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Nun packen sie alle die Reisetaschen. Hinterm Weihnachtsbaum legen auch Jörg Meuthen, Alice Weidel und Beatrix von Storch, die dem „Volk“ ein Vorbild sein möchten, inmitten ihrer Familien ihre Geschenksocken unters Hegel-Buch. Es gilt, das Image zu pflegen, die AfD sei die Intellektuellenpartei.

Hegel hat in der Welt der Ideen den gleichen Rang wie Meuthen in der Welt der Fake News. Hegel ist der Held der Idealisten. Ideen halten diese für die Fundamente von Wirklichkeit, Wissen und Moral. Sie glauben fest daran, dass die physikalische Welt nur als Objekt für das Bewusstsein existiert und dass die Welt der Ideen ewig währt. Früher haben aristotelische Logik und hegelsche Dialektik Gewissheit geschenkt.

Doch die alte starre Welt ist in Bewegung geraten, hier kam Heidegger ins Spiel, und so rettet Sloterdijk heute alte Gewissheiten: Heideggers taumelndes „In-der-Welt-Sein“ verwandelt er in ein beherrschbares „Zur-Welt-Kommen“. Die „zur Welt Kommenden“ mutieren zu „sich selbst Erzeugende“, auch wenn sie wie Meuthen, Weidel und von Storch die Welt von Gnaden einer weit zurückliegenden Paläontologie mit dem Faustkeil traktieren.

Wie ist die geistige Welt der Neo-Rechten beschaffen? Welche Protagonisten machen diese viral? Wie in Gottes Namen kommt ein solches Weltbild zu Stande? Was haben „grün-links versiffte Gutmenschen“ der Welt der Neo-Rechten entgegenzusetzen?

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1. Die Welt der Bilder einer weit zurückliegenden Paläontologie

Früher war alles gewisser, also besser. Heute fallen Jörg Meuthen sich wandelnde Ideen auf die Füße. Er sammelt besonders Bedrohliche ein und schnitzt sie zu alternativen Fakten. Damit ritzt er Prämissen, die zu zwar düsteren, aber logischen Schlüssen führen. Im Beispiel: Aus „Koran-Verse rufen zu Gewalt gegen Andersgläubige auf“ und „Muslime lesen gerade diese Verse wörtlich, ja sie müssen sie sogar in die Tat umsetzen, gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln“ schließt Meuthen lässig: „Muslime sind in öffentlichen Verkehrsmitteln gewalttätig“, kurz: „Der Terror hat mit dem Islam zu tun.“ Meuthen malt ein Feindbild, das er im Namen des „Volkes“ und Sloterdijks bezwingen kann. Meuthens Wortbilder sind martialisch und bedrohlich: „Wir holen uns unser Land zurück“. Alexander Gaulands Bild, das er mit sich überschlagender Stimme nach der Bundeswahl gemalt hat, macht es blutrünstig: „Wir werden sie jagen.“

Auch Alice Weidels und Beatrix von Storchs Mitstreiter, der Blogger David Berger, bemüht für seinen Kampf gegen den gemeinsamen Feind Bilder aus paläontologischer Zeit – typgerecht Optische wie eine Höhlenmalerei, aber genauso martialisch und bedrohlich wie die Wort- und Klangbilder von Meuthen und Gauland:

2.1. David Berger – Thomas von Aquin in der Welt der Posterboys

„Ihr sollt keine Götter neben mir haben,“ ist die Botschaft von Netzaktivist David Berger. Optisch kann er es sogar mit Helden aus dem Reich von Götz Kubitschek aufnehmen, Verleger und Vordenker der deutschen Neo-Rechten in der analogen Welt: z. B. mit dem amerikanischen Homo-Aktivisten Jack Donovan. Dessen Buch „Der Weg der Männer“, eine einzige Verteidigungsschrift der Brutalität und Skrupellosigkeit, will Kubitscheks Antaios-Verlag groß herausbringen – dazu geeignet, eine faschistische Körperideologie zu importieren. (Quelle: blu.fm)

David Berger wurde einer größeren Öffentlichkeit durch seine Autobiographie „Der heilige Schein“ bekannt. Darin berichtet er von seiner Karriere als schwuler Theologe in der katholischen Kirche. Damals galt Bergers Interesse dem Glaubensfanatismus des mittelalterlichen Kirchenlehrers Thomas von Aquin. Dieser war als Scholastiker davon überzeugt, dass Wissen, das aus der Kirche genehmen Grundsätzen logisch sauber hergeleitet wird, das sicherste Wissen ist, das es geben kann. Beobachtungen können falsch oder falsch gedeutet sein, aber eine logisch saubere Folgerung aus einem als wahr angesehenen Prinzip ist stets irrtumsfrei. Das typisch Scholastische war ein grenzenloses Vertrauen in die Macht der Deduktion.

So wie Jörg Meuthen es vorgemacht hat, geht auch David Berger von Prämissen aus, von deren Richtigkeit er auch fern jeder Empirie überzeugt ist. Ein Beispiel: Mit „Der Terror hat mit dem Islam zu tun“ und „Kreuzzüge verhinderen den Untergang des Abendlandes“ kommt er zum agendagerechten Schluß „Eine Reconquista kann unser Volk retten“. Zeigen Andersgläubige auf solche Folgerungen, die denen gemäß ihren eigenen Grundsätze widersprechen (man denke an die Aussagen von Alexander Gauland zu Boateng oder Özuguz), so bemühen sich die Vorgeführten zu zeigen, dass der Widerspruch auf einem Missverständnis beruht. In einem solchen Denksystem hat Berger Karriere gemacht, als Mitglied der Päpstlichen Akademie des Heiligen Thomas von Aquin, Vizepräsident der Deutschen Thomasgesellschaft und Herausgeber des Magazins Theologisches. Der liberale Theologe Herbert Vorgrimler charakterisierte das Umfeld des habilitierten Theologen Berger zu dieser Zeit wie folgt:

„Sektiererische, selbsternannte Glaubenswächter leben abgeschottet von den Nöten und Fragen ihrer Mitmenschen in ihrer Sonderwelt (…) absolut humorlos, griesgrämig, bösartig, bis ins Knochenmark pessimistisch.“ – und fragt: „Sind das nicht Merkmale einer apokalyptischen Sekte?“ (Quelle: blu.fm)

