Die Ankündigung der Sendung „Tischgespräch“ mit David Berger, die am 23. Januar 2019 von 20.04 – 21.00 Uhr vom WDR 5 ausgestrahlt werden soll, hat Kritik in den Sozialen Medien ausgelöst. WDR 5 wird vorgeworfen, mit Berger einem Menschen Sendezeit zu geben, der einen rechtsradikalen Blog betreibe.

Spätestens seit dem 20. Januar ist dem WDR 5 der Text „Biologische Invasion“ auf Bergers Blog Philosophia Perennis bekannt. Diesen hatte ich dem Sender bereits am 17. Januar zugespielt, ohne ein Antwort zu erhalten. Am 20. Januar nahm Diether Ast auf meinen Tweet Bezug und erhielt folgende Reaktion:

Am 17. Januar war der fragliche Titel „Biologische Invasion“ auf Bergers Blog noch online. Spätestens seit dem 20. Januar heißt es unter dieser Adresse: „Uuuups … Fehler 404“. Der Text findet sich aber noch auf archive.today. Im Folgenden eine Dokumenation von Bergers Philosophie und Beiträgen auf seinem Blog, die rassenbiologische Positionen vertreten und heute, am 21. Januar, noch online sind – mit der Bitte an WDR 5, die Veröffentlichung des „Tischgespräch“ mit David Berger zu stornieren oder zumindest „kritsch-journalistisch“ einzuordnen.

Am 30. April 2018 ließ David Berger auf seinem Blog Philosophia Perennis die Gast-„Autorin“ Sus Scrofina folgendermaßen zu Worte kommen:

„Auf globaler Ebene stellen invasive Arten eine der größten Bedrohungen der biologischen Vielfalt dar. Diese invasiven Arten (Neobiota), im englischen „Invasive Alien Species“ (IAS), haben erhebliche negative Einflüsse auf die biologische Diversität, wenn sie zum Beispiel einheimische Arten aus ihrem Lebensraum verdrängen. (…)

Neben dem Buschwindröschen, das durch den sich invasionsartig ausbreitenden kaukasischen Wunderlauch verdrängt wird, den Miesmuschelbänken im Wattenmeer, die der Expansion der pazifischen Auster nicht gewachsen sind oder dem europäischen Edelkrebs, der durch die Einschleppung des amerikanischen Flusskrebses schon fast ausgerottet ist, gilt meine Sorge auch meinem eigenen Volk.

Unsere Kultur, unsere Lebensweise, unsere Freiheit, unsere Werte und unsere Menschen könnte man so einfach schützen, wenn unsere Regierung und die Verantwortungsträger unserer Gesellschaft, insbesondere die rot-grün angemalten, ein paar Lehren aus der wissenschaftlichen Ökologie und Biodiversitätsforschung ziehen und namentlich die Grundlagen der Invasionsbiologie auf die biologische Spezies „Mensch“ übertragen und ernst nehmen würden, anstatt immer weiter ideologisch verbohrt ihrem brandgefährlichen Experiment „Multikulturalismus“ zu frönen.

Neuthomist in der Tradition von Thomas von Aquin

Was „reitet“ David Berger, solche Texte auf seinem Blog zu veröffentlichen? Berger wurde einer größeren Öffentlichkeit durch seine Bekenntnisautobiographie „Der heilige Schein“ bekannt. Darin berichtet er von seiner Karriere als schwuler Theologe in der katholischen Kirche. Damals galt sein besonderes Interesse dem Glaubensfanatismus des mittelalterlichen Kirchenlehrers Thomas von Aquin. Bergers Denken wurde bis heute durch den Kirchenlehrer geprägt. In einem solchen Denksystem von Herrschaft und Gehorsam, von Gut und Böse, Schwarz und Weiß, hat Berger Karriere gemacht.

