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Jerusalem, Yad Vashem, Halle der Erinnerung, Berthold Werner – Eigenes Werk

Sehr geehrter Herr Präsident des Deutschen Bundestages Wolfgang Schäuble,

hiermit möchte ich an Sie im Zusammenhang mit der Gedenkfeier am 31. Januar 2019 im Deutschen Bundestag anläßlich des 74. Jahrestags der Befreiung der Vernichtungslager in Auschwitz zwei Bitten richten:

  1. Bitte laden Sie Herrn David Berger, Kurator der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES), für diese Gedenkfeier wieder aus.
  2. Bitte verweigern Sie auch den Politikern der AfD-Franktion im Bundestag die Teilnahme an der Feier.

Begründung: Es besteht die im Folgenden begründete Gefahr, dass die Genannten die Würde der bevorstehenden Gedenkfeier und die des Holocaust-Überlebenden Prof. Dr. Dres. h. c. mult. Saul Friedländer, der die Gedenkrede halten wird, aufgrund ihrer Gesinnung erheblich verletzen werden.

1. Causa David Berger

Vorwort

Zuletzt wurde der katholische Theologe David Berger einer breiteren Öffentlichkeit bekannt durch das WDR 5 „Tischgespräch“, dessen Ausstrahlung am 23. Januar 2018 insbesondere in den sozialen Medien nach der Ankündigung vorab kritisiert wurde und nach der Ausstrahlung wird. Gründe für die Kritik waren Beiträge auf Bergers Blog „Philosophia Perennis“ wie dieser:

Nach der Kritik an der Ausstrahlung seines Gespräches mit WDR 5 nahm Berger den Beitrag „Biologische Invasion“ von seiner Homepage. Diesen können Sie jedoch nachlesen auf archive.today. Weitere Informationen zu diesem Fall finden Sie im Beitrag WDR 5 und die neuthomistische Rassenbiologie des David Berger auf diesem Blog.

WDR 5-Chef Florian Quecke erklärte am Vormittag der Ausstrahlung bei WDR 5 „Neugier genügt“, warum das Tischgespräch mit Berger trotz Kritik ausgestrahlt wird und wie auf diese mit zusätzlichen Diskussionen im Programm reagiert werde. Quecke räumte ein, dass es besser gewesen wäre, statt eines „Portrait-Formats“ ein konfrontatives „Debatten-Format“ zu wählen. Konsequenzen daraus würden allerdings erst zukünftig gezogen.

Die Sendung wurde schließlich mit folgender Anmoderation ausgestrahlt:

„(…) Bereits die Ankündigung der Sendung zu zahlreichen kritischen Reaktionen in den sozialen Medien geführt. WDR 5 hat sich dennoch entschieden, das Gespräch zu senden, damit sich die Hörer und Hörerinnen selbst ein Bild machen können. In dem Gespräch ist auch David Bergers Internetblog ein Thema. Darin veröffentlicht Berger zum Reil rechtsradikale und menschenverachtende Beiträge.“

FAZIT von Deutschlandfunk Kulltur:

Arglose Plauderei mit einem rechten Hassprediger

In der Talkshow „Tischgespräch“ war der rechte Blogger und Publizist David Berger zu Gast. Mit Verweis auf einen „kritischen Diskurs“ sendete der WDR trotz aller Proteste das Interview. Eine journalistische Bankrotterklärung, kommentiert Matthias Dell.“

Der primäre Antisemitismus des David Berger

Vorbemerkung: Der antisemitische Code der „Neuen Weltordnung“ (NWO)

Die Spezifik des modernen Antisemitismus – seine antiliberale und antimoderne Stoßrichtung, sein verschwörungsmythischer Antikapitalismus, die falsche Identifikation ‚der Juden’ mit Geld, Geist und Macht – wird inhaltlich nicht angemessen thematisiert. Unberücksichtigt bleibt, dass Rassismus und Antisemitismus zwar Überschneidungen in den Mechanismen der Ausgrenzung aufweisen, dass sie aber in ihrer Geschichte, ihren Projektionsinhalten und ihrer gesellschaftlichen Funktion verschieden sind und deshalb Antisemitismus nicht als eine Spielart des Rassismus behandelt werden kann.

