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Grudrun mit ihrer Mutter Marga und ihrem Vater Heinrich Himmler

Gudrun Burwitz, die Tochter von Heinrich Himmler, „Reichsführer SS“, ist tot. Sie starb am 24. Mai im Alter von 88 Jahren. Als ob sie damit ein letztes Mal „Heil Hitler“ sagen wollte. 88 steht in der Neonazi-Szene für zwei 8. Buchstaben des Alphabets: HH. Von den Verbrechen ihres Vaters hat sich Gudrun nie distanziert. Vielmehr hat sie sich nach 1945 politisch im Sinne ihres Vaters betätigt. Ein Appell an das Mitleid.

Die „Nazi-Prinzessin“

Gudrun Himmler wurde im August 1929 in München geboren. „Blonde Haare, mit blauen Augen und einer rosigen Nase“, schrieb ihre Mutter Margarete damals glücklich ins Babyjournal: Gudrun wurde früh als Vorzeige-Arierin getrimmt und nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten in der Bevölkerung ironisch auch als „Nazi-Prinzessin“ bezeichnet.

Im März 1935 hatte die Reichsregierung  das Land fest im Griff. Sie scherte sich auch nicht um den Versailler Vertrag, als sie die allgemeine Wehrpflicht einführte. Die Schaffung einer deutschen Luftwaffe war bereits im Werden. Wohin diese Vorbereitungen gingen, wurde trotz der Friedensbeteuerungen deutlich. Der „Führer“ spielte schon damals für Gudrun eine zentrale Rolle: „Muss der Onkel Hitler auch sterben?“, fragte die Fünfjährige ihre Mutter Marga. Die notierte die Frage in ihrem „Kindheitstagebuch“ und fügte hinzu: „Ich beruhigte sie und sagte, der Onkel Hitler lebt noch ganz lange“. Erfreut rief Gudrun: „100 Jahre, ganz lange, nein, Mami, ich weiß, 200 Jahre.“ Dann war Gudrun beruhigt eingeschlafen.

Im Januar 1937 forderte der Reichskommissar „für die Festigung deutschen Volkstums“, Heinrich Himmler, erstmals öffentlich die „Entjudung Deutschlands“. Sie könne am besten durch Mobilisierung des „Volkszorns“ und Ausschreitungen erreicht werden. Im Oktober wies das „Kampfblatt“ der SS, Das Schwarze Korps, auf die angeblich ungeschmälerte Macht der Juden in Handel und Industrie hin. Diese sei nicht länger zu dulden: Heute brauchen wir keine jüdischen Betriebe mehr. Am 9. November 1938 um 23.30 Uhr kam Himmler, Chef der deutschen Polizei, in Adolf Hitlers Wohnung in München, um Instruktionen zu bekommen. Nach einem Telefonat mit Himmler gibt der stellvertretende Gestapo-Chef, Heinrich Müller, um 23.55 Uhr eine Weisung heraus: „Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden, insbesondere gegen deren Synagogen, stattfinden. Sie sind nicht zu stören. Jedoch ist im Benehmen mit der Ordnungspolizei sicherzustellen, dass Plünderungen und sonstige besondere Ausschreitungen unterbunden werden können.“ Außerdem ordnet Müller an, die Festnahme von 20.000 bis 30.000 jüdischen Männern vorzubereiten: „Es sind auszuwählen vor allem vermögende Juden.“ – das Deutsche Reich brauchte Geld für die Kriegswirtschaft. (Quelle: welt.de)

Bei den Novemberpogromen – einschließlich der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November –, die vom nationalsozialistischen Regime organisierten und gelenkten Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich, wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, wo Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben.