Es fällt schwer, Bergers Outing als emanzipatorischen Akt zu werten: Dieses war durch das Aufdecken seiner Facebook-Kontakte in die Gay-Szene erzwungen, sein folgender Angriff gegen seine innerkirchlichen Gegner wütend. Mit der katholischen Kirche wieder versöhnt, schlug er dann an einem denkwürdigen Tag, am siebzigsten Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, auf einen seiner neuen Feinde ein: den Gegnern von Holocaust-Relativierern. Als Chefredakteur des Magazins Männer ließ Berger seinen Adepten Daniel Krause von der Leine: „Mir geht sogar die Massentierhaltung emotional näher als Auschwitz. Alle 20 Minuten sterben sechs Millionen Tiere!“ (Quelle: taz.de)

Berger wurde auch von Männer verstossen. Krause folgte ihm zu Gaystream. Mit Philosophia Perrenis, übersetzt: „immerwährende Philosophie“, der Name ist Programm, verengten sich Bergers Augen zu Schlitzen, bis Krause aufmuckte: „Koran, Bibel, „Kommunistisches Manifest“ und Hitlers „Mein Kampf“ haben für mich einen vergleichbaren „Brennwert.“ (Quellen: blu.fm, philosophia-perennis.com)

Berger folgt der Maxime „Der Feind meines Feindes ist mein Freund!“ Nicht nur in der Gay-Szene, sondern überall wittert er Feinde: neben „unmännlichen“ Homosexuellen und CSD-Tunten, die AIDS-Hilfe, Genderforscher, links-grün Versiffte, Liberale – und natürlich Muslime. Aktuell besonders bemüht polemisiert Berger gegen Recherchebüros, Medienvertreter und liberale Politiker, um demokratisch gesinnte Aufklärung in rufmörderischer Absicht zu diskreditieren.

David Berger vibriert selbst fanatischer als seine Mitstreiterin, die rechte Darknet-Datendiebin Beatrix von Storch, in einem Spannungsfeld von Chuzpe und Grobheit. Er versteht es, sich zwischen Unterwürfigkeit und Selbstbeweihräucherung bei jenen einzuschmeicheln, von denen er Zuspruch, Achtung und Zuwendung erhofft. Wann immer es sich anbietet, postet er im Netz Fotos von Gipfeltreffen mit prominenten rechten Freunden wie Alice Weidel, Beatrix von Storch, der AfD-Aktivistin Erika Steinbach, dem Skandal-Schriftsteller Akif Pirincci, dem Chefredakteur der „Jüdischen Rundschau“ Simon Akstinat oder dem israelisch-amerikanischen Autor, Regisseur und Theaterleiter Tuvia Tenenbom:

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Die Drecksarbeit macht Berger nicht selbst – das erledigen wie eh und je seine Anhänger für ihn. Dabei versammelt Berger nicht nur homonationalistische Jünger um sich; jeder Rechte kommt ihm zupass, so wirr, verschwörerisch und absurd seine Gedanken auch erscheinen mögen. Wie Simon Lange. Der Kampf- und Schießsportler war von 2009 bis 2010 Pressesprecher der Piraten-Bundespartei. Heute ist er bei progressiven Piraten wegen seiner radikalen Positionen zumindest umstritten, sicher aber nur mehr einfaches Parteimitglied. Zur Weihnachtszeit läßt Berger Lange auf seinem Blog – als Reaktion auf den Rechtspopulismus problematisierenden Tatort „Dunkle Zeit“ – die Opferrolle zelebrieren:

„Müssen wir demnächst mit einem Remake des Klassikers „Der ewige Jude“ rechnen? Wird sich ggf nur der Titel ändern „Der ewige AfDler“ oder der „Der ewige Biodeutsche“ – vielleicht ja auch „Die ewige Kartoffel“. (Quelle: philosophia-perennis.com

Zum gleichen Thema äußert sich Michael Klonovsky, regelmäßiger Gastautor auf Bergers Blog, Ex-Berater Frauke Petrys und -Pressesprecher Jörg Meuthens. Zeit, den Philosophen der AfD anzuhören!

2.3. Michael Klonovsky – Martin Heidegger in der Welt der AfD-Faktizitäten

Anders als Berger und so wie Meuthen eher muskellos, aber wortgewandt, eröffnet Michael Klonovsky das philosophische Duell auch auf dem Blog von Berger-Adept Jürgen Fritz – die Szene ist gut vernetzt -, indem er zwei Protagonisten des „Tatorts“ zitiert (gekürzt):

Politikerin Schramm (pro Rechtspopulismus) beendet ihre Hasstirade gegen „rechtsfreie Räume“, die „Vertuschung von Tätergruppen“ durch die Polizei und die „verfehlte Einwanderungspolitik“ von Merkel mit der Frage: „Und Sie wundern sich wirklich, dass das Volk diesen Gestalten in der großen Mehrheit nicht mehr traut?‘

Polizist Falke (kontra Rechtspopulismus) bendet sein Argument mit:Der Boxclub hieß Vorwärts-Wacker 1904 e.V. Den gibt es noch immer. Der Vorsitzende heißt Ali, ist ein Freund von mir, die Trainer heißen Yusuf, Milan und Kenbala, alle ehrenamtlich, und seit 15 Jahren trainieren da auch Mädchen, viele Muslima, einige sogar mit Kopftuch. Das ist mein Deutschland.’“

Daraus schließt Klonovsky triumphal: „Faktizität und die Fähigkeit zur Lösung vom Einzelfall versus Moralisieren und Sentimentalität“ und präzisiert:

„Es bedarf keiner hermeneutischen Schulung, um zu erkennen, dass diese beiden Statements nicht das Geringste miteinander zu tun haben; die Politikerin stellt eine faktische, auf Verallgemeinerbarkeit zielende Frage, die der Polizist nicht beantwortet, stattdessen moralisiert er mit autobiografischem Bezug. Das kennt man aus hiesigen Debatten zum Thema Einwanderung; Diskutant A sagt, dass laut Statistik ein Viertel aller Türkenbuben keinen Schulabschluss schaffen, Diskutant B entgegnet, das könne nicht sein, er kenne sogar türkische Professoren. Beide sagen nichts Falsches, aber der eine redet über die Obsternte, der andere über den Geschmack einer Apfelsorte.