Auf der projektiven Ebene ist es vor allem das Phantasma von der jüdischen Weltverschwörung, das den Antisemitismus vom Rassismus unterscheidet. In immer neuen, aber im Kern identischen Varianten werden ‚die Juden’ als der absolute Feind imaginiert. Sie gelten als eine Macht, die Völker, Kulturen und Religionen zerstören wolle und könne und die die Weltherrschaft erstrebe bzw. besitze. Es ist dieses paranoid-projektive Welterklärungsprinzip – ‚der Jude’ als das Böse schlechthin, das vernichtet werden müsse, wenn das eigene Überleben gesichert werden solle –, die den modernen Antisemitismus vom (post)kolonialen Rassismus unterscheidet: Im Rassismus werden die Hass-Objekte selten mit Geld, Geist, Macht und Modernität assoziiert, sondern mit Animalität, Primitivität und Mangel an Intelligenz. (Quelle: bpb.de)

Als Folge sozialer Ächtung des Antisemitismus wird häufig auf Codes zurückgegriffen. Wenn das Böse beschrieben wird, das im Geheimen wirkt, kommen bei (latenten) Antisemiten Eigenschaften zum Vorschein, die einst Juden als »Agenten des Bösen« zugeschrieben wurden. Bei der „Globalisierungskritik“ wird das Bild des gierigen jüdischen Bankers bedient, die internationale Politik, z.B. die der Europäischen Union, ist immer schon »jüdisch« und gegen die Souveränität der Nationalstaaten gerichtet. (Quelle: amadeu-antonio-stiftung.de)

Das moderne Narrativ rechtsextremer Verschwörungstheoretikder ist das der „Neuen Weltordnung“ (NWO). Als NWO wird das angebliche Ziel von Eliten und Geheimgesellschaften bezeichnet, eine autoritäre, supranationale Weltregierung zu errichten. Als Personifizierung der NWO ist bei rechtsextremen Antisemiten insbesondere George Soros ins Visier geraten, ein US-amerikanischer Philanthrop und Investor ungarischer Herkunft und Betreuer vieler Fonds. Rechtsextremisten werfen Soros vor, seine Open Society Stiftungen dazu einzusetzen, gezielt Gesellschaften von Staaten zu untergraben, um damit die Errichtung einer einheitlichen globalen Regierung herbeizuführen. (Quellen: amadeu-antonio-stiftung.dejungle.world, 12app.ch)

Zu David Berger:

In dem eigenen Beitrag „Zornausbruch im Vatikan: US-Katholiken deckten die Verwicklung des Papstes in das Soros-Netzwerk auf“ erhebt Berger den Vorwurf, Barack Obama und Hillary Clinton hätten sich mit dem Projekt „Katholischer Frühling“ (catholic spring) in innerkatholische Angelegenheiten eingemischt:

„Unter diesem Stichwort „catholic spring“ sollen Soros, Obama und Clinton die ihnen zur Verfügung stehende diplomatische Maschinerie der Vereinigten Staaten, ihre Einflüsse und die Finanzmacht Soros benutzt haben, um den „Regimewechsel“ in der römisch-katholischen Kirche zu erpressen, bzw. um den konservativen Benedikt durch den jetzigen Papst Franziskus zu ersetzen.“

Als „Handlanger des Soros-Plans“ bzw. „Malta-Plans“, der angeblich die „Organisation von Flüchtlingsströmen nach Europa“ bezweckt, identifizieren Berger und seine Gast-„Autoren“ auf „Philosphia Perennis“ in zahlreichen Beiträgen über Soros u. a. Martin Schulz, Sigmar Gabriel, Alexander Graf von Lambsdorff, das Auswärtige Amt, Emanuel Macron, Mastercard und Joschka Fischer. Bisher widmen sich alleine 50 Artikel auf Bergers Blog direkt oder indirekt George Soros und seiner vermeintlichen Verschwörung. (Quellen: philosophia-perennis.com/?s=george+soros)

