die europäischen Völker, gegen deren Selbstbestimmungsrecht, gegen die Demokratie, gegen die Freiheit, gegen die Wahrheitsliebe, gegen die Vernunft.

Wie können diese mächtigen Feinde der Freiheit gestoppt werden? Nur über Bildung, über mündige, freiheitsliebende Bürger, die die Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe in ihren Seelen tragen.“ (Quelle: juergenfritz.com)

Offenbar meint Fritz mit „Bildung“ die von Laufer und dem „wissenschaftlichen“ Wahrheitsministerium GAM: „Gut für AfD-Anhänger, „Identitäre“ und Neonazis“ = „Wahr“.

17 Kommentare zu „„Gut für uns“ = „Wahr“: Eine Posse über Ines Laufer, Karoline Seibt, Jürgen Fritz und David Berger

  1. Liebe Patrizia (darf ich so sagen?): wieder einmal vielen Dank für diese umfangreiche und vertiefende „Drecksarbeit“. Ja, wenn das alles nicht so brandstifterisch wäre, wäre es wirklich nur eine Posse. Und vielleicht muss man es auch leichter nehmen, in der Hoffnung, dass die Irren unter sich bleiben.
    JF hat mich ja jetzt auch vergleichsweise höflich gebeten, die Klappe zu halten (ausgesperrt hat er mich noch nicht) – und ich werde das tun, wenigstens vorübergehend. Denn irgendwie ist man ja auch der Hofnarr, der nützliche Idion, der solchen Veranstaltungen nur noch mehr Aufmerksamkeit bringt. Es ist eine Gratwanderung.
    Aber wenn JF so weiter macht, dann stolpert er ja vielleicht wirklich noch über seine eigene Großartigkeit. Sein heutige Beitrag über die hyperintelligenten AfD-Abgeordneten ist eigentlich nur noch als lächerlich zu bezeichnen – wo gleichzeitig die Immunität von zweien davon aufgehoben wurde. Hybris und Kaspertheater zugleich. Und eigentlich sind es ja einfach nur Junkies auf FB-Droge.

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    1. Selbstverständlich dürfen Sie „Liebe Patrizia“ sagen.

      Ich selbst bin Ihnen dankbar, dass Sie so unermüdlich gegen Fritz „anschreiben“. Früher habe ich das ebenfalls getan, immer sachlich und mit Fakten, bis er mich wie viele andere Rechte gebloggt hat. Ich diskutiere generell mit Andersmeinenden eigentlich viel lieber als mit Gleichmeinenden, da mir ansonsten schnell langweilig wird. Ausserdem schult das die eigene Argumentation.

      Mit diesen Rechten zu diskutieren macht aber nach meiner Erfahrung zumindest im Netz, wenn sie sich in ihrer Gruppe befinden, kaum Sinn: Sie stecken tatsächlich Dank digitaler sog. alternativer Medien in einer Filterblase, lesen jede Straftat von Migranten, die von Einheimischen werden von diesen Medien entweder gar nicht veröffentlich oder schaffen es in den sozialen Medien Dank Data Mining gar nicht in die persönliche Timeline.

      Auch ich hatte gedacht, dass durch die sozialen Medien die Demokratie und das Zusammenrücken zwischen den Nationen stärker wird. Weit gefehlt. Aber ich hoffe, dass sich die negativen Nebenwirkungen ein Mechanismus entwickeln wird, der aber leider noch nicht absehbar ist.

      Habe gerade Fritz neuestes Machwerk gelesen: Wirklich absolut lächerlich. Meine Posse war ich tatsächlich leicht nehmend angegangen, bis ich auf VKontakte geriet. Das ist wirklich nicht mehr komisch, aber ich hatte keine andere Idee, wie ich beides in einem Artikel einarbeiten könnte. Daher habe ich die Entwicklung von einer Posse hin zum Gefährlichen und wieder am Ende zurück, um die Eingangsthese zu beantworten, so gelassen.

      Mich juckt es ob Fritz letzten Beitrag schon wieder in den Fingern, die Redner der AfD im Bundestag auseinander zu nehmen. Aber was soll´s, wenn meine Überlegungen Fritz gar nicht erreichen?