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„Puppi“ und „Pappi“ bei einer Sportveranstaltung 1938 in Berlin

Ende 1938 begann Heinrich Himmler eine Affäre mit seiner Sekretärin Hedwig Potthast. „Man muss im Leben immer anständig und tapfer sein – und gütig“, schrieb er ins Poesiealbum seiner Tochter. Gudrun war oft einsam und litt darunter, dass ihre Mutter  „fast keinen Menschen um sich haben“ konnte. Aber ihren Vater vergötterte sie. (Quelle: Geheimnisse des „Dritten Reichs“) Sie vermisste ihren „Reisepappi“. Er nannte sie „Püppi“, war meist viel zu beschäftigt und schrieb eher sporadisch Briefe. Oft kam er nur zu kurzen Stippvisiten von Berlin zum Haus der Familie am bayerischen Tegernsee – z. B. am 19. Juni 1941:

Himmler hatte die Urlaubsperre für sich aufgehoben. Er flog von seinem Dienstsitz in Berlin für 36 Stunden zu seiner Frau Margarete und Tochter Gudrun. Die Familie machte einen Ausflug ins idyllische Valepptal und ließ sich dort beim fröhlichen Herumtollen in der Natur fotografieren. Himmler wusste bei diesem Ausflug genau, was in weniger als 72 Stunden, noch vor dem sonntäglichen Morgengrauen, beginnen würde: das Unternehmen „Barbarossa“, der Überfall auf die damals noch mit Nazi-Deutschland verbündete Sowjetunion. Seiner Organisation, der Schutzstaffel (SS) der NSDAP, waren bei dieser militärischen Operation entscheidende Aufgaben zugedacht: Vier Einsatzgruppen aus SS-Männern und Polizisten sollten hinter der vorstürmenden Wehrmacht potenzielle Gegner bekämpfen – und vor allem die Juden unter ihnen töten. (Quelle: welt.de)

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Familie Himmler

Das ganze Volk schaut auf ihn“, schrieb Gudrun im Sommer 1941 als Zwölfjährige über ihren Vater in ihr Tagebuch. „Er hält sich immer so zurück und tut sich nicht hervor.“ Einen Orden habe er verdient, notierte sie an anderer Stelle. „Püppi konnte nicht begreifen, dass Du geschrieben hast, Du könntest nicht mehr so lachen wie 1936“, schrieb Marga ihrem Mann 1941: „Vielleicht ist es doch ganz gut, dass sie sich den Krieg noch nicht vorstellen kann.“

Nach dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion am 22. Juni 1941 kümmerte sich Heinrich Himmler persönlich intensiv um die Mordaktionen gegen die politischen Kommissare der Roten Armee, die kommunistischen Funktionäre und die „jüdisch-bolschewistische Intelligenz“. Er ließ sich täglich Bericht erstatten, besuchte wiederholt die Einsatzorte und sah auch bei Massenerschießungen zu.

Im Juli 1941 nahm Himmler seine Tochter Gudrun mit in das KZ Dachau. Sie trug ein Sommerkleid und eine Schleife im Haar, sogar ihre Freundin Röschen durfte sie mitnehmen zu diesem Ausflug nach Oberbayern. Sie war beeindruckt von dem, was der Vater ihr vorführen ließ: „Ein sehr großer Betrieb.“ Zum KZ-Komplex gehörte auch ein „Kräutergarten“, in dem die SS Heil- und Gewürzkräuter züchten ließ. Unter welch mörderischen Umständen das geschah, erfuhr Gudrun bei ihrem Familienausflug nicht. Das Mädchen notierte nach dem Besuch nur, dass sie die große Gärtnerei gesehen hätten, die Mühle, Bienen, Kräuter, die ganzen Bilder, die Sträflinge gemacht hätten. „Dann haben wir gegessen, viel, dann hat jeder etwas geschenkt bekommen.“ Ihr „Pappi“ kam ihr wie ein Held vor. (Quelle:  welt.de)

Im September 1941 befahl Adolf Hitler, die Juden aus dem Reich und dem Protektorat bis Ende des Jahres nach Osten zu deportieren. Die Erschießungsaktionen sah Heinrich Himmler als schwere psychische Belastung seiner Einsatzgruppen an. Als ihm im Oktober 1941 vorgeschlagen wurde, in Belzec ein Vernichtungslager mit Gaskammern einzurichten, stimmte er sofort zu und gab gleich den Startschuss für weitere. Bis Ende 1941 brachten Himmlers Einsatzgruppen etwa eine halbe Million Menschen um. Als nach der Wannsee-Konferenz im Frühjahr 1942 die Organisation ausgearbeitet und die Vernichtungslager bereit waren, begann der systematische Abtransport der europäischen Juden. Himmler war der Organisator der „Endlösung“.