Dabei werden zum Teil auch unverdeckt antisemitische Ressentiments mit Titelfotos bedient:

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Zudem macht sich David Berger gemein mit bekennenden Neonazis und Neofaschisten, bei denen Antisemitismus zum „guten Ton“ gehört. So veröffentlichte Berger in seinem Blog unter dem Titel „Hüten wir uns vor der Auflösung des klassischen Ideals von Ehe und Familie!“ ein Interview auf Deutsch, das der rechtsextreme Aktivist Valerio Benedetti mit ihm für das italienische Magazin „Il Primato Nazionale“ („Nationale Vorherrschaft“) geführt hat – dieses gilt als Hausblatt der neofaschistischen Partei und Bewegung „Casa Pound“. In dem Interview verbreitet Berger auch die Lüge, Täter homofeindlicher Gewalt in Deutschland seien „zu 95 % junge Männer mit muslimischem Kulturhintergrund“. Noch zwei weitere Beiträge auf Bergers Blog nehmen zu Benedetti Bezug. (Quelle: philosophia-perennis.com/?s=benedetti)

Bei den beiden Rednern im folgenden Video handelt es sich um Robert V. und Ernst Cran, auf die sich Berger in seinen Beiträgen auf seinem Blog wiederholt positiv bezieht (Quellen: philosophia-perennis.com/?s=ernst+cran). Der erste Redner, Robert V., ist ein mehrfach vorbestrafter Neonazi, der das Hakenkreuz-Tatoo auf seiner Brust nur deshalb zu einem Totenkopf hat umstechen lassen, um seine beruflichen Chancen zu verbessern (Quelle: loz-news.de). Gegen den zweiten Redner, den evangelische Pfarrer Ernst Cran, läuft aktuell ein Verfahren wegen Volksverhetzung (Quelle: abendzeitung-muenchen.de).

Der sekundäre Antisemitismus des David Berger

Vorbemerkung:

Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert kennt noch weitere Camouflage-Strategien. Neben der häufig links-antisemitischen Gleichsetzung des jüdischen Staats mit dem NS-Staat als absolutem Täter gibt es auch die rechts-antisemitische Gleichsetzung von „Juden damals“ und „Deutschen heute“ als absolutem Opfer. Durch die erfolgreiche Etablierung des „Auschwitz-Mythos“ als „säkularisierter Staatsreligion“ seien das „deutsche Volk“ samt seiner glorreichen Geschichte, Kultur und Tradition heute von der „totalen Vernichtung“ bedroht. Diese abstruse Denkfigur erfreut sich insbesondere in völkisch-nationalistischen Kreisen der sogenannten Neuen Rechten großer Beliebtheit. Sie ist typisch für die in der Forschung als sekundär bezeichneten Formen eines auf Geschichtsverleugnung ausgerichteten Antisemitismus. In ihm werden ‚die Juden‘ als ewiger Störenfried der Erinnerung imaginiert. Ausdruck findet dieses Denken u. a. in dem Kampfbegriff „Schuldkult“. (Quelle: bpb.de)

Zu David Berger:

»Wenn ein Homo-Magazin aus Angst vor dem Islamismus in die Knie geht, ist das eine dunkle Stunde für den Journalismus insgesamt«, schrieb David Berger Anfang Februar 2015. Kurz zuvor hatte ihn der Bruno-Gmünder-Verlag mit sofortiger Wirkung seines Postens als Chefredakteur des schwulen Kaufmagazins „Männer“ enthoben. Zum Verhängnis wurde Berger letztendlich der Lehrer und Autor Daniel Krause. Unter Bergers Verantwortung durfte dieser einen Beitrag auf dem Männer-Blog der Huffington Post veröffentlichen. »Die publizistische Grundhaltung« des Autors Krause widerspreche den »journalistischen Ansprüchen und Werten« des Bruno-Gmünder-Verlags fundamental, distanzierte sich das Unternehmen deutlich.