Mit den Begriffen „Faktizität“ und „Hermeneutik“ outet sich Klonovsky als Heidegger-Rezipient. Hegels Diktum einer Dialektik von „Inhalt“ folgend, hatte Nazi-Kollaborateur Heidegger mit seiner phänomenologischen Hermeneutik der Faktizität der Suche nach einer ideellen, überzeitlichen Wahrheit den Garaus gemacht. Ihn interessierte das konkrete Leben mit seinen Zufällen und sich wandelnden Werten, die er phänomenologisch beschreiben wollte. Es ging ihm weniger darum, Gewissheit und Sicherheit bringende Erklärungen zu liefern, als vielmehr darum, das Fragen selbst wach zu halten. Und ja, die von Klonovsky verbreiteten Posts werfen Fragen auf. Bisher hat kaum ein Kommentator auf seine Gedanken reagiert. Auch Fritz nicht. Daher übernehme ich das an dieser Stelle:

„Von der „faktischen, auf Verallgemeinerbarkeit zielende Frage“ der Politikerin Schramm bleibt Klonovskys Festellung einer fauligen „Obsternte“, unter der auch Jörg Meuthen leidet. Das „Moralisieren mit autobiografischem Bezug“ des Polizisten Falke, der Entwurf einer Vision, ja, selbst der süßliche „Geschmack einer Apfelsorte“, der weltweit geliebt wird, schmeckt in Klonovskys Welt gammelig.“

„Man könne“, so die Frankfurter Rundschau, Michael Klonoskys Texte „für ironisch halten“ wie dieser selbst es tue, „aber wer in ihnen nicht mehr als eine Vermählung von Widerwärtigkeit und Dummheit erkennt, liegt auch nicht falsch.“ (Quelle: fr.de) Der Philosoph Peter Sloterdijk hingegen urteilte im Philosophischen Quartett, dass man sich durch Klonovskys Kommentare in die Zeiten Kurt Tucholskys zurückversetzt fühle. Ein Beispiel: „Die meisten Ernst-Jünger-Gegner sind Typen, die sich beim Zahnarzt eine Spritze geben lassen.“ Logisch steht der erklärte Reaktionär Klonovsky, der in Deutschland verdrängte Begriffe wie „Rasse“ wieder in die politische Debatte eingeführt hat, in der Traditionslinie des „konservativen Anarchisten“ Ernst Jünger, wie Heidegger ein intellektueller Wegbereiter des Nationalsozialismus. (Quelle: zeit.de) Für Klonovsky ist die Sache klar: Er ist ein großer Philosoph.

Kurzzeitig sah es allerdings so aus, als müsse Michael Klonovsky selbst sein Internettagebuch schließen. Hatten seine radikalen Kommentare ihm bereits den Verlust seines Postens als Leiter des Debattenressorts beim Focus eingebracht, so verlangte das Magazin 2015 von ihm, seine täglichen politischen Stellungnahmen auf seinem Blog ganz einzustellen. Die Konfrontation ging glimpflich aus: Klonovsky ist arbeitslos, aber weiterhin online. Mit Büchern wie „Die Liebe in Zeiten der Lückenpresse“ partizipiert er zudem am wachsenden Erfolg rechter Verlagshäuser wie in seinem Fall der Manuscriptum-Verlag. Seit der Buchmesse feiern neurechte Verlage ihre Salonfähigkeit wie auch Götz Kubitscheks Antaios. Dieser verlegt nicht nur als nunmehr Einziger den wegen Volksverhetzung verurteilten Akif Pirinçci und den vom Verfassungsschutz beobachteten „Identitären“ Martin Sellner, sondern posthum auch Rolf Peter Sieferle, mit dessen antisemitischen Machwerk „Finis Germania“ er sogar einen Bestseller landen konnte. Das „alternative“ Business in der Welt des Geistes läuft. Klonovskys Reden auf AfD-Veranstaltungen bringen ihm weiteres Geld ein und runden sein Profil als Arbeitsuchender ab. Kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember, liefert Klonovsky noch folgende Arbeitsprobe ab (wesentliche Aussagen hervorgehoben):

Während sich die Wahrheits- und Qualitätspresse in bewährter Penibilität mit einem „Nazi-Emblem“ bei der sächsischen Polizei beschäftigt, dem nur noch Reichsadler und Hakenkreuz fehlen, dann sähe es wie ein Emblem mit Reichsadler und Hakenkreuz, also wie ein Nazi-Emblem aus (hier), ist zu Nürnberg eine 72jährige Frau von einem kohlpechrabenschwarzen Zeitgenossen, der nur mit einer Unterhose bekleidet und anscheinend ohne konkrete Pläne für den weiteren Tagesverlauf auf der Straße stand, niedergeschlagen und danach mehrfach gegen den Kopf getreten worden – hier; wenn Sie Geschmack an so etwas finden, es gibt auch ein Händi-Video (aber Vorsicht, der Tag ist hin danach) –, ohne dass dieser Exzess, der in jedem Land, in dem man nicht gut und gerne lebt, einen Lynchmord ausgelöst hätte, aber in ’schland vorbildlich mit der Herbeirufung der Polizei endete, von den Genossen Medienschaffenden bei Spiegel online, Süddeutscher, stern, FAZ, Zeit etc pp. (es fehlt offenbar das „nicht“) als meldenswert befunden wurde (korrigieren Sie mich, wenn ich etwas übersehen habe), weil es in ihrer journalistischen Verantwortung liegt, unnötigen Verallgemeinerungen vorzubeugen, damit nicht noch mehr Steine auf die Mühlen der AfD fliegen. Hätte Heribert Prantl vielleicht zum x-ten Male darauf hinweisen sollen, dass es wahrscheinlicher ist, sich beim Rückwartseinparken den Halswirbel zu brechen, als Mitte Dezember am helllichten Tag in einer deutschen Stadt auf einen nahezu nackten Mohren zu treffen, der einem obendrein noch den Schädel eintritt? Und der Vorfall war ja nun wirklich nur von regionaler Relevanz!“

„Gekürzt“ und „hervorgehoben“ kann man Klonovskys Texthaufen bar jeden Wortschmucks zu Spott über Statistiken und „Penibilität bei Nazi-Emblemen“ sowie Vermissen eines „Lynchmords“ des „kohlpechrabenschwarzen Zeitgenossen“ verdicken. Auch Jürgen Fritz preßt den „schwarzen Unterhosemann“ auf seinem Blog entsprechend aus dem Darm, gewürzt mit Satire, die sonst Neo-Rechte gar nicht gut riechen können. Zeit, sich den Philosophen des Darknets anzuschauen!