Berger hatte in seiner Promotion Karl Rahner angegriffen, jenen Theologen, der maßgeblich hinter der Öffnung der katholische Kirche zur modernen Welt stand. Damit hatte er sich in reaktionären katholischen Kreisen einen Namen gemacht und erhielt viele Einladungen zu Vorträgen. Er nahm an katholischen „Herrenabenden“ teil, bei denen bekennende Rechtsradikale und verurteilte Volksverhetzer auftraten und Antisemitismus zum guten Ton gehörte.

Da es offenbar in diesen Kreisen an jungen klugen Köpfen mangelte, konnte er schnell Karriere machen, die Promotionsstelle wurde ihm ebenso hinterhergetragen wie später die Herausgeberschaft der Zeitschrift „Theologisches“. Berger wude Mitglied der Päpstlichen Akademie des Heiligen Thomas von Aquin und Vizepräsident der Deutschen Thomasgesellschaft. An der Katholischen Uni Lublin habilitierte er sich im Fach Dogmatik. Er entwickelte den Ehrgeiz, „Theologisches“ gegen die „Vulgärtraditionalisten“ von kreuz.net zu einer ernst zu nehmenden Stimme des Rechtskatholizismus gegen gesellschaftlichen Fortschritt aufzubauen.

Durch seine Arbeit kam Berger mit vielen Erzkonservativen der umstrittenen Piusbruderschaft, der Opus-Dei-Laienorganisation, der „Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“ und dem Engelwerk zusammen. Überrascht stellte er fest, dass sich gerade am rechten Rand der Kirche viele homosexuelle Männer wie er sammeln – unter den Gläubigen wie unter den Priestern. Als die Konflikte mit kreuz.net eskalierten, versuchten ihn seine Förderer als Schwulen zu diffamieren. Das heute verbotene kreuz.net deckte schließlich Bergers Facebook-Kontakte zu Homosexuellen und Verbindungen zur Gay-Szene auf.

Berger blieb nichts anderes übrig, als sich zu outen – mit dem Artikel „Ich darf nicht länger schweigen“ in der Frankfurter Rundschau im April 2010. Es kam, wie es kommen mußte, der Bekenner wurde gemobbt und seiner Ämter enthoben. Zwei Jahre später erschien sein Buch „Der heilige Schein“. Das war so reaktionär, daß selbst konservative Kollegen sich von ihm abwandten. Dennoch wurde Berger in fast jeder deutschen Talkshow von Anne Will bis Markus Lanz als aufklärerischer Vorzeige-Homo gefeiert. 2013 wurde er sogar Chefredakteur der schwulen Monatszeitschrift Männer. Im Februar 2015 wurde er fristlos entlassen, weil er wenige Tage nach dem 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz für die Veröffentlichung eines den Holocaust relativierenden Textes mitverantwortlich war. (Quellen: tagesspiegel.dediekolumnisten.de)

Im Juni 2016 ging Bergers Blog Philosphia Perennis online. Der Begriff „Philosophia perennis“ (lat., „immerwährende bzw. ewige Philosophie“) bezeichnet die Vorstellung, der zufolge bestimmte philosophische Einsichten über den Menschen, die Natur und den Geist (bzw. Gott) über Zeiten und Kulturen hinweg ewig, unveränderlich und universal gültige Wahrheiten sind. In der modernen Philosophiegeschichtsschreibung wird der Terminus meist nur noch von einigen christlichen Philosophen und Neuthomisten in der Tradition von Thomas von Aquin verwendet, der in der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird. Ansonsten wird die These heute zumeist als historisch unhaltbar angesehen.