Krause hatte zum 70. Jahrestag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in der Call-in-Sendung »Tagesgespräch« auf WDR 5 Aufschluss über seine Grundhaltung gegeben: »Mich persönlich interessiert Auschwitz privat überhaupt nicht. Ich beschäftige mich lieber mit dem IS-Terrorismus, mit dem Islamismus. Mir geht sogar die Massentierhaltung emo­tional näher als Auschwitz. Alle 20 Minuten sterben sechs Millionen Tiere, das geht mir emotional viel näher!« Der WDR veröffentlichte das Gespräch im O-Ton. Die Medien stürzten sich auf den Fall. (Quelle: jungle.world)

Im April 2017 läßt Berger auf seinem Blog „Philosophia Perennis“ einen Gast-„Autor“ im Beitrag Was ist eigentlich, wenn wir verlieren? fragen:

„Was ist, wenn eine Partei wie die AfD in der Opposition eben nicht ausreicht?

Was ist, wenn die Soros hörigen Globalisten in Europa an der politischen Macht bleiben und auch weiterhin vom grasenden Volk gewählt werden? (…)

So wird man irgendwann in den Geschichtsbüchern über uns schreiben:

„Das dem Schuldkult ergebene, stillschweigendes Volk ohne Identität.““

Ausgerechnet zwei Tage vor dem 74. Jahrestag der Befreiung der Vernichtungslager in Auschwitz läßt Berger auf seinem Blog in dem Beitrag Die ersten Opfer waren die Deutschen selbst! eines Gast-„Autoren“ die Singularität des Holocausts relativieren:

„Die ersten Opfer des National-Sozialismus waren die Deutschen selbst: es waren Deutsche, die im ersten KZ auf deutschem Boden, in Dachau am 30. März 1933 inhaftiert wurden. Es waren deutsche Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Christen der bekennenden Kirche, Zeugen Jehovas, Schwule, Sinti, Roma und wahrhaftig nicht zuletzt deutsche Juden (…).

Nicht nur, daß (…) die Selektierung nach Opfern erster oder zweiter Klasse oder gar die Wertung von Opfern als Täter keinen Sinn macht. Nein, vielmehr: wer hier überhaupt sortieren will, dem fehlt ein gewaltiges Stück Menschlichkeit.

Wenn wir heute ALLER Opfer des National-Sozialismus gedenken, so tun wir das, um einseitigen Wertungen entgegen zu treten.“

Der deutsche Historiker Eberhard Jäckel nennt als entscheidende historische Besonderheit des Holocaust, dass „noch nie zuvor ein Staat mit der Autorität seines verantwortlichen Führers beschlossen und angekündigt hatte, eine bestimmte Menschengruppe einschließlich der Alten, der Frauen, der Kinder und der Säuglinge möglichst restlos zu töten, und diesen Beschluss mit allen nur möglichen staatlichen Machtmitteln in die Tat umsetzte.“ (Quelle: Eberhard Jäckel, Die elende Praxis der Untersteller, in: Historikerstreit, München 1987, S. 118)

Der deutsche Historiker Dieter Pohl sieht als Besonderheiten des Holocaust, auch gegenüber anderen von NS-Massenmorden, ein staatliches Programm, eine Gruppe von Menschen nur wegen ihrer Herkunft restlos und in kürzester Zeit zu ermorden, beruhend auf einer zur Staatsdoktrin des Deutschen Reiches erhobenen Judenfeindschaft mit Merkmalen einer Welt-Verschwörungstheorie, die sich daher rasant verbreiten und für große Bevölkerungsteile „handlungsrelevant“ werden konnte (Quelle: Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, S. 109 f.):

„Für die Explosivität des Antisemitismus im Vergleich zu den anderen Vorurteilen sorgte vor allem der von vielen geteilte Glaube, Juden seien als Kollektiv dabei, die Welt zu beherrschen, sie seien eine Bedrohung für die Menschheit.“ 

Der „Solidarität mit Israel“, die Berger auf seinem Blog an prominenter Stelle bekundet, scheint also ein Feigenblatt zu sein ähnlich wie die Organisation „Juden in der AfD“ (JAfD) bei der AfD mit dem Ziel, Juden gegen die unerwünschten Muslime, denen pauschal Antisemitismus vorgeworfen wird, politisch zu mißbrauchen. Um Antisemitismus selbst scheint es Berger wie der AfD jedenfalls kaum zu gehen, da lediglich der von Muslimen (und Linken) und niemals der von Rechtsextremen thematisiert wird. (Vgl.: deutschlandfunkkultur.de)