      Wenn Sie sich wieder mit ihm auseinander setzen möchten, kann ich Ihnen meine Überlegungen ja Mal zuspielen, so daß Sie sie einbringen können. 🙂

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      1. Vielen Dank für das Angebot auf das ich vielleicht gelegentlich zurückkomme. Andererseits will ich mich nicht mehr zu sehr gefangennehmen lassen von diesem Mist. Es ist alles Lebenszeit. Und diese Leute bräuchten vielleicht eine professionelle Suchtberatung.
        Vielleicht sollte FB die Freischaltung von gesperrten Accounts künftig mit dem Nachweis einer erfolgreich absolvierten Suchttherapie verknüpfen?

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      2. 🙂 🙂 🙂 Ich bin selbst ja ebenfalls süchtig. Allerdings lese ich im Netz täglich Medien von rechts bis links: Von Fritz und Bergers Blog über Welt, FAZ, Zeit, Süddeutsche, Spiegel bis hin zur taz und Endstation rechts.

        Auch wenn ich eher links bin, liebe ich es, mich mit unterschiedlichen Meinungen auseinander zu setzen. Leider machen es sich viele Leute sehr einfach, indem sie sich komplett in ihrer einseitigen Informationsblase zurücklehnen.

        Vielleicht ist das ja der Schlüssel, um die Nebenwirkungen von digitalen Medien zu umgehen: In den Schulen sollte vielleicht viel mehr „Medienkompetenz“ vermittelt werden in dem Sinne, dass es nicht nur Schwarz oder Weiß gibt, sondern jede Meinung ein Teil der Realität ist.

        Das hatten die alten Chinesen schon lange erkannt. Es ist unser westliches, analytisches Denken, dass danach strebt, dass es nur eine Wahrheit gibt. Selbst die harten Wissenschaften wie die Physik haben sich aber längst davon verabschiedet: Je nach Realitätsausschnit gibt es verschiedene Theorien, die gültig sind: Im Alltag die klassische Physik, auf Atom-Ebene die Quantenphysik und in der Astronomie Einsteins Relativitätstheorie.

        Ein solches Bewußtsein sollte in der Schule vielleicht gefördert werden.

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      3. Du diskutierst nicht. Du drohst sehr aggressiv, wenn man nicht Deinem verwirrten, gefährlichen, linken Weltbild folgt. Deshalb musste ich Dich blockieren. Ich lasse mich nicht bedrohen. Das hast Du Dir selbst zu zuschreiben. Egal was schreckliches passiert durch den ISLAM, Du findest immer eine ekelhafte Rechtfertigung dafür. Du widerst nicht nur mich an….

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      4. @Oliver Fabian: Ich habe niemals eine Rechtfertigung für Gewalt gefunden. Wenn, dann versuche ich sie zu erklären.

        Ausserdem bedrohe ich keine Menschen, nicht Mal, wenn diese Hate Speech verbreiten.

        Ich reibe es ihnen einfach nur unter die Nase.

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  2. Guten Morgen und vielen Dank.

    Bei den Kriminalitätsstatisken wird, neben dem ausbleibendem Vergleich der Populationsgruppen ja auch noch gerne unterschlagen, dass jede Menge Vergehen von Deutschen gar nicht möglich sind zu begehen. Damit meine ich natürlich Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht, die in vielerlei Hinsicht möglich sind und wissend oder unwissend begangen werden, was selbst der schönstselektierten Vergleichsgruppe gar nicht erst möglich ist.

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    1. Herzlichen Dank für Deine Soweit ich die Statistik des BKA richtig verstanden habe, sind die Taten, die Nicht-Flüchtlinge gar nicht begehen können, schon herausgerechnet.

      Aber ein anderer Faktor, den ich gar nicht erwähnt habe, weil hierzu keine konkreten Zahlen zu finden sind, schlägt bei dieser Statistik noch zu Buche: Das Anzeigeverhalten ist nach Meinung von Kriminologen bei Flüchtlingen bzw. Migranten allgemein deutlich stärker ausgeprägt als bei Einheimischen.

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      1. Ich kann die Statistik leider nicht nachvollziehen, Dein Quellenlink schickt mich ins Leere. Ich habe hier deshalb ins Blaue vermutet, weil ich schon oft gesehen habe, dass Statistiken verwendet werden, bei denen das nicht der Fall ist.

        Letztlich ist jede Zahl ohnehin nur so gut wie ihre Interpretation, denn sie hängt von so vielen Faktoren ab. In der Kleinstadt in der ich lebe, haben sich die Kriminalstatistiken in den letzten zwei Jahren zum Beispiel überhaupt nicht verändert. Es gibt aber auch keine Massenunterkünfte (das Einsperren von vielen Menschen auf engem Raum fördert nun einmal Gewaltdelikte, nicht nur aber auch bei Flüchtlingen) und einen recht großen Kreis an Leuten, die den Menschen helfen sich zurecht zu finden, was vermutlich auch einen Teil beiträgt.