Auch wenn sich Bergers Glaubensfanatismus gegen die eigene homosexuelle Community wendet – gegen die ‚Homoehe‘, das Adoptionsrecht für Homosexuelle, Aufklärung und die AIDS-Hilfe – und er sich hierzu sogar mit der italo-faschistischen „CasaPound“ verbrüdert (Quellen: queer.de, queer.de, queer.deaidshilfe.de), ist Bergers Blog inhaltlich gesehen in erster Linie so etwas wie die Fortführung seines Kampfes gegen die Homo-Feindlichkeit der katholischen Kirche mit härteren Bandagen: gegen die (vermeintliche) des Islams (und dessen Verteidiger: Linke und Grüne) mit dem Furor von kreuz.net. Es sind zumeist Gastautoren, die dort auf üble Weise gegen Asylbewerber und den Islam hetzen. Im Folgenden einige Beispiele von Positionen von Gast-„Autoren“ auf Philosophia Perennis, die noch online sind und für die Berger als Blog-Betreiber verantwortlich ist: Positionen, die offensichtlich aus Bergers Sicht „ewige, unveränderliche und universal gültige Wahrheiten über Menschen“ verbreiten, zumal sich auf Bergers Blog nirgends ein „Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar“ findet.

„Ewige, unveränderliche und universal gültige Wahrheiten über Menschen“

24. August 2016

Frisch im Blog-Geschäft läßt Berger den Gast-„Autoren“ Jürgen Fritz mit einem Beitrag über den islamischen Dschihad zu Worte kommen. Der Titel lautet viel versprechend „An die Heuchler auf beiden Seiten: Ihr widert mich an!“:

„Womit wir es also zu tun haben, ist eine multistrategische und mehrdimensionale Kampfführung zur Durchsetzung des angestrebten Zieles, wobei dies dem einzelnen Muslim, der das alles kaum zu durchschauen imstande ist, meist nicht bewusst ist, er die Zusammenhänge nicht begreift, ähnlich wie eine Ameise nicht versteht wie ein Ameisenstaat funktioniert, sondern einfach das ihr von der Natur vorgegebene innere Programm abspult, was aber im Zusammenspiel mit all ihren Artgenossen auf einer höheren Ebene eine Ordnung ergibt, die das Überleben sichert. Oder vergleichbar einem Vogelschwarm, bei dem, ohne dass lange „Gespräche“ oder Überlegungen stattfinden müssen, der gemeinsame Flug durch äußere Signale und vor allem innere, unbewusste Programme koordiniert ist. Das einzelne Tier weiß nie, wie das Zusammenspiel im Großen funktioniert, versteht die Zusammenhänge nicht, sondern macht einfach das, was ihm das innere Programm vorschreibt.

Einem solchen inneren Programm, welches nun aber nicht durch die Natur vorgegeben ist, sondern in die kleinen Kinder quasi eingepflanzt wird, folgen auch alle Muslime (…).“

Der Autor vergleicht also Muslime mit Tieren, speziell mit solchen, die Schwarmverhalten zeigen und einfach das machen, was ihnen „das innere Programm vorschreibt,“ die also „kaum zu durchschauen imstande“ sind und „die Zusammenhänge nicht“ begreifen.

21. Mai 2017

Unter dem Titel Akif Pirinçci: „Özoğuz ist eine von den Deutschen alimentierte Sprechpuppe im Dienste ihrer eigenen Umvolkung“ zitiert David Berger auf seinem Blog scheinbar genüßlich aus einem Text von Akif Pirinçci, der einst mit Katzen-Krimis Furore machte und im März 2017 wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Es geht um die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz:

„Ihr Erscheinungsbild erinnert an eine karge anatolische Felslandschaft.“

„Es dürfte schwer sein, jemanden im Lande aufzutreiben, der das deutsche Wesen aus dem tiefsten Grunde seines Herzens derart haßt wie Özoguz.“

„Aydan (Özoguz) hat wie alle Mindertalentierten, insbesondere fremdländischer Natur, die keine Wertschöpfung generieren und einfach mit Doof-Blabla vom Staat Managergehälter abkassieren Geschwätzwissenschaften studiert.“

„Özoguz ist eine von hart arbeitenden Deutschen zwangsweise alimentierte Sprechpuppe im Dienste ihrer eigenen Umvolkung.“

Am Ende des Beitrages kommentiert Berger:

„Pirinçcis Vorgehen erinnert ein wenig an eine Putz-Kolonne, die unter Einsatz all ihres technischen Geräts und schwerer Chemikalien eine total versiffte, über Jahrzehnte abgewohnte und nicht mal ansatzweise gereinigte Wohnung säubert. Da hilft es auch nichts, mit einem Seidentüchlein mal sanft über das zentimeterdicke Gemisch aus Küchenfett, Schweißdämpfen, Staub, Fliegenkot und Tabak-Ablagerungen zu streicheln.“

Für Berger ähnelt Özoguz also einer „versifften“, dreckigen Wohnung. Dann zitiert er noch einmal Pirinçci, der Özoguz empfiehlt, in ihren „Kulturraum“ zurückzukehren. Dort könne sie zusammen mit anderen „ohne Anpassung an ‚unser Wertesystem‘ den ganzen Tag Regentänze aufführen zu einem Gangsta-Rap über Arschficken, worin die musikalischen Genies (ihrer Kultur) ja führend sind.“

Ja, „Ethnopluralisten“ kaschieren heute den Begriff „Rasse“ mit „Kultur“.

28. Dezember 2018

Einmal wieder läßt Berger auf seinem Blog Jürgen Fritz antanzen, dieses Mal zum Thema „Warum wir keine Moscheesteuer, sondern ein Islamausübungsverbot benötigen“:

„Islamische Gemeinschaften sind bislang auf Spenden angewiesen. Dies läuft darauf hinaus, dass viele Moscheen aus dem Ausland finanziert werden, vor allem aus der Türkei und der arabischen Welt, die danach trachten, ihre jeweilige islamische Weltanschauung gleich einem geistigen Virus überall in Europa und natürlich auch Deutschland in den jeweiligen Wirtskörper einzupflanzen und im Laufe der Jahrzehnte immer mehr anwachsen zu lassen, um Europa vor allem über einen biologischen Dschihad gleichsam von innen zu erobern, weil sie zu einer Eroberung von außen nicht fähig sind.“

Der Begriff „biologischer Dschihad“ verlinkt auf den Jürgen Fritz Blog, wo zu lesen ist:

„Eine der schlagkräftigsten islamischen Waffen aber ist die biologische, genauer: die exorbitante Reproduktionsrate. Gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltweit knapp 200 Millionen Muslime, so sind es heute schon über 1,6 Milliarden. Mehr als achtmal so viele! Und die Zahl wächst von Jahr zu Jahr rasant weiter. Die Muslime sind die einzige Religionsgemeinschaft auf diesem Planeten, die schneller wächst als die Weltbevölkerung insgesamt und zwar doppelt so schnell wie diese. Wie schafft der Islam dies? Auch hier lautet das Stichwort: durch sein eingebautes Dschihad-System.“

Fritz biologisiert den Dschihad also als „eingebautes Dschihad-System“. Auf seinem eigenen Blog und auf theeuropean.de offenbart er, welches Menschenbild ihn dabei leitet:

“Auch dass Mensch-sein nicht ein je schon Gegebenes ist, sondern ein zu Verwirklichendes, ist kaum verstanden. Dies ist aber die Voraussetzung, um sich klar zu machen, dass die oben Genannten (Afrikaner und Muslime) was ihre Seele anbelangt im Durchschnitt auf einem vollkommen anderen Level sind. (…)

(…) Fakt ist nun mal, dass es unabhängig von dieser IQ-Weltkarte riesige Unterschiede gibt sowohl in der intellektuellen als auch in der moralischen und charakterlichen sowie der gesamten kulturellen Entwicklung. (…)”

(…) es geht darum, die vielfach höher entwickelte Kultur (die Europäische) nicht zu zerstören, indem sie von innen heraus quasi entseelt wird, so dass sie früher oder später wie morsch geworden in sich zusammenbricht.” (Quelle: juergenfritz.com)

“Geschöpfe aber aus anderen Kulturkreisen massenweise immigrieren zu lassen, die in aufklärungs- und menschenrechtsfernen oder gar aufklärungs- und menschenrechtsfeindlichen Kulturen erzogen und sozialisiert wurden, die also auf ein Leben als autonomes Wesen in keiner Weise vorbereitet worden sind, ist daher in höchstem Maße selbstzerstörerisch, weil hierdurch die Grundlagen der Aufklärung und des Menschenrechtsdenkens in der Gesellschaft vollkommen abgegraben werden. Dies zeigt sich dann beispielsweise in den Kriminalitätsraten (…).