Der Tod durch Vergasung kam nicht leise und schnell: Nur jeder Zweite kann das Zyanid riechen – es hat den Geruch von Bittermandeln und Marzipan. Es ist leichter als Luft und dringt beim Einatmen auch in die kleinsten Verästelungen der Lunge. Dort blockiert es die Zellatmung. Zuerst werden das Gehirn und das Herz angegriffen. Es beginnt mit einem stechenden Gefühl im Brustkorb und führt dann zu krampfartigen Schmerzen, die mit epileptischen Anfällen vergleichbar sind. Am ursprünglich als Schädlingsbekämpfungsmittel entwickeltem Blausäure-Gas litten Kinder wesentlich länger. Bei geringerer Konzentration hatte der Todeskampf 30 bis 60 Minuten gedauert. In der Regel dauerte es zehn bis zwölf Minuten, bis keine Schreie mehr zu hören waren. Die Vergasten waren ineinandergeklammert, kaum möglich, sie auseinanderzubekommen. Einmal überlebte ein Baby das Zyklon B, das an der Brust seiner Mutter hing und während des Vergasungsvorgangs wohl gerade getrunken hatte. Als die Tür geöffnet wurde, war ein Wimmern zu hören. Die Männer vom „Sonderkommando“ konnten es nicht glauben, aber zwischen all den Leichen lebte wirklich ein Baby, ein kleines Mädchen, das weinte und schrie, weil keine Milch mehr kam. Eine SS-Wache tötete es dann mit einem Schuss. (Quellen: faz.net, news.de)

Hedwig Potthast brachte am 15. Februar 1942 den gemeinsamen Sohn mit Heinrich Himmler, Helge, zur Welt. Wann genau  Himmlers erste Familie von der zweiten erfuhr, ist nicht bekannt. Aus Margas und Gudruns Tagebuch lässt sich aber ablesen, dass er kurz nach Helges Geburt zwei Tage am Tegernsee verbrachte. Womöglich beichtete er sein Verhältnis bei diesem Besuch. Am 3. Juni 1944 brachte seine Geliebte „Häschen“ das zweite Kind zur Welt, Nanette Dorothea.

„Püppi“ machte sich derweil Gedanken über den Verlauf des Zweiten Weltkriegs. „Überhaupt tut sich jetzt etwas, die Invasion hat in der Nacht vom 5. zum 6. Juni begonnen in der Normandie“, schrieb die Vierzehnjährige am 15. Juli 1944. „In Russland sind die Russen schon fast an der Grenze, einfach furchtbar, aber alle glauben sie so fest an den Sieg (Pappi), dass ich als Tochter des jetzt besonders angesehenen und beliebten Mannes es auch denken muss.“ Es wäre „ja gar nicht zum Ausdenken, wenn wir verlieren würden“.

Fassungslos war Gudrun nach dem Anschlag auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. „Wie ich es gehört habe, gerade wie wir vom Baden kamen, habe ich fast geheult“, vertraute sie ihrem Tagebuch an, nachdem die von Claus Schenk Graf von Stauffenberg bei einer Besprechung im Führerhauptquartier Wolfsschanze deponierte Sprengladung den Diktator nur leicht verletzt hatte. Gott sei Dank sei ihr Pappi nicht dabei gewesen, „aber er hat ja im Grunde die letzte Verantwortung“.

Als im März 1945 die Kriegsverbrechen nicht mehr zu übersehen waren und das Ende des „Tausendjährigen Reiches“ schon nach zwölf Jahren nahte, schrieb die 15-Jährige noch in ihr Tagebuch: „Pappi hat den Volkssturm verkündet in einer herrlichen Rede.“ Im Mai ’45 kollabierte das Nazi-Regime, Heinrich Himmler half ein letztes Mal seiner Familie. Er organisierte mit einem engen Mitarbeiter aus seinem Stab ihre Flucht vom Tegernsee nach Südtirol. „Wo wir hingehen, muss ganz geheim bleiben“, schrieb Gudrun ins Tagebuch.