2. Causa AfD

Der primäre Antisemitismus der AfD

Antisemitischen Positionen vom AfD-Poltikern – und zwar sowohl primärer als auch sekundärer Art – sind zahlreich. Die bekanntesten AfD-Politiker, die solche Positionen vertreten, dürften Wolfgang Gedeon und Björn Höcke sein. (Quellen: zeit.de, wa.deyoutube.comyoutube.com, bz-berlin.denordkurier.de, swp.dewikipedia.org, wikipedia.org) Bei der Darstellung des Antisemitismus der AfD werde ich mich im Folgenden lediglich auf deren Spitzenfunktionäre auf Bundesebene und Politiker der AfD-Bundestagsfraktion beziehen, um gezielt die Politiker ins Visier zu nehmen, die die kommende Gedenkfeier im Bundestag stören könnten.

Beatrix von Storch

Auf dem Online-Portal Die Freie Welt, Teil des Vereinsnetzwerks Zivile Koalition, das von der stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden Beatrix von Storch und ihrem Mann Sven von Storch betrieben wird, werden Texte über die jährlich stattfindende Bilderberg-Konferenz von Entscheidungsträgern aus aller Welt veröffentlicht: Deren Teilnehmer würden „am größten demographischen Experiment aller Zeiten arbeiten“ und die „große Migrationsbewegung“ orchestrieren. Juden werden für die „Hypersexualisierung der modernen Gesellschaft“ verantwortlich gemacht. Diese könnte zum „Genozid“ und zum „kulturellen Selbstmord“ der christlichen Europäer führen. Angela Merkel sei eine Vertreterin der „Neuen Weltordnung“ und werde von der „Rothschild-Familie“ und dem „Rockefeller-Fund“ instrumentalisiert. Dem jüdischen Milliardär und Philanthropen George Soros wird vorgeworfen, dass er an der „Entchristianisierung“ Europas arbeite. (Quelle: zeit.de)

Peter Böhringer

Auch Peter Boehringer, Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Bundestag, glaubt an die Existenz geheimer, global operierender Eliten, die im Hintergrund an einer NWO arbeiten. Die Gesellschaft solle dabei so verändert werden, dass die Eliten sie besser kontrollieren können. Auf Facebook erklärt Boehringer, in Deutschland steuere die NWO bereits die Bundesregierung, habe aber auch die evangelische Kirche, die Bahn, die CSU, die Grünen in Baden-Württemberg, diverse Hilfsorgansationen sowie die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft infiltriert. Die Vereinten Nationen werden laut Boehringer ebenfalls von der NWO gesteuert. Böhringer glaubt außerdem, die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten seien Teil einer gesteuerten Invasion. Sie würden für die Überfahrt nach Europa Geld erhalten. Ziel sei es, Europa zu islamisieren. (Quelle: tagesspiegel.de)

Jörg Meuthen

»Teuer finanzierte Stimmungsmache!« klagte der Co-Bundessprecher der AfD Jörg Meuthen im März 2018 auf einem Facebook-Bildchen: »Sozis und Soros vereint im Kampf gegen unsere Bürgerpartei.« Was nach einer modernen Version der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung klingt, ist in seinen Augen offenbar eine: Die »Stiftung Neue Verantwortung«, um die es im Posting geht, hat mit Michael Vassiliadis einen Vorsitzenden, der, wie Meuthen anmerkt, SPD-Mitglied ist. Und im Jahr 2016 bekam die Stiftung von George Soros’ »Open Society Foundation« 80 535 Euro gespendet – gerade mal sieben Prozent der Gesamtspenden in Höhe von 1 122 226 Euro.