2.2. Jürgen Fritz – Thymos Fistelstimme in der Unterwelt

Eine Karriere als muskulöser Poster-Boy hat der introvertierte Fritz selbst als Jüngling nicht angestrebt. Lieber verkauft er sich im Netz mit einem alten Photo aus dieser Zeit bis heute als großer Denker. Allein, ein ausrasierter Nacken paßt eher zu Männern wie Berger, die wenig Testosteron im Blut, aber viel Haar auf dem Haupt haben. Daher setzt Fritz wie Meuthen auf Bilder aus Worten, beschwört Thymos, Mut und Tapferkeit, Selbstbehauptungswille und Stolz, Ehrgeiz und Gerechtigkeit. Und auf Satiren wie diese: „Richtigstellung: Der Nürnberger Unterhosenmann ist gar kein Afrikaner, sondern ein Deutscher, der sich sehr exzessiv gesonnt hatte“:

„Wir sollen uns keinerlei Sorgen machen, so Seibert, das Sprachrohr von Angela, der Heiligen. Absolute Sicherheit gebe es nun mal nicht. Aber es sei viel wahrscheinlicher, auf der Toilette einen Krampf zu bekommen, vor Schreck ins WC rein zu fallen, im Sturz aus Versehen die Spülung zu betätigen und dann im Abfluss zu ertrinken, als von einem dunkelhäutigen Unterhosenmann totgeschlagen zu werden. Und Fenster putzen sei zehntausend mal gefährlicher!

Direkt anschließend wurde der 137-jährige Prof. Pfeiffer (SPD), Deutschlands ewiger Chefkrimionologe, in die Pressekonferenz hereingeführt und auf seinen Platz begleitet. Der hatte nämlich sensationelle Neuigkeiten bezüglich des Nürnberger Unterhosenmanns zu verkünden.

Wie er und seine Kollegen in einer streng wissenschaftlichen, vollkommen objektiven Untersuchung festgestellt haben – den Auftraggeber und Financier der Untersuchung wollte er allerdings nicht nennen, das tue nichts zur Sache -, handelt es sich bei diesem Irren nicht wie fälschlich behauptet wurde um einen Afrikaner aus Kamerun, der vorgab, hier studieren zu wollen, sondern um einen Deutschen mit deutschen Eltern und deutschen Großeltern, der immer nur deutsches Essen gegessen hat. Sein ganzes Leben, von klein auf bis heute! Daran könne es keinerlei Zweifel geben. Das ergaben ein DNA- und eine Mageninhalts- sowie eine Haaruntersuchung.“

Auch Fritz spottet über die Welt von Fakten und Zahlen. Nur die, die in sein düsteres Weltbild passen, läßt er gelten. Zum Beispiel: Die Frage „Warum gibt es in Japan, Ungarn und Tschechien so wenig Terroranschläge?“ läßt Fritz auf seinem Blog von der rechten Gastautorin Laila Mirzo beantworten: Weil Japan, Ungarn und Tschechien eine „restriktive Migrationspolitik“ hätten und sich um eine „ethnische Homogenität“ bemühten. Muslime hätten vor 1.400 Jahren eine Kriegserklärung gegen alle, die sich nicht unterwerfen, ausgesprochen. Mirzo, gebürtige Syrerin, seit 1989 in Deutschland und 2002 in Österreich sowie seit zehn Jahren Christin, nannte in einem Interview mit Wochenblick.at, deren Naheverhältnis zur FPÖ und rechtsextremen Szene Profil dokumentiert, den Koran sogar „Handbuch des Terrors“. (Quelle: profil.at) So wundert es nicht, dass Mirzo verschweigt, dass es auch in Österreich, Italien und Griechenland, die viele Flüchtlinge aufgenommen haben, wenig Terroranschläge gibt: Diese Fakten passen nicht zur rechtsextremen Agenda.

Ansonsten agiert auch Fritz lieber von Geistesgrößen Gnaden einer weit zurückliegenden Paläontologie. Den meisten Zuschauern mag Fritz´ Heidegger-Lesung im obigen Video „schwurbelig“ erscheinen. Manche mögen sogar lachen. So empfindet auch Hans Albert, emeritierter Professor für Soziologie und Wissenschaftslehre der Universität Mannheim. Laut Albert hat Heidegger einem neuen Irrationalismus den Boden bereitet, der „im Gegensatz zum wissenschaftlichen Denken in der Nähe der Dichtung angesiedelt ist“. Eine unklare, mystifizierende Sprache erwecke den Eindruck von gedanklicher Tiefe, die seinem Werk tatsächlich vollständig fehle. Eindruck erwecke dies vor allem bei „Zeitgenossen […], die sich zwar in philosophischen Gefilden tummeln, in Wirklichkeit aber nach religiöser Erbauung suchen oder einen Religionsersatz nötig haben.“ (Quelle: Hans Albert: Kritik der reinen Hermeneutik. Der Antirealismus und das Problem des Verstehens. Tübingen 1994, S. 11.)

Das ist das, was Fritz kann. Auf Twitter, sozusagen dem Enddarm der Textproduktion, versucht er seine Texthäufchen auf 280 Zeichen einzudicken, um heideggerisch zu fragen: twitter-lc3b6schung

Argumentiert die Neue Rechte noch – um politische Korrektheit bemüht – mit dem blumigen Konzept des „Ethnopluralismus“, das Ethnien in Parallelwelten homogenisieren, aber angeblich keine Ethnie über die andere stellen möchte, hat Jürgen Fritz seine PC komplett „auf den Müllhaufen der Geschichte“ geschissen. Als Alice Weidel mit dieser Rede auf dem Kölner AfD-Parteitag ihr Führer-Amt antrat, funkelnden ihre Augen und verzog sich ihr Lächeln, als ob der verbale Ausbruch ihr Befriedigung verschafft. Auch Fritz suhlt sich lustvoll mit Neonazi-Jargon im rassenbiologischen Dreck.