„Püppi“ und „Pappi“ sahen einander nie wieder. Heinrich Himmler wurde am 20. Mai 1945 beim Fluchtversuch über die „Rattenlinie Nord“ gefasst. Drei Tage später nahm er sich beim Verhör in Lüneburg per Zyankalikapsel das Leben und entzog sich so der Verantwortung für die Verbrechen, die er begangen hatte. Als Gudrun im August 1945 vom Tod ihres Vaters erfuhr, reagierte sie mit einem totalen körperlichen Zusammenbruch. Sie wollte den Selbstmord ihres Vaters nicht wahrhaben und unterstellte einen Mord.

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Gudrun (rechts) mit ihrer Mutter Margarete beim Internationalen Militärtribunal in Nürnberg am 24. November 1945 – Source: USHMM Photograph #83123, courtesy of National Archives and Records Administration, College Park

„Unsere Ehre heißt Treue“

Wegen ihres Nachnamens kassierte Gudrun Absagen, als sie sich als Schneiderin oder Sekretärin bewarb. Aber stolz sagte sie in Vorstellungsgesprächen stets: „Mein Vater war Reichsführer SS.“ Den Vorschlag, ihren belasteten Namen zu ändern, lehnte sie empört ab. „Man beginnt ein neues Leben nicht mit einer Lüge. Ich bleibe die Gudrun Himmler.“ In ihren Wohnungen hing in einem Silberrahmen immer ein großes Porträtfoto ihres Vaters. „Mein Vater war kein Monster“, behauptete sie. Ganz im Gegenteil sei ihr Vater ein großer Mann gewesen, der gänzlich missverstanden worden sei. In einem Buch wollte sie all die angeblichen Lügen, die über ihn ihrer Ansicht nach verbreitet wurden, zurechtrücken. Ein Manuskript scheint es gegeben zu haben, aber ein Buch ist nie erschienen.

1959 legte Gudrun in ihrem einzigen Interview ihre Geisteshaltung offen: „Ich sehe es als meine Lebensaufgabe an, ihn vor der Welt in ein anderes Licht zu stellen. Mein Vater ist als der größte Massenmörder aller Zeiten verschrien. Ich will versuchen, dieses Bild zu revidieren.“ Ihm sei doch „nur die Müllabfuhr des Reiches“ übertragen worden. Vermutlich von Ende 1961 bis zum Herbst 1963 war Gudrun dennoch beim BND in Pullach unter anderem Namen als Sekretärin angestellt. Die alten Seilschaften der Nazis funktionierten.

Erst später hieß sie Gudrun Burwitz, nachdem sie Wulf-Dieter Burwitz in den 1960er-Jahren geheiratet hatte, einen bayerischen NPD-Funktionär und Verfasser rechtsextremer Schriften. Sie hatten zwei Töchter bekommen und lebten zurückgezogen in einem schmucklosen weißen Haus in Fürstenried bei München. Im Alter war Gudrun eine eher unscheinbare Frau. Nur wenige Fotos gibt es von ihr. Auf diesen wirkt sie bieder und schüchtern. Man könnte diese Frau für eine pensionierte Lehrerin halten. Doch Gudrun hatte nicht einfach einen geruhsamen Lebensabend im Sinn. Sie verbrachte ihre Zeit damit, aus Tätern Opfern zu machen. (Quelle: tagesspiegel.de)