Im Begleittext, den Meuthen zum Bildchen verfasste, geht es u. a. darum, dass Soros 1992 am »Schwarzen Mittwoch« als Währungsspekulant viel Geld verdiente, mit dem er heutzutage seine Vorstellungen in reale Politik umzusetzen versuche. Dass für den „Black Wednesday“ eher die Bundesbank und Margaret Thatcher verantwortlich waren und Soros nur die sich ihm bietenden Möglichkeiten nutzte, erwähnte ­Meuthen nicht.

Alexander Gauland

In einem Gastbeitrag im Oktober 2018 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte der Co-AfD-Chef und Fraktionsvorsitzende im Bundestag Alexander Gauland die angebliche Heimatlosigkeit der Eliten angeprangert. Eine „globalistische Klasse“ gebe kulturell und politisch den Takt vor. Ihre Mitglieder fühlten sich in einer abgehobenen Parallelgesellschaft als Weltbürger. Ihnen gegenüber stünden „diejenigen, für die Heimat noch immer ein Wert an sich ist und die als Erste ihre Heimat verlieren, weil es ihr Milieu ist, in das die Einwanderer strömen“.

Duktus und Argumentation erinnern an die Rede Adolf Hitlers aus dem Jahr 1933 in Berlin-Siemensstadt. Hitler hatte in seiner Rede gegen „eine kleine, wurzellose, internationale Clique“ Front gemacht, die überall und nirgends zu Hause sei, heute in Berlin lebe und morgen in Brüssel. Damit meinte Hitler „die Juden“. Das Volk aber könne ihnen nicht nachfolgen, es sei „gekettet an seine Heimat, ist gebunden an die Lebensmöglichkeiten seines Staates, der Nation“. (Quellen: wr.de, jmberlin.de)

Der sekundäre Antisemitismus der AfD

Mehrere AfD-Abgeordnete und Bundestagskandidaten haben die Erinnerung an den Nationalsozialismus im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 öffentlich als „Schuldkult“ bezeichnet: Am 17. Januar 2017 erklärte der Dresdner Richter Jens Maier in einer Rede für die Junge Alternative im Ballhaus Watzke (Dresden) den deutschen „Schuldkult“ für „endgültig beendet“. Zudem wandte er sich gegen eine „Herstellung von Mischvölkern“. (Quelle: welt.de) Auch Alice Weidel sprach im Juni 2017 vom deutschen „Schuldkult“ (Quelle: berliner-zeitung.de). 

Wilhelm von Gottberg

Am 5. Februar 2017 erklärte Wilhelm von Gottberg in seiner Bewerbung für die Bundestagskandidatur beim AfD-Parteitag in Hannover: Er wolle sich dafür einsetzen, den „Kult mit der Schuld“ zu beenden, weil die Aufarbeitung der NS-Zeit abgeschlossen sei. (Quelle: taz.de)

Von Gottberg hatte schon 2001 behauptet, der Holocaust werde „immer noch“ „als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen und ihrer Geschichte (…) herangezogen“ und gefragt, „wie lange noch die nachwachsende Generation mit dem Makel der Schuld für zwölf Jahre NS-Diktatur belastet“ werde. Als Antwort hatte er einen Holocaustleugner zitiert: „… in immer mehr Staaten wird die jüdische ›Wahrheit‹ (Anführungsstriche im Original!) über den Holocaust unter gesetzlichen Schutz gestellt. Der Holocaust muß ein Mythos bleiben, ein Dogma, das jeder freien Geschichtsforschung entzogen bleibt.“ (Quelle: zeit.de)

Martin Hohmann

Bereits am 3. Oktober 2003 hielt Martin Hohmann in Neuhof eine Rede zum Tag der Deutschen Einheit. Darin monierte er, „dass man als Deutscher in Deutschland keine Vorzugsbehandlung“ genieße, und stellte die Frage, ob es nicht sinnvoll sei, die Zahlungen an die EU sowie die Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter während des NS-Regimes und an die jüdischen Opfer des Holocaust angesichts der schlechten Wirtschaftslage zu verringern.