Wie unschwer aus Jürgen Fritz Habitus herauszulesen ist, gehört auch Peter Sloterdijk zu seinen Freunden: Aus Heideggers „In-der-Welt-Sein“ hat Sloterdijk ein „Zur-Welt-Kommen“ gemacht, eine „Horizontaleinreise“ statt einen „Vertikalabsturz“, demzufolge die Welt das war, wohin die „Gebürtigen“ gefallen sind – sozusagen der Rein-Fall. Die „Onto-Anthropologie“ des „zur Welt Kommenden“ ist in Sloterdijks Denken zur „Anthropotechnik“ eines sich selbst erzeugenden Wesens mutiert. Die „Lichtung“ Heideggers wird im Horizont einer anthropotechnisch vorangetriebenen Evolution zum „Kampfplatz, Ort der Entscheidung und der Selektion“. Mit „Domestikation“ meint Sloterdijk nicht mehr die sanfte „Einhausung des Seins in der Sprache“, sondern die Hardcore-Variante „Zähmung und Züchtung“ gemäß den „Regeln für den Menschenpark“. (Quelle: zeit.de)

Fritz will mit zersetzendem Wiedergekäuten, hervorgegangen aus dem Nachkäuen von Gedanken alter Philosophen, seien die auch noch so lange tot, zur Hardcore-Szene gehören: Mit diesem Talent hat Fritz sich bereits als Lehrer, Polizei- und Finanzberater versucht. Auch der Umsatz mit seiner Magisterarbeit, die er im Netz als „preisgekröntes“ Book-on-Demand anbietet, kommt nicht in Schwung. Ganz im Gegenteil, mittlerweile wird es gebraucht zum Ramschpreis angeboten. Selbst die Realisierung der seit Jahren von ihm angekündigten zwei neuen Bücher ist nicht zu erkennen. Nicht Mal im Antaios– oder Manuscriptum-Verlag. Fritz versucht nun, seinen Blog in Schwung zu bringen: Es locken Werbeeinnahmen. Denn die Wortbilder darauf sind der Hammer. Hierzu postet er regelmäßig als heorische Taten erhöhte Meldungen der Reichweite seiner Absonderungen – offenbar in der Annahme, dies sei ein Beweis für die Qualität seiner Texthaufen. Nach seiner bizarren Schlappe im Kampf um die Wahrheit gegen Facebook plustert er sich im Dreck sogar zum Herrscher über das Reich der Wahrheit auf – völlig besudelt von sich selbst und seinem Denken. Man soll keinen Gott neben ihm haben:

„(…) Einzelwissenschaftler sind nur bedingt fähig, das große Ganze zu sehen, zu verstehen und deuten zu können. Sie sind immer spezialisiert auf einen winzig kleinen Bereich, der noch dazu immer noch kleiner wird. Entscheidend sind die Philosophen.

Sind die schlecht, wird nach unten hin auch das gesamte Gedankengebäude schlecht, da alle anderen – jeder auf seiner geistigen Stufe, die ihm gerade noch zugänglich ist – diese Ideen übernimmt. (…)

Deswegen ist übrigens auch Deutschland noch immer überragend, wenngleich dies immer mehr nachlässt. Weil es vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert die mit Abstand besten Denker der Welt hatte. Davon zehren wir noch immer.

Was wir also brauchen, sind a) neue gute Denker von höchstem Rang und b) Vermittler, die das auf Stufe 15 Gedachte schrittweise nach unten weiter vermitteln. Hierbei kommt den Künstlern und Journalisten eine zweite Schlüsselfunktion zu, weil sie das auf Stufe 15, 14 und 13 Gedachte weiter nach unten brechen in den gehobenen mittleren Bereich, wo es die Lehrer aufnehmen und an die Kinder weitergeben usw. bis es irgendwann die gesamte Gesellschaft durchdringt.

Unsere gehobene Mittelschicht (geistiges Level ca. 8 bis 12), die die meisten Schlüsselpositionen der Gesellschaft inne hat, ist versaut von den schlechten Philosophen, die oft mehr Ideologen als Denker waren, und hat vor allem den Bezug zur Realität verloren.

Und die Hochintelligenten (Stufe 13 bis 15) haben sich meist zurückgezogen in ihre eigene Welt, siehe Sloterdijk (Stufe 15). Melden sie sich dann doch mal zu Wort, werden sie von den Feuilletonisten und Möchte-gern-Intellektuellen (Münkler und Konsorten) niedergemacht. Was ist zu also tun?

Safranski und Sieferle melden sich ja zumindest ein klein wenig zu Wort, Letzterer aber quasi erst aus dem Grab heraus. Wir brauchen vor allem wieder überragende Denker, die überragende Gedanken entwickeln und diese nach unten weitergeben. Und wir brauchen exzellente Vermittler.

Das wird nicht ohne Schmerz vonstatten gehen. Den müssen wir diesen geistig Verkapselten zufügen, wenn wir unsere Kultur und unseren Kontinent retten wollen. Diese Verletzungen geschehen aber nicht um der Verletzung willen, sondern weil es sein muss, um diese fehlerhaften Muster zu zerbrechen, letztlich also zum Guten.“

Doch dann erhellt sich die Düsterniss im Licht der Wahrheit, der härtesten Wissenschaft aller Wissenschaften, der „reinsten, die die Menschheit zustande gebracht hat“ und in der besonders Christen, speziell Deutsche, eitel glänzen: Ein Mathematiker namens gilbert808 kontert aus der Dunkelheit heraus nüchtern:

„Philosophen u.a. subsummiert der Naturwissenschaftler nicht umsonst unter dem Begriff „Geschwätzwissenschaften“. Sich als Denker zu bezeichnen ist oft schon Ausdruck einer übersteigerten Hybris. Wer sich mal einige Details antun möchte, dem sei „Eleganter Unsinn“ von Alan Sokal und Jean Bricmont empfohlen.