Bei der „Stillen Hilfe“ unterstützte sie jahrzehntelang Altnazis: mit ärztlichen Attesten für Haftunfähigkeit, mit Gnadengesuchen und Geldspenden, ebenso mit der Suche nach einer „standesgemäßen“ Wohnung oder einem Altersheimplatz für verdiente SS-Führer, getreu dem alten SS-Motto: „Unsere Ehre heißt Treue.“ Zu den Nutznießern der „Stillen Hilfe“ gehörten bekannte NS-Verbrecher wie Erich Priebke, Anton Malloth oder Klaus Barbie, der berüchtigte „Schlächter von Lyon“. Bis 1993 war der Verein als gemeinnützig anerkannt. Gudrun half zudem bei der Bildung der „Wiking-Jugend“, einer neonazistischen Kinder- und Jugendorganisation, die sich in der Nachfolge der „Hitler Jugend“ sah und 1994 vom Bundesinnenminister verboten wurde. (Quelle: Geheimnisse des „Dritten Reichs“)

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1995 trafen sich in Österreich alte und junge Nazis mit Gudrun Burwitz als „Star der braunen Szene, angehimmelt wie eine Prinzessin“; an der Bluse hatte sie eine silberne Brosche mit Pferdeköpfen in Hakenkreuzform getragen. Nahe Klagenfurt empfing sie einige frühere SS-Führer wie zur Audienz und befragte sie streng, wo sie gedient hätten. Die Kameraden nahmen gleich Haltung an: „5. SS-Panzer-Division Wiking“. – „Freiwilliger in der Dänischen Waffen-SS?“ – „Jawoll!“

Im hohen Alter galt sie auch als die „gute Mutter“ von Frauen-Vereinigungen, die sich der Verbreitung der NS-Ideologie an Schulen widmen, schrieb die britische „Daily Mail“. 2011 beschrieb ein deutscher Verfassungsschützer sie so: „Sie ist über 80, aber bei klarem Verstand. Ihr gefällt es, wenn man sie als Art Mrs. Doubtfire, eine Art stacheliges, aber liebenswürdiges Kindermädchen sieht“ – das sie aber ganz und gar nicht ist“.

Am Ende ihres Lebens hätte es fast noch durch einen Zufall einen letzten Beleg für ihre besondere Nähe zu ihrem Vater gegeben. „Püppi“ starb am 24. Mai, „Pappi“ am 23. Mai. Aber vielleicht hat gerade der Todestag von „Pappi“ „Püppi“ das Herz gebrochen. (Quellen: spiegel.dewelt.de, focus.de)

Blut ist dicker als Tränen

„Ehre deinen Vater und deine Mutter, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat, damit du lange lebst und es dir gut geht in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.“ lautet das fünfte biblische Gebot. Viele Kommentatoren der Nachricht vom Tod Gudrun Burwitz in der Welt argumentieren noch heute in diesem Sinne und ernten zahllose Zustimmungen. (Quelle: welt.de) Anders als Gudrun Himmler oder auch Edda Göring und Horst Mahler hat sich Niklas Frank nicht an dieses Gebot gehalten:

„Mein Vater Hans Frank war als Generalgouverneur von Polen und gesetzlicher Stellvertreter Hitlers dort für jeden Mord verantwortlich. Dass Polen nicht privater Besitz unserer Familie war, fand ich heraus, als 1945 unser Vater von den Amerikanern verhaftet und vor Gericht gestellt wurde. Die Fotos von Leichen aus deutschen Vernichtungslagern im Generalgouvernement, die im Sommer 1945 veröffentlicht wurden, gaben mir einen Schock, der bis heute anhält. Mein Vater hat nie wirklich seine Verbrechen bereut und wurde zu Recht gehenkt. (…)

Das Wort Aufarbeitung beinhaltet schon immer: Wenn wir die erledigt haben, ist alles wunderbar, als wäre es nie geschehen! Nein, es ist die Anerkennung unserer Verbrechen. In der Zeit der Entnazifizierung hätten Tausende von Psychotherapeuten die Nazis auf die berühmte Couch legen müssen, um sie dazu zu bringen, sich vor allem ihrer eigenen Feigheit bewusst zu werden und sie auszusprechen. (…)

Natürlich sind beides (Feigheit und mangelnde Zivilcourage) Charakteristika des Menschlichen. Aber wir Deutschen müssten eben inzwischen wissen, wohin mangelnde Zivilcourage und Feigheit führen: in die Gaskammern! Also müssten wir gefeit sein gegen Rassenhass, Intoleranz und Verfolgung von Unschuldigen. (…)