Um das Argument zu entkräften, dies sei aus historischen und moralischen Gründen nicht möglich, diskutierte er anschließend den Begriff „Tätervolk“ in Zusammenhang mit „den Deutschen“ während der Zeit des Nationalsozialismus einerseits und „den Juden“ während der Oktoberrevolution und der Zeit des Stalinismus andererseits. Er berief sich dabei auf das Werk Jüdischer Bolschewismus von Johannes Rogalla von Bieberstein (Dresden 2002, Neuausg. Graz 2010) und zitierte unter anderem aus dem Buch Der internationale Jude, das in den 1920er Jahren von Henry Ford herausgegeben worden war. Nach diesen Thesen, so Hohmann, könnte man „mit einer gewissen Berechtigung … nach der ‚Täterschaft‘ der Juden fragen“ und diese „mit einiger Berechtigung als ‚Tätervolk‘ bezeichnen“. Damit würde man nur „der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als Tätervolk bezeichnet“. Im weiteren Verlauf traf Hohmann die Feststellung, der Begriff „Tätervolk“ und der damit verbundene Vorwurf der „Kollektivschuld“ sei sowohl „den Juden“ als auch „den Deutschen“ gegenüber absurd und unangebracht. Das wahre Tätervolk des 20. Jahrhunderts, so Hohmann, seien die „Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien“ gewesen. (Quelle: web.archive.org)

Die folgenden Passagen aus der Rede brachten Hohmann den Vorwurf des Antisemitismus ein:

„Die Schuld von Vorfahren an diesem Menschheitsverbrechen hat fast zu einer neuen Selbstdefinition der Deutschen geführt. Trotz der allseitigen Beteuerungen, dass es Kollektivschuld nicht gäbe, trotz nuancierter Wortneuschöpfungen wie ‚Kollektivverantwortung‘ oder ‚Kollektivscham‘: Im Kern bleibt der Vorwurf: die Deutschen sind das ‚Tätervolk‘.“

„Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende Frage: Gibt es auch beim jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leidtragenden?“

„Meine Damen und Herren, es wird Sie überraschen, daß der amerikanische Autokönig Henry Ford 1920 ein Buch mit dem Titel ‚The International Jew‘ herausgegeben hat. […] Darin prangert Ford die Juden generalisierend als ‚Weltbolschewisten‘ an. Er vermeinte, einen ‚alljüdischen Stempel auf dem roten Rußland‘ ausmachen zu können, wo damals die bolschewistische Revolution tobte. Er bezeichnete die Juden in ‚hervorragendem Maße‘ als ‚Revolutionsmacher‘. […] Ford brachte in seinem Buch eine angebliche ‚Wesensgleichheit‘ von Judentum und Kommunismus bzw. Bolschewismus zum Ausdruck. Wie kommt Ford zu seinen Thesen, die für unsere Ohren der NS-Propaganda vom ‚jüdischen Bolschewismus‘ ähneln?“

„Mit einer gewissen Berechtigung könnte man im Hinblick auf die Millionen Toten dieser ersten Revolutionsphase nach der ‚Täterschaft‘ der Juden fragen. Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als ‚Tätervolk‘ bezeichnen. Das mag erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als Tätervolk bezeichnet.“

„Daher sind weder ‚die Deutschen‘ noch ‚die Juden‘ ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts […]. Mit Gott in eine gute Zukunft für Europa! Mit Gott in eine gute Zukunft, besonders für unser deutsches Vaterland!“

Im Juli 2004 wurde Hohmann aus seiner damaligen Partei, der CDU Hessen, ausgeschlossen. Die AfD nahm ihn im Frühjahr 2016 als Mitglied auf, wobei seine als antisemitisch kritisierte Rede den Beitrittsprozess nicht beeinflusste. (Quellen: welt.dejuedische-allgemeine.de)

Alexander Gauland

„Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ 

Alexander Gaulands „Vogelschiss“-Rede auf dem Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“ (JA) im thüringischen Seebach im Juni 2018 habe ich im Beitrag Alexander Gauland – Sein Kampf auf diesem Blog bereits ausführlich kommentiert.