Um mal den grundsätzlichen Fehler der Geschwätzwissenschaftler klar zu machen, krame ich mal den Begriff der mathematischen Implikation heraus (wenn … dann … Schlussfolgerung), die zwei Aussagen verknüpft, wobei die zweite der Schluss aus der ersten ist. Die sieht nämlich so aus:

1. Ausage wahr , 2. Aussage wahr -> Schlussfolgerung wahr
1. Ausage wahr , 2. Aussage falsch -> Schlussfolgerung falsch
1. Ausage falsch , 2. Aussage wahr -> Schlussfolgerung wahr
1. Ausage falsch , 2. Aussage falsch -> Schlussfolgerung wahr

Vereinfacht ausgedrückt: aus einer beliebigen Voraussetzung kann man jeden Schluss ziehen und liegt immer richtig. Und genau das ist die Methoden der Philosophie: man denke sich irgendeinen Zustand aus und formuliere irgendeinen Schluss, dem dieser Zustand zu Grunde liegen soll. Das muss nicht Hand und Fuß haben, es muss lediglich eloquent sein. Die Masse bewundert am Philosphen weniger den Gedanken als die vielen unbekannten komplizierten Worte, die dieser Mensch kennt.“

Das bringt Fritz in Rage und sogar auf das niedere Parkett der gemeinen Kommentatoren. Spott an!

„Bei allem Respekt, gilbert808, das ist nun genau Teil des Problems, welches in diesem Kommentar sehr schön exemplifiziert wird: Menschen sprechen über Dinge, von denen sie wenig, oft sogar gar keine Ahnung haben, so dass es dann genau darin endet: in Geschwätz.“

gilbert808 läßt sich durch diese in verbaler Tötungsabsicht hervorgebrachte Keule im Dunkeln nicht vertreiben:

„Ich halte mich an die Mathematik, die ja keine Naturwissenschaft ist, sondern Philosophie, und zwar die reinste, die die Menschheit zustande gebracht hat, denn sie ist in sich völlig widerspruchsfrei. Von dem Rest der Philosophie kann man das nun nicht gerade behaupten, besteht doch ein Großteil der Argumentation von Philosoph A darin, mit blumigen Worten zu umschreiben, dass er seinen Kollegen B für das größte Schwachhirn auf Erden hält.

Aber nochmal: die Logik mag in voller Übereinstimmung mit der Mathematik zum Grundstudium der Philosophie gehören, jedoch ist das gar nicht der Kritikpunkt. Was die Herren (und wenige Damen?) da von sich geben, mag logisch völlig korrekt sein, aber ihre Axiome sind einfach Unfug. Zugegeben, die Mathematik hat auch ca. 2.500 Jahre gebraucht, um eine vernünftige Axiomatik zustande zu bringen. (…)“

Ich genieße still und andächtig die Worte von gilbert808, da Fritz meine Kommentare in seine prall gefüllten Filterblase längst nicht mehr einläßt. Und dann erscheint plötzlich in der düsteren Männerwelt hell wie einst Mari Curie eine Kommentatorin, die sogar den Wert von konkreten Zahlen erkannt zu haben scheint. Die mir aus dem Herzen Sprechende möchte offensichtlich Seit` an Seit` mit gilbert808 den großen Philosophen auf seine heideggerischen Leisten verweisen, die selbst innerhalb der Philosophie mini sind. Sie möchte Fritz demonstrieren, dass er die ontologische Ebene des real-physichen nicht beherrscht:

„Wir leben in einer Gesellschaft, in der Hypothesen nicht mehr verifiziert oder falsifiziert, sondern von Anfang an als Erkenntnis verbreitet werden. Ideologie ersetzt Wahrheit und Ideologie wird nicht mehr hinterfragt.

Was ist die Ursache? Die fehlende Kommunikation zwischen Geist und Körper, zwischen Kopf und Hand.

Die Menschen holen ihr Weltbild nicht aus der praktischen Erfahrung, sondern aus der Theorie.

Wie oft verweisen „Denker“ auf die Werke bekannter „Weltanschauer“ und Gesellschaftstheoretiker, wie etwa Marx, Hayek oder Hitler, ohne deren Hypothesen und Weltbilder jemals mit der geschichtlichen Erfahrung abzugleichen?“

Ich bin begeistert. Selbst der große Erkenntnis- und Wissenschaftstheoretiker Karl Popper aus der Welt „positiver“ Objekte hat es kaum besser audrücken können. Doch dann wird meine Euphorie jäh durch eine Erinnerung aus der Welt düsterer Ideen erstickt. Mir fällt wieder der Beginn der Ausführungen der Kommentatorin ein: „Eine absolut treffende Zustandsbeschreibung und ein folgerichtiger Aufruf (von Jürgen Fritz).“

Marie Curri ist tot. Die Kalenderweisheit für faschistische Forentrolle in Opferrolle gilt nicht nur auf Bergers und Klonovskys, sondern auch auf Fritz Blog: „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus».“ Oder auch kürzer: „Der neue Faschismus wird sagen, er sei der Antifaschismus.“

In der drögen Welt der Fakten

Verlassen wir die dunkle Welt der Ideen! Begeben wir uns auf das Spielfeld „positiver“ Objekte, sinnlicher Fakten und Zahlen, in die Welt positivistischer Natur- und Sozialwissenschaftler. Diese Welt wird mit Integralrechnung, der Theorie der unendlichen Reihen, einer neuartigen Geometrie, der Theorien der Kombinatorik und der Wahrscheinlichkeitsrechnung vermessen und geprüft. Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz, der diese Werkzeuge ersonnen hat, hielt die Wortsprache für fehlerhaft und wünschte sich unser Denken als Rechenvorgang. Er perfektionierte die Symbolsprache „Mathesis Universalis“ und das Dualsystem: die operationalen Grundlagen der modernen Computertechnik.