(…) Was sie jedoch sehr schnell rauskriegen, ist, wie sie hieraus Forderungen für sich selbst ableiten können. Wie sie daraus persönliches Kapital schlagen können. (…) Sie verhalten sich vielfach parasitär und damit natürlich nicht gerade moralisch einwandfrei.

Nicht wenige Muslime wollen dieses ganze System sogar zerstören, von dem sie selbst aber ungemein profitieren, und würden auf lange Sicht gerne ihre eigene Weltanschauung durchsetzen, in der für Aufklärung und kritisches Denken wenig Raum ist.” „Quelle: theeuropean.de)

Diese Äußerungen von Jürgen Fritz, dessen Mentor David Berger ist und dessen Beiträge er gegen die Facebook-Sperren immer wieder verteidigt, erinnern in fataler Weise an eine Rede auf einer NSDAP-Versammlung im Jahr 1923:

“Der Jude ist wohl Rasse, aber nicht Mensch. Er kann gar nicht Mensch im Sinne des Ebenbildes Gottes, des Ewigen sein. Der Jude ist das Ebenbild des Teufels. Das Judentum bedeutet Rassentuberkulose der Völker. (…)”

“Der Jude als Rasse hat eminente Selbsterhaltung, als Mensch aber besitzt er keine kulturelle Befähigung. Er ist ein Dämon der Völkerzersetzung, das Symbol der dauernden Zerstörung der Völker.” 

Ich wiederhole meine Bitte an WDR 5 eindringlich, die Veröffentlichung des „Tischgespräch“ mit David Berger zu stornieren oder zumindest „kritsch-journalistisch“ einzuordnen.

Reaktionen

Reaktion von David Berger auf Philosphia Perennis:

„UPDATE 22.01.19, 17 H: DEUTSCHLANDFUNK DISKUTIERT DARÜBER, OB MAN MIT MENSCHEN WIE MIT MIR ÜBERHAUPT REDEN DARF

Auch wenn Berger das von der offensichtlich schlampig recherchierenden Brigitte Baetz Behauptete nie gesagt habe (das war ein Gastbeitrag einer Ärztin, der inzwischen gelöscht ist, weil sie Angst bekam, dass sie als Urheberin bekannt wird), dennoch erfreulich, dass jetzt die Diskussion etwas erweitert und verhältnismäßig sachlich angegangen wird.

Auch wenn man sich fragen kann, inwieweit nicht bereits die Ausgangsfrage im schroffen gegensetz zum Ideal eines herrschaftsfreien Dialogs in einer offenen Gesellschaft steht:

Rechter Theologe bei WDR 5„Im Diskurs zeigen, wo die Grenzen sind“

Brigitte Baetz ist Redakteurin beim Deutschlandfunk und hat zum Thema „Rechter Theologe bei WDR 5“ die Professorin für christliche Publizistik, Johanna Haberer, befragt (vgl. Link in der Reaktion von Berger).

WDR 5-Chef Florian Quecke erklärt am Vormittag der Ausstrahlung am 23. Januar bei WDR 5 „Neugier genügt“, warum das Tischgespräch mit David Berger trotz Kritik ausgestrahlt wird und wie auf diese mit zusätzlichen Diskussionen im Programm reagiert wird. Quecke räumt im Nachhinein ein, dass es besser gewesen wäre, statt eines „Portrait-Formats“ ein konfrontatives „Debatten-Format“ zu wählen. Konsequenzen daraus würden allerdings erst zukünftig gezogen. Die Sendung wird also ausgestrahlt und im Laufe des Tages vorab online gestellt.