        Es ist so oder so ein sehr komplexes Thema, das sich nicht so ohne weiteres mit einer Statistik auflösen lässt. Aber das ist eben eine Masche von Verschwörungstheoretikern, die insbesondere bei schlichteren Gemütern gut verfängt: Eine einfache Wahrheit mit einer eindrucksvollen nicht nachvollziehbaren Zahl untermauert.

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      2. Ja, gerade habe ich selbst noch Mal in die BKA-Statistik schauen wollen und den fehlerhaften Link entdeckt. Das werde ich gleich korrigieren.

        Immerhin sind Statistiken und deren Interpretationen das Beste, was die Sozialwissenschaften methodisch entwickelt haben, um die Realität weitesgehend objektiv abzubilden. Jedenfalls viel besser als subjektive und daher eingeschränkte (Teil-) Realitäten.

        Auch wenn solche Statistiken Fehler aufweisen, sind sie in der Tendenz meisten valide. Nur bei Befragungen beispielsweise zu Wahlen machen sich zuletzt Fehler breit, z. B. hat Trump oder die AfD häufig stärker abgeschnitten als prognostiziert, da viele ihre wahre Antwort als sozial unerwünscht ansehen.

        Aber auch daran arbeitet die Sozialforschung und bezieht solche Erhebungsfehler als Gewichtungsfaktor mit ein. Zukünftig werden sog. implizite Verfahren, wie das messen physiologischer Paramenter, die automatisch „antworten“ wahrscheinlich viel genauere Prognosen möglich machen.

        Den Link zur BKA-Statistik werde ich gleich einbauen…

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      3. „Auch wenn solche Statistiken Fehler aufweisen, sind sie in der Tendenz meisten valide. Nur bei Befragungen beispielsweise zu Wahlen machen sich zuletzt Fehler breit, z. B. hat Trump oder die AfD häufig stärker abgeschnitten als prognostiziert, da viele ihre wahre Antwort als sozial unerwünscht ansehen.“

        Naja, die Validität betreffend, sehe ich das ein bisschen anders. Natürlich sind sie näher an der Realität als die subjektive Wahrnehmung eines westmecklenburgischen Pegidisten, der Ausländer nur aus dem Fernsehen kennt.

        Aber allein das von Dir selbst angesprochene unterschiedliche „Anzeigeverhalten“ zeigt doch schon, dass nicht nur die Interpretation ein Problem darstellt. Solange dieser Faktor nicht auch wieder einigermaßen solide empirisch belegt werden kann, ist die gesamte Aussagekraft der Statistik von sehr bescheidenem Wert.

        Nehmen wir einen Obdachlosen und einen Millionär, statisch haben die jeder eine halbe Million, aber einer von beiden friert trotzdem heute Nacht.

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      4. Ja, die Validität ist häufig ein Problem. Die Psychologen beschäftigen sich sehr stark damit. Es bräuchte experimentelle Forschung, um zu messen, wie sich das Anzeigeverhalten gegenüber Einheimischen und Migranten verhält.

        Meines Wissens gibt es da nur Schätzungen und keine strengen Experimente unter Laborbedingungen (was die Validität anders, aber auch wieder einschränkt).

        Viel wichtiger scheint mir jedoch, bei der Veröffentlichung solcher Zahlen Interpretationshilfen mitzugeben. Die meisten Menschen, die sich mit Statistik nicht befaßt haben, lesen einfach nur die nackten Zahlen.

        Auch das sollte in den Schulen als „Medienkompetenz“ gelehrt werden, finde ich. Ist gar nicht so schwer, kann man alles einfach erklären.

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      5. Ich arbeite in einer Branche, in der Statistiken quasi das Geschäftsmodell darstellen. Hier werden haufenweise Mathematiker/Stochastiker beschäftigt (ich bin zum Glück keiner von ihnen, sondern darf deren Erkenntnisse dann den „normalen“ Menschen erklären). Von daher ist mir der Umgang mit Statistiken nicht fremd und ich bin auch nicht generell dagegen eingestellt. Denn letztlich ist eine fehlerhafte Einschätzung eben doch besser als gar keine. Meistens zumindest.