Anhänger dieser Schule haben die Logik Aristoteles, die Dialektik Hegels und die Phänomenologie Heideggers zum Erkennen und Beschreiben der Welt auf ihre Plätze verwiesen. Sie sind drei Schritte weiter gegangen als diese: Sie „objektivieren“ die sinnliche Realität mittels Statistik, suchen auf dem Spielfeld „positiver“ Objekte mathematisch nach Zusammenhängen und leiten daraus konkrete Handlungsempfehlungen für Ingenieure und Gestalter sozialer Welten ab. Schlüsse und (ihnen vorausgegangene) Prämissen à la Berger, Klonovsky, Fritz & Co. haben in der Welt positivistischer Denker maximal den Rang von Thesen, die es zu quantifizieren und empirisch-mathematisch zu überprüfen gilt. Mit den Methoden der Genannten kann man Thesen explorieren. Mehr nicht.

Von Denkern dieser Schule wollen sich Alice Weidel, Beatrix von Storch und Jörg Meuthen schon gar nichts sagen lassen. Ob es um das Klima oder die Kriminalistätsrate von Muslimen geht, sie folgen lieber innovative Induktionen verschmähend Methoden, mit denen man weder erklären noch gestalten, aber von der objektivierten Realität abgekoppelte Bilder zeichnen kann, die bedrohen. Schauen wir hingegen auf die Weltkarte der „Tötungsrate nach Ländern“ von der United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC), sehen wir mathematische Bilder wie dieses:

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Dem sich den „positiven“ Objekten Hinwendenden präsentiert sich selbst ohne Leibniz ein Bild, in dem sich Menschen in islamisch geprägten Ländern deutlich seltener gegenseitig töten als in nicht-islamischen wie Grönland, Russland, südamerikanische Länder und solchen aus der Subsahara. „Der“ Islam scheint sich sogar drosselnd auf die Aggressivität von Menschen auszuwirken. Wie paßt die statistische Weltkarte zusammen mit dem Kampbild der Neo-Rechten „Muslimische Invasoren importieren bestialische Gewalt“?

Hinterm Weihnachtsbaum

Zurück hinterm Weihnachtsbaum, um meine Frage zu platzieren! Jörg Meuthen, Alice Weidel und Beatrix von Storch schauen ,entspannt, da gut „entschädigt“ und das Hegel-Buch in der Hand, in den weihnachtlichen Äther, um sich in den Kreis der Nadelstreifennazis mit Trump und Putin zu imaginieren. Um auch ihr „Volk“ in Stimmung zum Fest zu bringen, an dem die Geburt Jesus Christus und die Nächstenliebe gefeiert wird, attackieren sie gemeinsam mit David Berger und Jürgen Fritz die Kirche, die Diakonie und sogar die Organisatoren der Trauerfeier, die an die Opfer und Angehörige des Anschlags vom Breitscheidplatz erinnern soll.

Alice Weidel bemüht die Opferrolle: „Kirchen spielen genau die gleiche unrühmliche Rolle, die sie auch im Dritten Reich gespielt haben.“ Hatte doch der evangelische Bischof Markus Dröge gesagt, dass es ein Glaubwürdigkeitsproblem gebe, zugleich Christ und AfD-Mitglied zu sein – einer Position, die sich auch die Diakonie anschließt.

Jörg Meuthen assistiert am 21. Dezember mit einem Bild der Nächstenliebe: „Wir sind zum Paradies für Passfälscher und Glücksritter aus aller Welt geworden, die bekanntlich zum Teil sogar mit mehr als einem Dutzend ausgedachter Identitäten hier monatliche Einkommen erzielen, von denen der normale Deutsche nur träumen kann.“

Beatrix von Storch spielt den Aasgeier: „Kognitive Dissonanz lässt sich nicht durchhalten. Je länger Merkel am Ruder der #CDU bleibt, desto mehr Fleisch werden wir von ihrem Kadaver reißen.“

Der Theologe David Berger empfiehlt zu Weihnachten gar: Guten Gewissens kann man an die Tafeln, wie auch an Wohltätigkeitseinrichtungen der evangelischen Kirche nicht mehr spenden.“ Stattdessen bewirbt er die „Dresdner Obdachlosenhilfe“, ein Verein von Pegida, der sich um Obdachlose kümmert – aber nur deutsche (Quelle: zeit.de)

Jürgen Fritz läßt auch zu Weihnachten seinem Darm freien Lauf: „Unfassbares spielt sich derzeit in Berlin ab, wo die Feinde der Demokratie und der Menschenrechte, die uns all das erst eingebrockt und die die M-Medien fast vollständig in ihre Gewalt gebracht haben, nun sogar die Trauer um unsere Toten vollständig kontrollieren wollen. Nicht nur, dass AfD-Abgeordnete von der Trauerfeier ausgeschlossen wurden, es gibt Hinweise, dass das ZDF seine Mitarbeiter – die als Kollegen anzuerkennen, ich mich weigere, denn mit freier Berichterstattung hat dies nicht mehr das Geringste zu tun – explizit anwies, über das Gedenken der AfD-Parlamentarier nicht zu berichten.“

Ich höre die Antwort der feiernden Genannten auf meine Frage, während sich Meuthen verschmitzt die Hände reibt: „Muslime töten ja nur Andersgläubige bestialisch und nicht Glaubensbrüder im eigenen Land.“ „Dann müsste die Rate der Gewalttaten unter jungen muslimischen Männern in nicht-islamischen Ländern gegenüber Einheimischen erhöht sein“, antworte ich und: „Sind sie aber nicht.“ Darauf hin sperrt mich Meuthen.

David Berger und Jürgen Fritz haben mich schon lange blocktiert. Sie treibt andere Sorge um: Ihre Sperren von Facebook. Heute appelliert Fritz auf seinem Blog: jouwatch ruft alle Leser deshalb auf, die Werbekunden von Facebook anzurufen und einzufordern, dass diese Firmen für die Meinungsfreiheit einstehen. Als ehemalige Headhunterin, die weiß, wie schwierig es ist, an verantwortliche Manager heranzukommen, bin ich gespannt auf das Ergebnis.