Reaktion hierauf von David Berger:

Der WDR geht vor den linksextremen Shitstormern in die Knie und bereut es, dass er Berger heute Abend so ausführlich und in einem viel zu netten Format zur Wort wird kommen lassen. Deshalb sollen einige Sühne-Sendungen folgen, in denen Berger mit seinem „wechselhaften Leben“ gar nicht mehr zu Wort kommt, sondern nur seine linksradikalen Kritiker.“

Das angekündigte WDR 5 „Tischgespräch“ mit David Berger vorab online:

Theologe und Blogger David Berger

WDR 5 Tischgespräch | 23.01.2019 | 51:47 Min.

Das Enthüllungsbuch „Der heilige Schein“ des Theologen David Berger löste bei seinem Erscheinen im Jahr 2010 einen handfesten Skandal aus. – Moderation: Ulrich Horstmann“

Das Nollendorfblog aus Berlin von Johannes Kram:

David Berger auf WDR 5: Der journalistische Offenbarungseid des Senderchefs Florian Quecke

Geschrieben am 

Es ist, wie bei so vielen Affären. Nicht der eigentliche Fehler ist das Problem, sondern der Umgang damit. WDR5-Senderchef Florian Quecke, hat heute Vormittag im Radiomagazin „Neugier genügt“ seines eigenen Programmes zwar eingeräumt, dass es ein Fehler war, nicht ein diskusiveres Format als das „Tischgespräch“ für das Interview mit David Berger zu wählen. Außerdem seien in dem Gespräch, das heute Abend ausgestrahlt werden soll, „Chancen verpasst“ worden, gewisse Fragen zu stellen. Die eigentliche Kritik jedoch, die in diesem Blog und anderswo im Vorfeld hohe Wellen schlug, wies er zurück.Als die Moderatorin ihn darauf ansprach, dass ja die Art der Ankündigung zu heftigen Reaktionen geführt habe, behauptete Quecke, dass Berger dort angemessen dargestellt worden sei. Außerdem gebiete es die „Höflichkeit“, einen Gast dort nicht schlechter aussehen zu lassen. Dies ist ein journalistischer Offenbarungseid, an dem der Sender wohl noch länger zu knabbern haben wird. Denn niemand hatte ensthaft vorgeschlagen, Berger auf der Ankündigungsseite des WDR in irgendeiner Art und Weise zu diskreditieren. Es ging ganz einfach um eine saubere journalistische Einordung, die bis heute auf der WDR-Homepage fehlt. Vor allem war gefordert worden, dass dort die aktuellen Tätigkeiten des Gesprächsgastes und seine politische Richtung in irgendeiner Weise kenntlich gemacht werden.

Entweder meint Quecke also, dass die zur Verfügungstellung von Basisfakten keine journalistische Aufgabe ist. Oder er hält diese Fakten für so diskreditierend, dass man sie seinem Gast nicht zumuten kann. (Sollte dem so sein, stellte sich natürlich die Frage, warum man einen solchen Gast seinen Hörern zumuten kann.)

Die Affaire des Journalismusversagens des WDR in der Causa Berger hat also mittlerweile schon mehrere Stufen genommen. 1.) Die selbst als Fehler eingestandene Einladung in ein harmloses Gesprächsformat. 2.) Die dort (auch das wäre in einer solchen Sendung wohl möglich gewesen) offensichtlich unterlassene Konfrontation Bergers mit entscheidenden Elementen seines heutigen Tuns. 3.) Die völlig fehlerhafte Ankündigung Bergers auf der WDR-Homepage, die nahezu alle für das Verständnis des heutigen Wirken Bergers notwendigen Informationen unterschlägt. 4.) Ein Senderchef, der dies als „Höflichkeit“ markiert.