Am 2. September forderte AfD-Spitzenkandidat Gauland bei einem „Kyffhäuser-Treffen“ der AfD in Thüringen einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit und eine Neubewertung der Taten deutscher Soldaten im zweiten Weltkrieg. In seiner Rede sagte Gauland, kein anderes Volk habe „so deutlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt wie das deutsche“. Mit Blick auf die NS-Zeit fügte Gauland hinzu: „Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen.“

Gauland forderte außerdem eine Neubewertung der Taten deutscher Soldaten in beiden Weltkriegen. Wenn Franzosen und Briten stolz auf ihren Kaiser oder den Kriegspremier Winston Churchill seien, „haben wir das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“, sagte Gauland.

In einem Interview mit der „Neue Züricher Zeitung“, das am 3. Dezember 2018 veröffentlicht wurde, wiederholte Gauland:

„Der Holocaust ist nicht die Basis unseres Selbstverständnisses; auch wenn dies in Reden gern gesagt wird. Man kann auf der Grundlage eines solchen Verbrechens kein Selbstverständnis aufbauen. Sonst müssten wir ja ununterbrochen herumlaufen und uns schämen, Deutsche zu sein. Das kann man nicht machen, es würde uns seelisch überfordern.“ (Quelle: nzz.ch)

Kay Gottschalk

Vorbemerkung: Eine weitere Camouflage-Strategie ist die rechts-antisemitische Gleichsetzung von „Juden damals“ und „Deutschen heute“ als vermeintliche Opfer von Diskriminierung.

Nach einem Antrag, AfD-Mitglieder aus dem Hamburger SV auszuschließen, vergleicht Kay Gottschalk seine Partei öffentlich mit den unterdrückten und verfolgten Juden der NS-Zeit.

Jörg Meuthen

In das gleiche Horn wie Kay Gottschalk bläst Jörg Meuthen beim Neujahrsempfang der AfD in Krefeld am 24. Januar 2019. Dort verglich der Europaparlamentarier und Bundessprecher der AfD die Attacken auf AfD-Leute mit der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten. Meuthen hat die Angriffe auf Büros und Abgeordnete der AfD als „Vorstufe eines neuen Totalitarismus“ bezeichnet, als „bunten Totalitarismus der Gegenwart“. Attacken wie den auf den Bremer AfD-Politiker Frank Magnitz seien „durchaus vergleichbar mit den Praktikern der SA“, sagte Meuten unter Applaus der rund 300 Gäste. (Quelle: rp-online.de)

Sehr geehrter Herr Präsident des Deutschen Bundestags Wolfgang Schäuble,

keinesfalls möchte ich alle Politiker der AfD-Fraktion im Bundestag pauschal als Antisemiten bezeichnen. Allerdings haben sich bereits zwei Mal am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in einer Art „Treue-Schwur“ jeweils nahezu die gesamte AfD-Fraktion als Opfer stilisiert, indem sie nach Kritik durch die Gedenk-Redner den Saal verließen oder diesen den Beifall verweigerten. Diese Stilisierung als Opfer interpretiere ich spätestens nach der zuletzt dargestellten Äußerung von Jörg Meuthen als sekundären Antisemitismus.

Bitte machen Sie nicht den gleichen Fehler wie der WDR 5, der in der breiten Öffentlichkeit wiederholt Rechtsradikale mit offenbar antisemitischen Positionen „zu Worte“ kommen ließ, obwohl deren Gesinnung bekannt war. Bitte schließen Sie sich dem Direktor der „Stiftung Gedenkstätte Buchenwald“ Prof. Dr. Volkhard Knigge an, der Vertretern der AfD die Teilnahme an einer Kranzniederlegung der Thüringer Landesregierung und des Landtags im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald verwehrt hat. (Quelle: deutschlandfunk.de) Bitte verhindern Sie, dass sich Bilder wie die Folgenden ein drittes Mal wiederholen.

Vielen Dank im Voraus. Ich bin mir sicher, dass Ihnen viele weitere Demokraten und vor allem die Holocaust-Überlebenden und Gastredner dankbar sein werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Patrizia Trolese

Ein Kommentar zu „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – Offener Brief an Wolfgang Schäuble zur Causa David Berger & AfD

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