        Mit diesen Kriminalstatistiken habe ich aber eben schon meine Probleme. Und mit den Veröffentlichungen des BKA, also der Art und Weise, sowieso. Denn bereinigen wir die Zahlen um Ungereimtheiten, wissen wir nur was wir vorher wussten, nämlich, dass Flüchtlinge ganz normale Menschen sind, die sich verhalten wie andere ganz normale Menschen auch. Manche begehen Straftaten, andere nicht. Nicht immer sind die Straftaten intrinsisch motiviert, oft sind die Umstände förderlich. Auch das unterscheidet Flüchtlinge nicht von anderen Menschen.

        Weitere Unsauberkeiten der BKA-Statistik liegen zum Beispiel auch in den Aufklärungsraten. Bei Mordfällen vor allem auch im Erkennen der Straftat.

        Da Morde unter Eingeborenen in allererster Linie Beziehungstaten sind, ist zwar die Aufklärungsrate sehr hoch, aber die Dunkelziffer der nicht als solche erkannten Morde ist unglaublich hoch. Das ist bei den Taten von Flüchtlingen ob der eingeschränkten Täter- und Opferkreise sowie der leichteren Nachvollziehbarkeit des jeweiligen Aufenthalts ganz anders.

        Mir persönlich macht das schon Bauchschmerzen, wenn staatliche Exekutiv-Organe so halbausgegorene Zahlen präsentieren, für deren Qualität hier vermutlich jeder vom Hof gejagt würde. Hoffentlich.

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  3. Als Nachtrag noch eine kleine Auswertung meiner Zeitungslektüre von heute morgen:
    Sean Parker, ehem. Präsident und Mitgründer von FB: bei der Konzeption von FB habe man bewusst auf Suchtfaktoren und süchtig machende Features gesetzt, welche „die Verwundbarkeit der menschlichen Psyche“ ausnutzen, um „so viel Aufmerksamkeit wie möglich“ auf sich zu ziehen und die Nutzer zu binden.
    Heute sagt er, FB „verändert dein Verhältnis zu Gesellschaft und Miteinander, es verändert deine Produktivität. Wir wissen nicht, was es mit den Hirnen unserer Kinder macht.“

    Chamath Palihapitiya, ehem. Vizepräsident von FB äußert sich ähnlich: wegen FB erodiere das Sozialverhalten in der Gesellschaft grundsätzlich und er habe durch seine Beteiligung an der Entwicklung von FB „unendliche Schuld“ auf sich geladen. „FB programmiert die Menschen“. Er nutzt „diesen Scheiß“ nicht mehr und hat es auch seinen Kindern strikt verboten. FB beende „den öffentlichen Diskurs“ und fördere stattdessen „Missinformation und Misstrauen“.

    Im US-Wahlkampf 2016 hat FB nach eigenem Eingeständnis russisches Geld für politische Kampagnen angenommen. Und man kann vermuten, dass etliche dieser FB-Junkies, die Sie erwähnt haben, ebenfalls auf der Gehaltsliste russischer Organisationen stehen.

    Qu: Bernd Graff: Asozial Medien, SZ Nr. 288 v. 15.12.17, S. 11

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  4. Oh Gott, ich wusste es, gehe nicht auf linke Seiten, du verlierst den Glauben an den Homo Sapiens als sapiens. Warum habe ich diesen Vorsatz ausgerechnet am 1.1. gebrochen? Es ist schlimmer als ich dachte, so viel wirres und gleichzeitig bösartiges Zeug habe ich aber auch nicht erwartet, obwohl mit reicher Erfahrung in Sachen Linksblödheit gesegnet. Und dabei habe ich diesen Wortschwall gar nicht ganz gelesen.

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  5. Danke für diese ausführliche und tiefgreifende Analyse rechter Netzaktivitäten. Eine Anregung noch zur Kriminalitätsstatistik. Dort spricht die Polizei von Tatverdächtigen (TV), nicht von Tätern. Leider gibt es keine wirklich verlässlichen Analysen, wie viele der Tatverdächtige aus den einzelnen dort gelisteten Gruppen (Deutsche, Ausländer, Asylbewerber) tatsächlich von der Justiz verurteilt werden, schließlich gilt auch in Deutschland noch der seit der römischen Antike geltende Grundsatz „in dubio pro reo“. Neben den genannten Argumenten blenden die Rechten auch diesen Aspekt konsequent aus.

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