5.) aber, und das ist das Schlimmste: In dem der Sender zwar offiziell so tut, als sei er dankbar für die Kritik, diese aber im Kern als haltlos bezeichnet, stellt er nicht nur sich, sondern auch David Berger als Opfer dar. In meinem letzten Blogbeitrag dazu hatte ich geschrieben: Schlimmer kann man es nicht machen. Ich hatte mich geirrt.“

Ein FAZIT von Deutschlandfunk Kulltur vom 23.01.2019 lautet:

Arglose Plauderei mit einem rechten Hassprediger

In der Talkshow „Tischgespräch“ war der rechte Blogger und Publizist David Berger zu Gast. Mit Verweis auf einen „kritischen Diskurs“ sendete der WDR trotz aller Proteste das Interview. Eine journalistische Bankrotterklärung, kommentiert Matthias Dell.“

2 Kommentare zu „WDR 5 und die neuthomistische Rassenbiologie des David Berger

  1. Liebe Kollegin,
    Vielen Dank für Ihre ausführliche Beschäftigung mit dem Rassismus des David Berger. Ihr Hinweis auf den thomistischen Hintergrund seines (ich nenne es ganz deutlich) Katholfaschismus ist notwendig und erhellend.
    Nun handelt es sich bei ihm um einen Mann mit höchst problematischer Psychostruktur, die durchwirkt ist von Selbsthaßi und fürchterlicher Rachsucht. Wie Sie ja mitbekommen haben, beobachte ich ihn seit längerer Zeit. Sein Verhalten wies bereits vor seinem Aussscheiden als Religionslehrer die gleichen Muster auf. Er machte sich einen Namen in rechtskatholischen Kreisen durch seine monomanische posthume Kritik am liberalen Konzilstheologen Karl Rahner, den er mit den gleichen Methoden verunglimpfte, die er jetzt anwendet, um seine rassistischen Positionen zu propagieren .Lügen,Halbwahrkeiten,Klitterungen etc. Er schreckte auch nicht davor zurück Privates gegen Rahner zur Diffamierung einzusetzen – dessen Beziehung zu Luise Rinser.
    Auf gleiche Weise betreibt er einen regelrechten Vernichtungsfeldzug gegen die Deutsche AIDSHilfe und andere LGBT-Organisationen.
    Natürlich ist er ein „destruktiver Charakter“ nach Walter Benjamin; aber er vergißt dabei auch nie seinen eigenen Vorteil. Da sein Blog PP inzwischen bis zu 2 Millionen Aufrufe im Monat hat, muß man es als führendes Medium der rechten Szene bewerten. Er betreibt es mit dem Fanatismus eines Julius Streicher. Vor ihm habe ich bereits vor Jahren gewarnt, aber man hat oft abgewunken;w ir können nur hoffen, daß jetzt mit der „causa WDR – Tischgespräch“ sein Treiben und Unwesen genauer unter die Lupe genommen wird.

    Gefällt 2 Personen

    1. Lieber Herr Brosche,
      herzlichen Dank für Ihr Engagement gegen diesen Hetzer, das ich ebenfalls seit Jahren teile.
      Auf die Idee, dass Berger nach dem „Tischgespräch“ und der Aufregung im Netz nun genauer unter die Lupe genommen wird, bin ich noch gar nicht gekommen. Immerhin hat er seit geraumer Zeit offenbar großen Ärger mit der Justiz.
      Jürgen Fritz habe ich über einen Anwalt vor einem guten Jahr selbst wegen Volksverhetzung angezeigt. Bisher gab es noch keine Reaktion von der Justiz. Ich hoffe, dass das ein gutes Zeichen ist.
      Es würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn diesen Hetzern, die auch mich an Julius Streicher erinnern, besonders Berger mit seiner zuweilen sexuellen Einfärbung, endlich die rote Karte gezeigt würde.
      Ich halte Sie auf dem Laufenden. Beste Grüße, Patrizia Trolese

      Gefällt 3 Personen

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