Lernen hieße für uns Deutsche, sich in unsere Opfer hineinzuversetzen. Sich selbst einmal vorzustellen, wie es ist, wenn einem nach einer tagelangen Reise im überfüllten Viehwaggon auf der Rampe von Auschwitz-Birkenau das über alles geliebte Kind aus dem Arm gerissen wird. Die schweigende Mehrheit von uns Deutschen hat sich diesem schmerzlichen Weg von Anfang an verweigert: Es waren ja „nur“ Juden.“ (Quelle: sdp.fnp.de)

Damit bringt Niklas Frank eine weitere Charaktereigenschaft ins Spiel, die sich auf die Verarbeitung bzw. Vorbeugung von Schuld auswirkt: Empathie. Sie gilt als Teil unseres evolutionären Erbes, auf dem die Voraussetzungen zu sozialem und moralischem Verhalten basieren. Sie gehört als Möglichkeit zur Grundausstattung des Menschen und kann durch Sozialisation gefördert, behindert oder zerstört werden. Statt Empathie hat Heinrich Himmler seiner Tochter Gudrun Anstand, gute Manieren, Gehorsam und Fleiß in der Schule gepredigt.

Heute wird von Empathielosen „Gutmensch“ als Begriff zur Diffamierung von Menschen mit Mitleid gegenüber Flüchtlingen benutzt, das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte als „Vogelschiss“ verharmlost, von „Schultkult“ und „Asyltourismus“ schwadroniert sowie Organisatoren von Rettungsschiffen kriminalisiert. In dieser Zeit sind rund 5000 Migranten im Mittelmeer ertrunken, allein 2017 mindestens 2925 Flüchtlinge. Die Dunkelziffer liegt womöglich deutlich höher. (Quelle: fr.de)

Physiologisch erleidet ein Ertrinkender nacheinander fünf Stadien mit tödlichem Ausgang: Durch den Schreck des Eintauchens schnappt er über einen Reflex ein letztes Mal tief nach Luft. Mit dem Sauerstoff versucht er seinen Körper maximal lang vor dem Ersticken zu retten. Tauchen dann seine Nase und sein Mund unter, muss er die Luft anhalten. Ist er untrainiert, gelingt ihm dies für rund eine quälende Minute. Nach dem ihm die Luft ausgegangen ist, kitzelt es in seinem Atemzentrum, weil sich Kohlendioxid in seinem Blut konzentriert hat. Ob er will oder nicht: Im nächsten Augenblick versuchen seine Lungen, nach Luft zu ringen. Wasser bohrt sich in seine Bronchien, sein Zwerchfell verkrampft und würgt. Das Wasser vermischt sich mit dem Sekret und Rest von Luft in seinen Bronchien; ein eiweißhaltiger weißer Schaum kriecht über die Atemwege in den Mund und die Nase. Alle Muskeln des Körpers beginnen unkontrolliert zu zucken, da die Sauerstoffkonzentration im Gehirn zu gering geworden ist. Endlich hat das Stadium der Bewusstlosigkeit eingesetzt. Die automatischen Atmungs-Versuche fallen als Nächstes aus. Spielt sich der Todeskampf im Salzwasser ab, injizieren die Lungenbläschen große Mengen Kalzium- und Magnesiumionen ins Blut. Das Herz bleibt stehen, wenig später das Gehirn. Die Verwandlung in eine Leiche hat begonnen.

Aber es sind ja nur Flüchtlinge.

Lesen Sie zur Auseinandersetzung von Kindern mit ihren nationalsozialistischen Eltern auch die Beiträge auf diesem Blog Edda Göring – Das Blut der Nazis ist dicker als die Tränen der Juden und Die „Rattenlinien“ des Horst Mahler!

Das Vermächtnis von Claus Schenk Graf von Stauffenberg können Sie ebenfalls auf diesem Blog nachlesen.

 

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2 Kommentare zu „Gudrun Himmler – Blut ist dicker als Tränen, immer noch

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