Zudem brauchen Berger und Fritz Geld für Anwälte. Es gilt, Menschen verachtende Hetze im kunstvollen Spiel mit Worten schön einzupacken, um im Kampf gegen die „Nigger“ und „Musels“ den Duft der Kameradschaft zu verströmen. Bergers und Fritz Bitten um Spenden klingen zur Weihnachtszeit besonders rührend. Fritz wird in Sachen „Facebook-Sperre“ vom AfD-nahen Rechtsanwalt Dr. Christian Stahl vertreten. Im ersten Schritt wahrscheinlich ohne Bares: Dessen Kanzlei REPGOW will sich in der Szene einen Namen machen, wie es Antaois und Manuscriptum in der Verlagsbranche vorgemacht haben.

Berger, dem seine Erschöpfung anzusehen ist, muss eine aktuelle Flut von Strafanzeigen gegen ihn finanziell bewältigen. Daher bewirbt er Stahl auf seinem Blog: „Unter FACEBOOK-SPERRE gibt es ab sofort regelmäßig Informationen über den Kampf und die Erfolge der Kanzlei REPGOW.“ Das erinnert an die „Wall of shame“ des Szene-Staranwaltes Joachim Steinhöfel. Als Einstiegsdosis empfiehlt Stahl „Vorsorge treffen und Rechtsschutz abschließen – REPGOW nennt die besten Rechtsschutzversicherungen gegen Facebook“. Stahl soll der Steinhöfel für weniger prominente Wiederholungstäter in Sachen „Volksverhetzung“ werden. Das „alternative“ Business läuft auch in der Unterwelt.

Auch Johannes Normann, der noch zur Bundestagwahl auf der AfD-Landesliste Bayern, Rang 22, einen Platz an der Sonne hatte, aber nicht das Glück, in den Bundestag gewählt zu werden, bettelt in der Düsternis um Geld. Seine „Politikseite“ Johannes Normann kann nur weiter betrieben werden, weil es dort „Admins aus „freien Ländern“ (Schweiz, Island) gibt und so Maas+Kahane keinen Zugriff auf diese User haben.“ (Quelle: philosophia-perennis.com) Am 20. Dezember postet Normann auf VKontaktje, der Welt der Reichsbürger, Rechtsextremen, Antisemiten und Holocaust-Leugner:

„Die lächerliche Zensur auf Facebook hat schon wieder den Account Johannes Normann gesperrt.

Grund war das Teilen des uralten Videos mit Schafen, wo eins davon den Schäfer mehrfach umschubst.

Kenn ich die „Religion“ des Schäfers? Seine „sexuelle Orientierung“? Seine „Ethnie“?

Möchte Facebook endlich mit Hilfe von Rechtsanwälte Steinhöfel (Sperre durch FB – Wall of Shame) verklagen, würde mich dabei über Eure Hilfe (Spenden Darlehen) sehr freuen, PN einfach an diese Seite (mit Admins aus freien Ländern können hier weiter Nachrichten beantwortet werden.“

Gemeinsam mit David Berger und Jürgen Fritz lauert Johannes Normann auch zur Weihnachtszeit in der bunten Welt der Ideen, die so viele schöne Bilder bereit hält, auf die Finsteren. Ins Darknet drängt sich am 16. Dezember im Schatten der Weihnachtsbäume der „schwarze Unterhosenmann“ sogar als Bewegtbild, als Relikt einer weit zurückliegenden Paläontologie, aber auf technisch neuestem Stand.

Im Video ist ein junger, muskulöser Schwarzer zu sehen, trotz Eiseskälte nur mit einer Unternhose bekleidet. Unvermittelt und immer wieder tritt er auf eine von ihm zu Boden gestoßene alte Frau ein. Offensichtlich folgt der junge Mann weniger einer politischen Agenda als einer psychischen Störung, was die Nachricht über seine anschließende Unterbringung in einer Psychiatrie belegt. (Quelle: nordbayerischer-kurier.de)

Das Video wurde in den „System-Medien“ aufgrund der Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Mannes systematisch gelöscht. Berger, Klonovsky, Fritz und Normann juckt das nicht. Das Video ist weiterhin auf ihren Blogs zu sehen. Normann läßt auf Vkontaktje sogar folgende Kommentare stehen, die Klonovskys ersehnten „Lynchmord“ des „nackten Mohren“ konkretisieren:

Johannes Heller: „Dieses schwarze Dreckschwein gehört sofort öffentlich hingerichtet!!!💩💩💩“

Sven Reintanz:

Vor dem Weihnachtsbaum

Mit Klugscheißen macht man sich keine Freunde. Ich auch nicht. Daher sitze ich dieser Tage alleine am Weihnachtsbaum und überlege, wie ich mir die Zeit vertreiben soll. Am liebsten würde ich lachen. Lachen hilft in jeder mißlichen Lebenslage. Daher habe ich beschlossen, Johannes Normann, Jörg Meuthen, Alice Weidel, Beatrix von Storch, Michael Klonovsky, David Berger und Jürgen Fritz zu einem Duell herauszufordern.

Es soll ein besinnliches Wort-Duell vor dem Weihnachtsbaum werden, im Licht der Weihnachtskerzen, in der Welt „positiver“ Objekte. Es soll um die Frage gehen, wie die These „Der Terror hat mit dem Islam zu tun“ mit der Karte der weltweiten „Tötungsraten“ und der Statistik des BKA über Ausländer- und Flüchtlingskriminalität zusammenpaßt.

DA JÖRG MEUTHEN, DAVID BERGER UND JÜRGEN FRITZ MICH IM NETZ BLOCKIEREN, WÄRE ICH FÜR DAS FLEISSIGE TEILEN DIESES DIGITALEN FEHDEHANDSCHUHS DANKBAR, DAMIT AUCH DIESE DEN VIRUS AUFNEHMEN KÖNNEN.

Ich hoffe, die Herausgeforderten schrecken nicht vor einem Duell zurück, dass Lachen bei ihren Gegnern auslösen könnte. Das schmerzt Neo-Rechte schlimmer als Prügel.

Wer nach weiterer Weihnachtslektüre Ausschau hält, empfehle ich folgende Beiträge zur Sache: „Gut für uns“ = „Wahr“: Eine Posse über Neonazis, „Identitäre, Alice Weidel und Beatrix von Storch und Zu Tisch bei Hegel und der AfD – Vom Hapern beim Denken

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